Irankrieg, Gaza, Ukraine – bei all diesen Kriegen ist der Sudan in Vergessenheit geraten. Doch auch dort tobt seit drei Jahren ein heftiger Bürgerkrieg. Viele Millionen Menschen sind innerhalb des Landes oder in benachbarte Länder geflüchtet. Die Versorgung mit Lebensmitteln und sauberem Wasser wird zunehmend schwieriger.
Unterstützung für Sudan: Initiativen aus Baden-Württemberg
Einzelpersonen und Vereine versuchen, von Deutschland aus Hilfen ins Land zu schicken. Eine von ihnen ist Hala Elamin. Die gebürtige Sudanesin, die seit 25 Jahren in Baden-Württemberg lebt, arbeitet als Heilerziehungspflegerin bei der diakonischen Einrichtung Sonnenhof in Schwäbisch Hall und ist zudem als interkulturelle Promoterin im Regierungsbezirk Stuttgart unterwegs.
Humanitäre Krise spitzt sich zu
Ein Großteil von Hala Elamins Familie lebt noch im Sudan und ist seit gut drei Jahren ständig auf der Flucht. Es gebe keine Behörden, kein sauberes Trinkwasser, keinen Strom. Auch die meisten Hilfsorganisationen hätten sich aus der Region von Khartum zurückgezogen; einige versuchten von der Hafenstadt Port Sudan aus, Flüchtlinge zu versorgen.
Die Infrastruktur in der Hauptstadt Khartum ist vollkommen zerstört.
erzählt Hala Elamin
Hilfsprojekte im Sudan unter Druck
Ähnliches berichtet Valerian Grupp vom Evangelischen Jugendwerk Württemberg (EJW). Er ist Landesreferent und zuständig für die Hilfsprojekte im Sudan. Bereits seit 25 Jahren unterstützt das EJW verschiedene Projekte im Sudan sowie Südsudan. Immer wieder kommt es zu neuen militärischen Konflikten zwischen rivalisierenden Gruppierungen. Seit Februar 2023 kämpfen Rebellengruppen gegen Regierungstruppen. Verschiedene Länder wie Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien unterstützen die verfeindeten Lager mit Waffen und Geld und verfolgen dabei eigene Interessen. Daher wird es Grupp zu Folge zunehmend schwerer Geld in den Sudan zu schicken, da immer der Verdacht der Terrorfinanzierung im Raum steht.
Die meisten Banken boykottieren Überweisungen.
sagt Valerian Grupp, EJW
EJW unterstützt Schule für Flüchtlingskinder
Das EJW finanziert seit vielen Jahren eine Schule für Flüchtlingskinder. Diese wurde in Port Sudan gegründet für Familien, die wegen eines bewaffneten Konflikts geflüchtet waren. Durch den neuen Bürgerkrieg sei die Zahl der Schüler von 500 auf 800 gestiegen, berichtet Grupp. Am wichtigsten sei für die Kinder die tägliche Schulspeisung, die oft die einzige Mahlzeit am Tag ist. Mit 50.000 Euro hat das EJW im vergangenen Jahr die Schule unterstützt und sammelt auch aktuell wieder Spenden für das Projekt.
Spenden aus Württemberg: Netzwerke vor Ort aktiv
Hala Elamin unterstützt mit ihrem Freundeskreis Afrika gezielt mit Spenden für Lebensmittel und Medikamente einzelne Großfamilien. Zudem unterstützt der Freundeskreis sogenannte Takaaya. Das sind große Gemeinschaftsküchen, die es mittlerweile in jedem Dorf und jedem Stadtteil gibt.
Da es keine staatlichen Strukturen mehr gibt, funktioniert die Gesellschaft nur durch das Engagement der Bürger.
berichtet Hala Elamin
Hilfe für sudanesische Familien aus Herrenberg
Spenden für Menschen im Sudan sammelt auch der Herrenberger Ismail Yavuzcan. Der Historiker und Gymnasiallehrer organisiert gemeinsam mit einem Freund Lebensmittelspenden an sudanesische Flüchtlingsfamilien. „Helfer vor Ort packen in der Küstenstadt Port Sudan Pakete mit Mehl, Öl Linsen, Milchpulver und Zucker.” Diese Pakete werden an bedürftige Familien verteilt. Mit der Hilfe konnten bereits 200 sudanesische Familien versorgt werden.
Diakonie fordert mehr Geld für Sudan-Hilfe
Drei Jahre nach Kriegsbeginn im Sudan dringt die evangelische Kirche auf mehr Geld, um den Menschen in dem afrikanischen Land zu helfen. Ansonsten würden viele Menschen, die schon heute akut hungern, ein viertes Kriegsjahr nicht überleben.
Im Sudan sind mehr als 33 Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen. Es braucht eine internationale Kraftanstrengung, um der derzeit größten humanitären Katastrophe wirksam zu begegnen.
sagt Dagmar Pruin, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe
Die evangelische Hilfsorganisation und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erklärten, dass der humanitäre Hilfsplan für den Sudan im vergangenen Jahr nur zu 40 Prozent finanziert gewesen sei, knapp 2,2 Milliarden Euro hätten gefehlt. Die Aussichten blieben angesichts von Haushaltskürzungen in vielen Geberländern düster. Auch Deutschland habe seit dem vergangenen Jahr die Mittel für weltweite humanitäre Hilfe mehr als halbiert.
Familien durch Krieg im Sudan getrennt
Der Berliner Bischof Christian Stäblein, EKD-Beauftragter für Flüchtlingsfragen, sagte, fast 90 Prozent der Menschen, die vor den Gräueln des Kriegs im Sudan fliehen und den Tschad erreicht haben, seien Frauen und Kinder. Väter und junge Männer seien auf dem Weg getötet oder vom Militär rekrutiert worden, oder sie versteckten sich. Laut Stäblein brauche es umfängliche Hilfe für die Menschen auf der Flucht und für jene, die sie im Tschad aufnehmen.
Dieser Krieg verursacht tiefe Traumata und zerrissene Familien, die sich ohne Hilfe kaum über Wasser halten können.
sagt Christian Stäblein, Theologe und EKD-Beauftragter für Flüchtlingsfragen