Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland hat ihre Solidarität mit Pfarrer Ralf Sedlak und der Evangelischen Kirchengemeinde Langenau im Alb-Donau-Kreis bekundet. In einem am 14. Juli in München veröffentlichten Schreiben an den Pfarrer und die Kirchengemeinde drückt die Rabbinerkonferenz ihre „aufrichtige Solidarität und tief empfundene Dankbarkeit” aus.
Anfeindungen seit über einem Jahr
Seit über eineinhalb Jahren sind Gemeindepfarrer Ralf Sedlak, seine Familie und Gottesdienstbesucher massiven Anfeindungen ausgesetzt. Diese begannen, als der Pfarrer im Oktober 2023 im Gottesdienst den Überfall der Hamas auf Israel erwähnte. Zu den Anfeindungen gehörten wöchentliche Pro-Palästina-Demonstrationen von meistens rund fünf Personen mit Plakaten sowie antisemitische Schmierereien an der Martinskirche. An Silvester 2023 gab den Angaben zufolge ein Unbekannter fünf oder sechs Schüsse mit einer Signalpistole auf Pfarrhaus und Gemeindehaus ab.
Handgreiflichkeiten nach Gottesdienst in Langenau
Nach einem Gottesdienst am 6. Juli kam es vor der evangelischen Martinskirche in Langenau zu Handgreiflichkeiten. Ersten Erkenntnissen zufolge soll ein 75-jähriger Demonstrant den Pfarrer der Gemeinde verunglimpft und einen 84-Jährigen zu Boden gestoßen haben. Daraufhin ging wohl ein 62-Jähriger den 75-Jährigen körperlich an, wodurch auch dieser stürzte. Der 75-Jährige gilt als Drahtzieher des Protests gegen die Kirchengemeinde. Die Polizei ermittelt.
Kirche setzt Hoffnung auf Allgemeinverfügung
Am 9. Juli hatte der württemberger Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl die Stadt aufgefordert, eine Allgemeinverfügung zu erlassen. „Die Aktivisten wollen die Gemeinde, wollen den Pfarrer und seine Familie zermürben“, kritisierte er. Der Gottesdienst werde laut Teilnehmern zum „Spießrutenlauf“. Einzelne kämen deshalb schon nicht mehr.
Die Stadtverwaltung hat am 11. Juli eine Allgemeinverfügung erlassen. Diese beinhalte, dass im Umkreis der Martinskirche keine Kundgebungen und Versammlungen durchgeführt werden dürfen, „um Straftaten zu verhindern“, teilte Bürgermeisterin Daria Henning mit. Eine Pro-Palästina-Demonstration mit circa 35 Teilnehmenden fand am 13. Juli, dennoch direkt hinter dem gesperrten Bereich statt. Ein Verstoß gegen die Allgemeinverfügung habe nicht vorgelegen, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums dem Evangelischen Pressedienst.