Den Prozess der Vergebung beschreibt Blattner als langwierig. Über Monate, sogar Jahre hinweg hatte sie damit zu kämpfen. Wenn die Zweifel hochkamen, sagte sie immer wieder laut: „Ich vergebe.“ So lange, bis sie es nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen gemeint hat.
Was sich so leicht anhört, war sehr schwer. Deshalb ist ihr wichtig zu betonen, dass es keine Pflicht ist, jemandem zu vergeben. Vor allem die Forderung „Du musst unbedingt vergeben“ stößt ihr auf. Sie ist der Meinung: „Du hast das Recht, sauer und wütend zu sein – niemand darf dir vorschreiben, dass du vergeben musst!“ Zu vergeben bedeute auch nicht, die Tat gutzuheißen.
Doch dann kam Corona. „In dieser Zeit konnte ich zum ersten Mal richtig aufatmen und zu mir selbst finden“, sagt sie. Denn während eines Lockdowns traf sie die Entscheidung, sich von ihrem Verlobten und ihrer Gemeinde zu trennen. Vor einigen Monaten machte sie ihre Homosexualität dann öffentlich. Als Folge haben sich viele Menschen von ihr abgewandt, die mit ihrem Coming-out nicht umgehen konnten.
Lea Blattner war zu Gast im Podcast „Hoffnungsmensch“ mit Steffen Kern.