Welche Rolle können die Kirchen in einer so festgefahrenen Konfliktlage überhaupt noch spielen?
Joachim Lenz: Wir versuchen, im Kleinen die Türen offenzuhalten – nicht nur für Deutschsprachige, auch für viele andere – und den ökumenischen Partnerkirchen möglichst viel an Unterstützung zukommen zu lassen. Wir versuchen auch, diejenigen zu stärken, die sich hier für eine gerechte und friedliche Zukunft einsetzen. Dazu gehören die Rabbis for Human Rights, Women Wage Peace, der Parents Circle und andere Menschenrechtsorganisationen, die sich auf beiden Seiten unermüdlich um Verständigung bemühen.
Als Gemeinde haben wir finanziell nur einen sehr engen Spielraum, auch weil uns durch den ausbleibenden Pilgertourismus Einnahmen fehlen. Trotzdem hat der Kirchengemeinderat auch in diesem Jahr den alljährlichen Marsch für Menschenrechte und Frieden wieder finanziell unterstützt. Wir versuchen, die Guten anzuschieben.
Welche Botschaft möchten Sie den Kirchen und der Politik in Deutschland mitgeben?
Joachim Lenz: Wir haben als Deutsche und als Kirchen eine besondere Aufgabe, Antisemitismus entschieden entgegenzutreten. Daran gibt es für mich überhaupt keinen Zweifel. Die Existenz des Staates Israel ist, wie die evangelischen Kirchen sagen, ein Zeichen der Treue Gottes. Aber dass unsere arabischsprachige Schwesterkirche und die kleinen christlichen Kirchen trotz allem immer noch da sind, ist für mich ebenfalls ein Zeichen der Treue Gottes.
Die Kirchen und die Menschen hier verdienen unsere Unterstützung. Viele leben in einer sehr gewaltvollen und ungerechten Situation. Das auszusprechen, ist unsere Aufgabe.