Die Landauer Pädagoginnen Miriam Leuchter und Anne Deckwerth appellieren, die antisemitismuskritische Bildung an Schulen auszubauen. Lehrkräfte müssten im Umgang mit judenfeindlichem Verhalten von Schülerinnen und Schülern sensibilisiert und unterstützt werden, sagen die beiden Wissenschaftlerinnen.
Antisemitische Straftaten an Schulen weit verbreitet
Antisemitistische Vorfälle an Schulen seien trotz vieler Bildungsanstrengungen ein bleibendes Problem, machten die beiden Pädagoginnen deutlich. Es gebe allerdings keine Belege dafür, dass juden- und israelfeindliche Haltungen durch die gewachsene Zahl muslimischer Schülerinnen und Schüler zunähmen. Miriam Leuchter ist Professorin für Grundschulpädagogik. Der durch soziale Medien befeuerte Judenhass sei heute in Schulklassen „sichtbarer und wird besser wahrgenommen” berichtet Leuchter. Dazu zählten nicht nur das Zeigen des Hitlergrußes, Beschimpfungen und rassistische Stereotypen, sondern auch das Verbreiten von Verschwörungserzählungen.
Schule und Gesellschaft: Verschiebung des Sagbaren
Anne Deckwerth ist stellvertretende Leiterin des Erziehungswissenschaftlichen Fort- und Weiterbildungsinstituts (EFWI) der evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz in Landau. Sie engagiert sich in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften. In Schulen wie auch in der Gesellschaft hätten sich „die Grenzen des Sagbaren verschoben”, analysierte Deckwerth. Persönlicher Frust oder Machtgefühle könnten dafür Ursachen sein.
Antisemitische Codes an Schulen: Herausforderung für Lehrkräfte
Es sei nötig, die Demokratiebildung schon an Grundschulen zu stärken und pädagogisch gegen antisemitische Haltungen vorzugehen. In erster Linie müssten Lehrkräfte geschult werden, das Problem in ihren Klassenräumen zu erkennen, sagte Deckwerth. Antisemitische Äußerungen seien oftmals verschlüsselt und die „Codes” der Schülerinnen und Schüler seien nicht leicht verstehbar. Lehrkräfte müssten versuchen, eine gute Beziehung zu auffälligen Kindern und Jugendlichen aufzubauen und auf eine Verhaltensänderung hinzuarbeiten. Strafen seien manchmal unvermeidlich, können aber Folgen haben.
Die Fronten zwischen Schülern und Lehrkräften können sich verhärten.
sagt Anne Deckwerth, Leiterin des EFWI
Lehrkräfte oft allein gelassen im Kampf gegen Antisemitismus
Die Schulgemeinschaften sollten offen und transparent mit Antisemitismusvorfällen umgehen, ergänzte Leuchter. Gemeinsame Konzepte dagegen sollten entwickelt werden, auch müsse man für diskriminierte oder bedrohte jüdische Schülerinnen und Schüler einstehen. Schulische Strukturen förderten das „Einzelkämpfertum” von Lehrkräften, die sich häufig mit ihren Problemen alleingelassen fühlten. Verbindliche Fortbildungen und Begleitung könnten sie unterstützen, so Leuchter.
Es ist ein Affront, dass es das in Rheinland-Pfalz nicht gibt.
sagt Miriam Leuchter, Professorin für Grundschulpädagogik