KI-Nutzung im Pfarramt nimmt deutlich zu
Mehr als 60 Prozent der Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland nutzen inzwischen die KI. Das ergab eine Detailauswertung der umfassenden neuen DiRK-Studie („Digitalisierung im Raum der Kirchen“, 2026). Wie der Leiter des Forschungsprojekts, Holger Sievert, dem Evangelischen Pressedienst sagte, liegt bei der Arbeit der Pastoren mit KI die Texterstellung auf Platz eins, vor der Recherche und Übersetzung. Dass KI auch bei der Predigtvorbereitung hilft, ist laut Sievert sicher, nur in welchem Umfang lässt sich noch nicht exakt sagen.
Kirchen entwickeln Leitlinien für den Umgang mit KI
Es wird im Moment viel experimentiert. Mehrere Landeskirchen und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) arbeiten daher an Leitlinien, die die Nutzung der KI nach kirchlichem Wertesystem ordnen und in datenschutzrechtlich sichere Bahnen lenken soll. Strittig ist ihr Einsatz in der Kirche immer noch. Während die einen großes Potenzial sehen, sind die anderen zurückhaltend bis kritisch.
Zwischen Skepsis und Zustimmung: Geistliche im Streit über KI
Die württembergische Kirchenrätin Evelina Volkmann etwa findet KI-Predigten „oberflächlich, theologisch bedenklich und unpersönlich“. Der katholische Pfarrer Magnus Koschig (Halle) äußert die Befürchtung, „dass wir den Computern zunehmend das Denken und Nachdenken überlassen“.
Meine Predigt muss meine Predigt bleiben. Aber ich finde es nicht verwerflich, wenn eine Predigt dank der Unterstützung von KI besser gelingt.
schreibt Kaplan Maximilian Hofmann (Stralsund)
Auch „Digitalpfarrer“ Christoph Martsch-Grunau (Delmenhorst) findet „Euphorie“ als der KI „nicht angemessen“. Die Sozialethik, die Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika zur KI („Magnifica humanitas“) in den Fokus stellte, werde bei den Protestanten zu wenig diskutiert.
Martsch Grunau sieht bei KI diese Probleme:
- ungeklärte Fragen des Urheberrechts
- Datenschutz, der besonders in der Seelsorge unabdingbar ist
- Auswirkungen des enormen Energieverbrauchs von Rechenzentren auf das Klima
Dennoch lässt sich Martsch-Grunau von KI bei der Konzeption des Konfirmandenunterrichts, bei Workshops und auch bei der Vorbereitung der Predigt unterstützen. Er nutze die KI als Werkzeug.Pfarrpersonen, die mit KI arbeiten, müssten ihr eigenes Handwerk beherrschen und ein Vorverständnis davon haben, wie sie ihre Predigt gestalten wollen, so der Informatiker und Digital-Experte aus der oldenburgischen Landeskirche.
Die Haltung des Predigers muss erkennbar bleiben.
betont Christoph Martsch-Grunau
Was KI im Pfarrberuf leisten kann – und was nicht
Welche Aufgaben die KI laut Christoph Martsch-Grunau im Pfarrberuf übernehmen kann:
- Bibelstellen suchen
- Versatzstücke schreiben
- Redigieren
- Übersetzen
- Inspiration
- KI als ideellen Sparringpartner nutzen
Nicht ersetzen könne die KI jedoch die lebendige Beziehung zwischen Pfarrer und Gemeinde, ist Martsch-Grunau überzeugt. Auch der Deutsche Pfarrer- und Pfarrerinnenverband sieht es so: „Für Verkündigung, Predigt und Seelsorge sind und bleiben (...) menschliche Kommunikation sowie theologische Kompetenz und seelsorgerische Expertise unabdingbar.“ Dass Pfarrerinnen und Pfarrer mit ihrer gesamten Persönlichkeit in und hinter ihrer Verkündigung stehen, sei durch nichts – „auch nicht durch ausgefeilte Algorithmen“ – zu ersetzen, sagt ein Verbandssprecher.
Seelsorge bleibt menschlich: Grenzen digitaler Begleitung
Seelsorge nur per Chatbot scheint fast allen Theologen undenkbar. Zur Seelsorge brauche es das menschliche Gegenüber, sagte die hessen-nassauische Kirchenpräsidentin Christiane Tietz 2025 in einem Interview. KI könne Empathie lediglich simulieren, sie kenne weder Schuld und Sterblichkeit, noch Liebe und Glück. Zwischentöne, Stimmungen und Unausgesprochenes könne sie nicht wahrnehmen. Nur als „Einstieg“ oder „Begleiter in der Nacht“, außerhalb der Bürozeiten sei die KI vorstellbar, so Tietz. Sie müsse dann als solche gekennzeichnet sein. Wenn die KI echte Not erkenne, müsse sie auf menschliche Hilfe – wie etwa die Telefonseelsorge – verweisen.
Predigtgeneratoren im Aufwind
Umkehrbar ist der Trend zur KI in der Kirche aber wohl nicht mehr. Websites wie sermonAI oder predigtassistent bieten inzwischen Predigten oder Versatzstücke dafür an – sogenannte Predigtgeneratoren werben mit Slogans wie „vollständige Predigt in 90 Sekunden“. Der Gründer und Journalist Michael Voß, der jeden dort veröffentlichten KI-Beitrag gegenliest und auf Fehler prüft, bringt noch einen ganz anderen Aspekt für die kirchliche Nutzung der KI ins Spiel. Ihr „Wissen” müsse trainiert werden, sagt er mit Blick darauf, dass die KI sich aus unendlich vielen, ihr zur Verfügung gestellten Daten speist: „Mit KI reden ist wichtig, damit diese das Christentum künftig auf dem Schirm hat.“ Sonst werde es aus ihren Antworten bald verschwinden.