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Aktuelle Zahlen von RIAS Baden-Württemberg

Meldestelle: 335 antisemitische Vorfälle 2025

Fast einmal täglich gibt es in Baden-Württemberg einen antisemitischen Vorfall, zeigt der erste Jahresbericht der RIAS-Meldestelle. Diese will jüdische Erfahrungen sichtbar machen und für jede Form von Antisemitismus sensibilisieren. Ministerpräsident Cem Özdemir hat sich am Dienstag zu den Zahlen geäußert. Von epd

Das Bild zeigt den Hinterkopf eines Mannes, der in einem Bus sitzt und auf dessen Kopf eine Kippa (jüdische Kopfbedeckung für Männer) mit einer Haarspange befestigt ist.
Unsplash/Levi Meir Clancy

Antisemitische Gewalt und Anfeindungen im Alltag

Im Jahr 2025 hat die neue Meldestelle RIAS Baden-Württemberg insgesamt 335 antisemitische Vorfälle dokumentiert. Antisemitismus zeigte sich in gewaltvoller Form, wie in 16 Angriffen gegen Personen, acht Bedrohungen sowie 31 gezielten Sachbeschädigungen, etwa gegen ehemalige Synagogen, jüdische Friedhöfe und Gedenkorte, heißt es im ersten Jahresbericht, den die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Baden-Württemberg am Montag in Stuttgart vorstellte. Aber auch in niedrigschwelliger Form habe er sich gezeigt, wie verletzendes Verhalten durch Online-Anfeindungen, Schmierereien und Aufkleber. Die Meldestelle geht von einem großen Dunkelfeld aus.

In Reutlingen seien auf offener Straße zwei Juden von einem Mann mit den Worten „Scheiß Juden“ und „Schwuchtel“ beleidigt worden. Der Mann habe einen von ihnen aufgefordert, seine Kippa zu verdecken. Auf Facebook habe eine Jüdin wiederholt Drohungen erhalten, darunter ein Bild einer Zyklon-B-Dose mit dem Kommentar „Noch auf Lager“, heißt es im Bericht.

Was ist RIAS?

Die RIAS-Meldestelle Baden-Württemberg gibt es seit Januar 2025. Dort werden antisemitische Vorfälle ober- und unterhalb der Strafbarkeitsgrenze dokumentiert.

Ziele von RIAS:

  • Antisemitismus aus der Perspektive der Betroffenen sichtbar machen
  • Vorfälle systematisch erfassen
  • Betroffene und Zeugen an Beratungs- und Unterstützungsangebote vermitteln

Schulen und Hochschulen als zentrale Schauplätze von Antisemitismus

Vergangenes Jahr wurden RIAS Baden-Württemberg 40 antisemitische Vorfälle an Bildungseinrichtungen gemeldet, darunter 25 an Hochschulen und 15 an Schulen. In mehreren Fällen seien jüdische Schülerinnen und Schüler beleidigt, ausgegrenzt und angegriffen worden.

Im Regierungsbezirk Freiburg soll ein jüdischer Schüler in der Schule antisemitisch gemobbt und eine Treppe hinuntergestoßen worden sein. Mitschüler sollen dabei gerufen haben: „Es interessiert niemanden, wenn du stirbst.“

Israelbezogener Antisemitismus dominiert 2025

Israelbezogener Antisemitismus war mit 238 Zuordnungen die häufigste inhaltliche Erscheinungsform von Antisemitismus im Jahr 2025, das entspricht 71 Prozent aller antisemitischen Vorfälle. Zudem erfasste RIAS im vergangenen Jahr 115 Versammlungen mit antisemitischen Vorfällen. In 97 Prozent der Vorfälle wurde israelbezogener Antisemitismus dokumentiert.

Bei israelbezogenem Antisemitismus werden Menschen jüdischen Glaubens, jüdische Gemeinden und Institutionen angefeindet und für das Handeln Israels verantwortlich gemacht. Auch werden dabei antisemitische Stereotype auf den Staat Israel bezogen, wie die Vorstellung, dass Israel ein bösartiger Staat sei. Der israelbezogene Antisemitismus ist von der Kritik an der israelischen Regierungspolitik zu unterscheiden.

Cem Özdemir erschrocken über die RIAS-Zahlen

Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hat sich erschrocken über die veröffentlichten Zahlen zu antisemitischen Vorfällen in Baden-Württemberg geäußert. „Dafür kann es wirklich nur eine harte Null-Toleranz-Politik geben“, sagte er am Dienstag vor Journalisten in Stuttgart. Egal, woher Antisemitismus komme – ob von rechts, links oder aus dem religiösen Spektrum, „namentlich aus dem Bereich des Islamismus“, stelle sich die Landesregierung hart dagegen, sagte Özdemir. Vor allem an Schulen solle weiter intensiv darüber aufgeklärt werden.