Manche Kirchenorgel sollte man in einem trockenen Sommer besser nicht einschalten. Denn sie pfeift und zischt, selbst wenn der Organist noch keine einzige Taste gedrückt hat. Das kommt vom verbauten Holz, das sich in der Trockenheit verzieht oder sogar reißt und damit dem Luftstrom Wege freigibt, die eigentlich verschlossen sein sollten. Erhebende Kirchenmusik ist mit so einem Instrument nicht mehr möglich.
Dass es sich dabei keineswegs um ein Randproblem handelt, berichtet der Leiter des Orgel- und Glockenprüfungsamtes der Evangelischen Landeskirche in Baden, Martin Kares. Von den 900 Orgeln in badischen evangelischen Gotteshäusern seien 300 gefährdet, davon 100 sogar sehr stark. Einige könnten vorübergehend nicht gespielt werden. Nach einer Phase der Trockenheit forme sich das Holz dann häufig in den ursprünglichen Zustand zurück.
Nicht funktioniert hat das in der evangelischen Kirche von Daudenzell im Neckar-Odenwald-Kreis. Dort hat die fehlende Luftfeuchtigkeit wesentliche Holzteile bersten lassen. Seit zwei Jahren ist das Instrument verstummt. Eine Reparatur würde 30 000 bis 40 000 Euro kosten – zu viel für die Gemeinde vor Ort.