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Interview mit Klaus Douglass

Neue Menschen erreichen

Klaus Douglass liebt Innovationen. Der 65-jährige Theologe leitet midi, die Evangelische Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung in Berlin. Hier spricht er über seine Erfahrungen, den Reiz und die Notwendigkeit des Neuen. Von Antje Schmitz

Tobias Bugala
Klaus Douglass – hier beim diesjährigen Innova­tionstag in Reutlingen – ermutigt, Neues auszuprobieren.

Herr Douglass, warum beschäftigen Sie sich mit Innovation?
Klaus Douglass: Ich leite die Zukunftswerkstatt von Kirche und ­Dia­konie. Wenn wir das nicht machen, wer soll es denn sonst machen? (lacht) Dazu kommt biografisch, dass ich als Gemeindepastor 25 Jahre versucht habe, sehr viele neue Formen auszuprobieren. Als wir dann in der Andreaskirche in Eschborn-Niederhöchstadt 600 bis 800 Gottesdienstbesuchende hatten, 50 Hauskreise und fast 300 Ehrenamtliche, hatten wir den Eindruck: Irgendwas machen wir richtig. Ich war Pastor einer jungen, wilden Gemeinde – wir wollten Veränderung.

Schauen Sie auf Kirche und Dia­konie als Ganzes oder auf einzelne Gruppen und Gemeinden?
Klaus Douglass: Sowohl als auch. Wir sind bei midi wie Trüffelschweine unterwegs und suchen spannende, nach Zukunft riechende Modelle. Wir finden dabei sehr viel, aber man kann so etwas ja nie aufs Ganze skalieren. Ein Teil un­serer Aufgabe ist es, diese Zukunftsmodelle sichtbar zu machen und Leute zu vernetzen, die ähnliche Voraus­setzungen haben. Eine Sache funktioniert ja niemals überall.

Haben Sie ein Beispiel?
Klaus Douglass: Als ich Gemeindepfarrer war, haben wir Kinogottesdienste angeboten. Da braucht es erst mal ein Kino, da brauchen sie bestimmte Leute. Da die Bedingungen der Möglichkeit zu finden, ist ein Teil unserer Aufgabe bei midi – herauszufinden, wo es funktionieren könnte, und die Menschen zu vernetzen. Das ist eine sehr schöne Aufgabe. Ich habe den Eindruck, dass sich da in den letzten 20 Jahren etwas grundlegend geändert hat. Als Gemeindepfarrer hatte ich immer den Eindruck, dass die kirchen­leitenden Strukturen alles ausbremsen. Heute nehme ich wahr, dass kirchenleitend eine größere Offenheit für Veränderung ist und dass die Bremseffekte oft an der Basis vorhanden sind.

Was braucht man, um innovativ zu sein?
Klaus Douglass: Charisma, also der Ansatz bei den vorhandenen Gaben und Berufungen, Charakter, also sich hintanzustellen zugunsten der Zukunft Gottes, und die Chuzpe, auch mal zu machen.

Was sind die Treiber von Innova­tion? Die Menschen oder Krisen?
Klaus Douglass: Krisen sind zweifellos Katalysatoren der Veränderung. Ich bin nicht sicher, ob ich mich ­darüber freue. Es gibt verschiedene Punkte, die Innovation bringen. Der erste ist Schmerz über Zustände, die nicht mehr aushaltbar sind. Der zweite ist Einsicht, der dritte Vision oder Liebe. Wir evangelischen Christen sind auf Einsicht gepolt. Wir müssen nur das Evangelium verkünden, dann wird sich alles ändern – das ist der Mythos. Nun wissen wir alle, wie viel wir schon gelernt und eingesehen haben, und es hat sich trotzdem nichts verändert in unserem Leben. Wir brauchen Innovation aus Liebe und daraus, dass wir wissen: Gott möchte, dass seine Kirche sich bewegt. Gott möchte, dass wir neue Menschen erreichen – auch die säkularisierten. Sich in die Zukunft Gottes einzuklinken, das kann Kraft geben und auch Spaß machen.

Müssen Sie als Mann der Innova­tion optimistisch sein?
Klaus Douglass: Ich halte das Christentum für den Inbegriff einer positiven Weltsicht. Die Auferstehung, an die ich glaube, geht aber durch das Kreuz hindurch. Der neue Himmel, die neue Erde, an die ich glaube, geht durch ein Vergehen der alten Gestalt hindurch. Veränderung kommt oft durch Zerbrüche. Es gibt die stufenweise Innovation und es gibt die disruptive Innovation, wo das Neue durch einen Zerbruch des Alten kommt. Wir als Kirche wünschen uns immer kleine Schritte, die uns nach vorne bringen. Aber wir leben in disruptiven Zeiten. Was heißt Optimismus? Ich glaube, dass die Zukunft Gottes sich durchsetzen wird, aber ich glaube auch, dass einige Dinge zerbrechen werden. Mein ­Optimismus besteht darin zu sagen: Denen, die Gott lieben, werden alle Dinge zum Besten gereichen.

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