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Ostern

Ostertraditionen weltweit

Wie feiern Menschen weltweit Ostern? Gemeindeblattkolumnisten berichten von den Ostertraditionen aus ihrer jeweiligen Wahlheimat.

Ein kleines Mädchen hat Hasenohren aus Plüsch auf dem Kopf, hält einen Korb in der Hand und sammelt darin bunte Ostereier in der Natur.
Unsplash+/George Dagerotip

Singen, Tanzen, Trommeln: So wird Ostern in Malawi gefeiert

Menschen, die in einer großen Gruppe tanzen
privat

Die Nacht war sehr kurz, es wurde getanzt und gesungen, getrommelt und gefeiert. Über 200 Menschen haben in Erwartung des Ostermorgens ihre Freude zum Ausdruck gebracht. Sobald die Sonne aufgeht, laufen sie in Gruppen zu den umliegenden Häusern und rufen: „Der Herr ist auferstanden!“

Was bringt Menschen dazu, sich nicht schlafen zu legen, den Morgen herbeizufiebern, auszuhalten und dann voller Begeisterung allen Menschen davon zu erzählen, was an diesem Morgen vor 2000 Jahren passiert ist?

Es ist die Gewissheit, dass Jesus Christus lebendig unter uns ist, dass er den Tod überwunden, Hoffnung gebracht und die Tür zum ewigen Leben weit aufgestoßen hat. Es ist die Gewissheit, dass Probleme und Schwierigkeiten nicht von ewiger Dauer sein werden und dass auch die dunkelste und längste Nacht einen Morgen nach sich zieht. Das ist Hoffnung. Und deswegen waren die Christen in Nsanje die ganze Nacht wach.

Die Bibel spricht in Psalm 30,6 von dieser Erfahrung: „Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel.“ Und wie groß der Jubel am nächsten Morgen im Ostergottesdienst war. Eine Stunde lang wurde getanzt und gesungen, niemanden hat es mehr auf den Bänken oder auf dem Boden gehalten. Ich wünsche mir, dass diese Osterfreude und diese Osterhoffnung uns auch ergreifen.

Bengt Riedel

In Chile ist Ostern im Herbst

Fenster über einer Stadt. Auf einem Brett liegt ein Hefezopf.
privat

Das Laub fällt. Stoppelfelder neben der Landstraße. Der Vorrat an Brennholz für kühle Tage ist aufgefüllt. Die Uhr wird zurückgestellt, mit der Winterzeit werden die Tage wieder kürzer. Es wird Herbst in Chile, im April. Herbstliches Ostern. Anstelle von Frühblühern zieren Kastanienmännchen unseren Esstisch.

Karfreitag, dem „Viernes Santo“ (übersetzt: Heiliger Freitag), ist hier ein staatlicher Feiertag. Traditionell kommt kein Fleisch auf den Teller. Viele kleine und größere Geschäfte preisen ihre Meeresfrüchte an, es gibt in vielen Familien ein Fischgericht. Wer sich erkundigt, wie das Osterfest in Chile gefeiert wird, bekommt unterschiedliche Antworten.

Ein katholischer Chilene sagt: „Ostern – das ist das Licht in der Mitternachtsmesse.“ Die Menschen strömen spätabends in die Kirchen und nach Mitternacht gehen sie mit Kerzen nach Hause. Am Ostermorgen erschallt ein Choral über die Stadt, als Glockenspiel von der nächsten Kirche. In unserer lutherischen Kirche gibt es einen Frühgottesdienst. Genauso ist es bei den Freikirchen und Pfingstkirchen, auch sie feiern Ostern am Morgen, in Erinnerung an das leere Grab, das Maria am Morgen des dritten Tags nach Jesu Kreuzigung fand.

Im anschließenden Frühstück stärkt sich die Gemeinde. Was beide Konfessionen eint, ist die Freude über den Auferstandenen: Ostern heißt auf Spanisch „Pascua de Resurrección“ (übersetzt Passah der Auferstehung). Und noch etwas ist in allen Familien gleich: Die Kinder suchen am Ostermorgen Schokoeier. Es heißt, diese Tradition haben die deutschen Einwanderer aus ihrer alten Heimat mitgebracht.

Almut Klose

Ostern in Südafrika: Christus in den Armen der Verzweifelten

In einer Welt, in der Menschen unendlich viel Leid erfahren, wird die Passion Christi ergreifend miterlebt. Für uns Wohlstandschristen aus dem Norden lässt sich diese Intensität des Mitfühlens nicht nachempfinden. Wir sind einfach zu satt. Dabei möchte ich davor warnen, Leid zu verherrlichen, als könnten wir die Kraft Christi nur aus dem Leid heraus erfahren. Doch wer die afrikanische Spiritualität erlebt, spürt, dass Christus bei den Armen und Verzweifelten ist.

In den Xhosa-Gemeinden der Herrnhuter ist vor allem der Nachtgottesdienst von Samstag auf Ostersonntag erfüllt von ergreifender Sehnsucht nach heilenden Lebensumständen. Der Kirchensaal ist vollgepackt, es gibt buchstäblich keinen Schlaf und kaum ein Ausruhen auf der Kirchenbank – bis zum Sonnenaufgang. Man verbringt die Nacht mit gemeinschaftlichen, rhythmischen Bewegungen. Jemand formuliert einen neuen Leitsatz an und spontan werden die Worte in mehrstimmigen Gesang umgesetzt. Dabei dienen die Gesangbücher als Handtrommeln. So vergeht die Zeit der Dunkelheit, und die gleichmäßigen, stundenlangen körperlichen Schwingungen lösen auch manche seelische Verknotung. Wenn dann das erste Licht am Ostermorgen durch die Fenster im Saal durchbricht, lässt sich die Hoffnung und neue Lebenskraft erspüren, die sich in diesem gemeinsam bewegten Gottesdienst entfaltet hat.

Die Gemeinden im Westkap feiern anders – doch nicht weniger bewusst. Auch hier ist der Gründonnerstag die wichtigste Vorbereitung auf Ostern, oft von einer Darstellung des Abendmahls begleitet. Am Ostermorgen versammelt man sich auf dem Friedhof, wo die Namen der Verstorbenen vom vergangenen Jahr verlesen werden. Die Posaunen verkünden beim ersten Sonnenlicht den Osterjubel. Viele Familien kommen über die Feiertage aus den Städten in ihre Heimatdörfer und säubern die Gräber ihrer Vorfahren.

Es gibt Schoko-Osterhasen und auch das Eiersuchen mit Kindern, doch die christliche Kernbotschaft von Ostern ist in Südafrika klar im Zentrum.

Renate Cochrane 

In Georgien wird Ostern als Gemeindefest gefeiert

„Stellen Sie sich vor es ist Ostern und keiner feiert mit!“ – so möchte ich einen Sloganaus den 80ern auf Ostern abändern. ( „Stellen Sie sich vor es ist Krieg und keiner geht hin!“)  Das ist eine Grundstimmung, die wir in den östlichen Diasporagemeinden oft empfinden, sei es weil Ostern im orthodoxen Umfeld nach dem julianischen Kalender gefeiert wird, oder in muslimischem Umfeld gar nicht – und auch weil es hier keinen Sonntagsschutz gibt – Geschäfte also immer geöffnet sein können.

Inmitten einer Umwelt Ostern zu feiern, die das gar nicht wahrnimmt lässt uns aber andererseits das Besondere an Ostern spüren und rückt uns nahe an die Erfahrung der Urchristenheit. Es ist ein sehr bewußtes Feiern. Ostern ist im Osten mehr im Focus als Karfreitag. „Sonntag“ heißt zum Beispiel auf Russisch „Auferstehungstag“ – das konnte selbst das Sowjetregime nicht ändern.

Ostern wird in unseren Gemeinden als Gemeindefest gefeiert. Nach den feierlich-festlichen Ostergottesdiensten finden Osterspiele für die Kinder statt, suchen die Kinder nach Osternestern um die Kirche herum und feiert die Gemeinde zusammen an einer festlich geschmückten Tafel, zu der jeder der kann und möchte etwas beisteuert.

Für viele unserer Gemeindeglieder, die aus Tradition auch nach orthodoxem Ritus feiern ist das oft ganz praktisch, dass sie zwei mal Ostern feiern können. Das wird dieses Jahr anders sein und deshalb ganz besonders, denn auch das orthodoxe Umfeld feiert dieses Jahr Ostern am 20. April. Wir freuen uns auf eine festlichere, österlichere Stimmung in der ganzen Stadt und sind im Gespräch mit den anderen Kirchen wie wir Ostern vielleicht auch etwas zusammen feiern können. 

Rolf Bareis

Von Bambuskreuze und bunten Lichtern: Ostern in der Provinz Papua

privat
Rina Krebru lebt in der Provinz Papua in West-Neuguinea.

Die Kinder der Sonntagsschule dürfen an Ostern im Kirchengarten in Zelten übernachten. Während des Camps, meist in der Woche vor Karfreitag, können sie an Bibelrätseln und Malwettbewerben teilnehmen. Ebenso werden Eier bemalt.

Für die Ostertage werden Kirchen, Wohngegenden und Straßen mit Kreuzen aus Bambus oder Holz geschmückt. Aus recycelten Materialien werden Lämpchen gebastelt, an vielen Straßen stehen Kreuze, die in bunte Lichter gehüllt sind.

An Karfreitag wird auf den Straßen häufig ein Rollenspiel aufgeführt, das zeigt, wie Jesus gequält und verurteilt wurde. Anschließend bereiten die Kinder mit den Gemeindemitgliedern am Karsamstag Fackeln aus Bambus vor. Außerdem sammeln sie gemeinsam Holz und trockene Äste, um ein großes Feuer vorzubereiten. Am Samstagabend versammeln sich die Gemeindemitglieder in der Kirche und singen Lobpreislieder bis spät in die Nacht. 

Um 3 Uhr morgens beginnt ein Fackelumzug durch die Nachbarschaft. Während des Umzugs werden Lieder zur Auferstehung gesungen. Nach dem Umzug entzünden Gemeindeglieder im Kirchgarten das Osterfeuer. Es wird noch in der Dunkelheit entfacht und steht symbolisch für den Sieg über den Tod. Nach dem Osterfeuer dürfen die Kinder im Kirchgarten auf Ostereiersuche gehen. Wer ein besonders gekennzeichnetes Ei findet, erhält einen Preis.

Der Ostersonntagsgottesdienst findet dagegen nicht im Kirchengebäude statt. Stattdessen versammeln sich die Gemeindemitglieder in der Natur – Beispielsweise auf einem Feld, am Strand, an einem See, am Flussufer oder im Kirchgarten. Der Gottesdienst beginnt bei Sonnenaufgang, etwa um 6 Uhr. Im Anschluss findet ein gemeinsames Frühstück statt.

Rina Krebru