Pfingsten

Pfingsthoppen: „Ein Ei oder zwei, ist mir einerlei!“

Im südbadischen Weisweil ziehen am Pfingstmontag die Kinder durchs Dorf. „Pfingsthoppen“ heißt der Brauch. In der Pfalz gibt es ähnliche Traditionen, die dort Pfingstquack genannt werden. Von Andreas Steidel

Ein Kind verkleidet als Weihnachtsbaum
Foto: Andreas Steidel
Geschmückt wie ein Weihnachtsbaum, mit einem Sehschlitz wie bei einer Ritterrüstung – so ziehen die Kinder beim Pfingsthoppen durchs Dorf.

Der Weihnachtsbaum kann laufen. Wie von Geisterhand gesteuert marschiert das grüne Etwas durch die Straßen von Weisweil, begleitet von einem Jungen und einem Mädchen, die ihn sicher zum nächsten Ziel eskortieren. Das Ziel ist jeweils ein Wohnhaus, an dem die wunderliche Abordnung klingelt.

Öffnet der Hausbesitzer, dauert es nicht lange, bis er lächelnd den Weg in die Küche antritt und Geschenke holt: Schokolade, Bonbons, gerne auch mal Geld. Die Kinder nehmen es dankbar entgegen, lächeln zurück und steuern die nächste Einfahrt an.

Pfingsthoppen erinnert an Halloween

Ein Kind als Weihnachtsbaum verkleidet steht zwischen zwei Kindern
Foto: Andreas Steidel
Die Älteren be­gleiten beim Pfingsthoppen die Jüngeren.

Pfingsthoppen heißt der Vorgang, wenn sich im badischen Weisweil alljährlich die Kinder verkleiden und ähnlich wie bei Halloween auf Betteltour gehen. Die auffälligste aller Verkleidungen ist der Pfingsthäs oder Pfingstkäs, wie die Einheimischen sagen: Ein Gebilde wie ein Tipi, das aus grünen Rohrmatten besteht und mit seinen bunten Aufsteckblumen an einen geschmückten Christbaum erinnert.

In ihm steckt diesmal Tom. Eine Klappe in Gesichtshöhe ist seine Sichtverbindung nach draußen, ansonsten sorgen Maxi und Mika dafür, dass Tom und seinem kegelförmigen Mantel nichts passiert. Mika trägt dazu eine rote Schärpe und sieht aus, als ob er demnächst die badische Revolution anführen möchte.

Pfingsthoppen bis zur Konfirmation

Am Pfingstmontag ist wieder einmal ganz Weisweil in Aufruhr. Einen Vormittag lang ziehen die Kinder durch die Straßen und sagen ihr Sprüchlein auf:

Gibt mir auch ein Ei oder zwei, das ist mir ganz einerlei.

 

Das Pfingsthoppen gehört zu Weisweil wie der Rhein, der dort vorbeifließt, oder die Störche, die auf dem Dach des Kirchturms landen. Es ist ein evangelischer Kirchturm und das Pfingsthoppen eine Gepflogenheit, die in aller Regel mit der Konfirmation endet. Vom dritten bis zum 13. Lebensjahr zieht fast jeder dort einmal im Jahr um die Häuser.

Geschichte des Pfingsthoppens

Wie lange es das Pfingsthoppen schon gibt, vermag auch Heinz Ehrler vom Heimatmuseum nur ungefähr zu sagen: Irgendwann im 19. Jahrhundert kam es auf, sagt er. Der Brauch wird bis heute in dem 2100-Einwohner-Dorf Weisweil gepflegt und diente kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auch noch dazu, die Lebensmittelvorräte aufzubessern. Tatsächlich findet man ähnliche Pfingsmontagsbräuche auch in Gemeinden im Elsass und der Pfalz: Dort sind sie unter dem Begriff „Pfingstquack“ bekannt.

Als Kind zog der heute 87-jährige Ehrler selbst durch den Ort, bekam damals wirklich noch Eier und Speck zugesteckt. War es mehr, als man brauchte, „dann haben wir es verkauft“, erinnert er sich. So kam auch ein wenig Geld in die Kasse der armen Nachkriegskinder, die sich noch streng an alle Regeln hielten: So endet traditionell das Pfingsthoppen mit dem Läuten der Kirchenglocken um 10 Uhr.

Modernes Pfingsthoppen

Das freilich nimmt heute keiner mehr so genau, so dass die Buben und Mädchen oft bis kurz vor zwölf am Pfingstmontag im Dorf unterwegs sind. Am Ende treffen sich alle zum Gruppenbild und zur Ehrung. Es gibt kleine und große Preise als Belohnung für die, die dabei sind und den alten Brauch hochhalten.