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Aus der Kirche

Pilgern ohne Pilgerbeauftragten: Wie es nach Jürgen Rist weitergeht

Jürgen Rist hat die Pilgerarbeit in der württembergischen Landeskirche aufgebaut. In einem ­be­wegenden Gottesdienst wurde er nun in der Schlosskirche in Winnenden in den Ruhestand verabschiedet. Von Andreas Steidel

Ein Rucksack, der auf einer Stufe abgestellt ist. Daneben lehnen zwei Wanderstöcke.
Unsplash/Eric Prouzet

Pilgern liegt im Trend. Und das nun schon seit Jahren. Längst spielt dabei die Konfession keine Rolle mehr, aus einer einst katholischen Angelegenheit ist auch eine evangelische oder vielmehr ökumenische geworden.

Jürgen Rist steht in der Stadtkirche Winnenden und hält eine Wegetafel aus Holz in der Hand.
Foto: Andreas Steidel
Von der Pilgerherberge Cursillo-Haus bekam Jürgen Rist symbolisch eine Wegetafel geschenkt.

Jürgen Rist: Ein Diakon findet seine Berufung im Pilgerdienst

Dem trug 2015 auch die Evangelische Landeskirche in Württemberg Rechnung und schuf die Stelle eines Pilgerbeauftragten. Der Gemeindediakon Jürgen Rist aus Wannweil übernahm den Auftrag, erst mit 50 Prozent, dann ab 2020 mit 75 Prozent.

Es wurde die Berufung seines Lebens. „Die schönste Zeit meiner Laufbahn“, resümierte Rist und das lag auch daran, dass er in diesen zehn Jahren viel bewegen konnte. Das darf man wörtlich nehmen, denn beim Pilgern geht es ums Unterwegssein, um das Auf- und Ausbrechen.

Über 120 ausgebildete Pilgerbegleiter: Ein Ehrenamt wächst über sich hinaus

Manche gehen auf eigene Faust los, andere jedoch ganz bewusst in Gruppen. Diese Gruppen werden geistlich betreut, von Pilgerbegleitern, die Jürgen Rist in große Zahl ausgebildet hat. Jahr für Jahr gab es Kurse mit immer neuen Menschen, die darin für sich eine ehrenamtliche Aufgabe fanden. In den zehn Jahren waren es über 120 Absolventen.

Eine großartige Resonanz, die jedoch einen Haken hatte: War eine Ausbildung abgeschlossen, verschwanden die Teilnehmer wieder. Die große Gemeinde der Pilgerbegleiter, sie kannte sich nicht. Auch das hat ­Jürgen Rist geändert. Irgendwann nutzte er den Auftritt der Kirche bei der Reisemesse CMT und veranstaltete ein Netzwerktreffen. Die Pilgerbegleiter kamen in Scharen, jedes Jahr aufs Neue. So wurde aus einer Ansammlung von Individualisten eine landesweite Gemeinschaft.

Abschied in Winnenden: Große Wertschätzung für einen Pionier

Die war auch bei der Verabschiedung in der Schlosskirche in Winnenden sehr präsent. Als Jürgen Rist darum bat, dass doch die anwesenden Pilgerbegleiter einmal auf­stehen mögen, erhob sich über die Hälfte der Gottesdienstbesucher.

Ihre Verbundenheit ist groß – auch mit Jürgen Rist. Immer wieder kam bei den Grußworten der Wunsch zum Ausdruck, dass die Pilgerarbeit der Kirche auch in Zukunft weitergehen möge. Die Skepsis, die dabei durchklingt, ist der Tatsache geschuldet, dass Rists Stelle im Zuge der Sparmaßnahmen nicht wiederbesetzt wird.

Ob und wie es mit dem Pilgern in der Evangelischen Landeskirche Württemberg weitergehen soll, lesen Sie im Evangelischen Gemeindeblatt Nummer 23. Die Ausgabe ist hier im ePaper-Shop des Gemeindeblattes erhältlich.