Direkt zum Inhalt
Islam

Ramadan beginnt: Wie fasten Muslime?

In diesem Jahr fallen der Beginn der muslimischen und der christlichen Fastenzeit auf den 18. Februar, dem Aschermittwoch, zusammen. Ein islamischer Theologe erklärt den Sinn des Ramadan und Ähnlichkeiten mit dem christlichen Fasten. Von Martina Schwager (epd), red

Vier Personen sitzen an einem Tisch. Sie halten die Hände zum Gebet nach oben. Zwei Frauen tragen ein Kopftuch
Unsplash+/Ahmet Kurt

Welche Bedeutung hat das Fasten im Ramadan?

Das Fasten im Islam habe mehrere Dimensionen. Die äußere Dimension sei der Verzicht auf Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang im Monat Ramadan. Die innere Dimension beschreibe der Koran an der entscheidenden Stelle mit dem Ausdruck „damit ihr gottesfürchtig werdet”, erläutert der islamische Theologe und Dozent an der Universität Osnabrück Esnaf Begić.

Ich würde in unsere Zeit übersetzen: Das Fasten dient dazu, das Gottesbewusstsein zu stärken. Das kommt dem christlichen Terminus der inneren Einkehr sehr nahe

sagt Esnaf Begić 

Es gehe also insgesamt darum, „sich in einem festen zeitlichen Rahmen einer Art körperlicher und geistiger Runderneuerung zu unterziehen”. Das Fasten im Ramadan habe den Sinn, sich auf das Wesentliche im Leben zu besinnen, sagt der Theologe. Muslime sollten dann besonders über das Leben, das Verhältnis zu Gott, zu anderen Menschen und zur Umwelt nachdenken.

Ist der Verzicht nicht sehr radikal?

Muslime empfinden das nicht als streng, sondern als Selbstverständlichkeit, ist Begić überzeugt. Das Fasten im Ramadan sei eine der fünf Säulen des Islam, mache also den Islam zu einem wesentlichen Teil aus.

Damit man sich von weltlichen Dingen freimachen und sich ganz auf Gott konzentrieren kann, braucht es eine bestimmte Form, eine feste äußere Struktur und Rituale

erklärt Esnaf Begić

Und diese seien durch den Koran verankert, also von Gott selbst vorgegeben und damit religiös verbindlich und „keine Frage individueller Auswahl oder persönlicher Vorlieben”. Das schließe aber persönliche spirituelle Akzente innerhalb des vorgegebenen Rahmens nicht aus. Gott stelle aber keine Aufgaben, die nicht erträglich wären. 

Wer muss während dem Ramadan fasten?

Fasten ist laut Begić nur für Menschen vorgeschrieben, die körperlich und geistig dazu in der Lage sind.

Ausgenommen sind:

  • Schwangere
  • Stillende
  • Frauen während der Periode
  • Menschen während außergewöhnlichen Umständen wie Reisen
  • Menschen mit schweren körperlichen Arbeitsbelastungen

Wenn Muslime durch äußere Ereignisse vom Fasten abgehalten werden, können sie das auch zu anderen Zeiten nachholen

sagt Esnaf Begić 

Keine Zurückhaltung während des Ramadans

Muslime sollten das Fasten aber nicht dazu missbrauchen, von der Arbeit fernzubleiben, mahnt Begić. Das widerspreche dem Sinn des Fastens. Man sollte sogar noch mehr Einsatz zeigen als sonst. „Wenn allerdings Kollegen fragen, wie sie uns während der Fastenzeit entlasten können, ist das eine Geste, die dankbar angenommen werden darf.” Aus dieser Offenbarungstradition entstand später die Fastenpraxis.

Warum fasten Muslime im Monat Ramadan?

Im Monat Ramadan hat in der Zeit der Entstehung des Islam im 7. Jahrhundert nach Christus die Offenbarung des Koran in Mekka begonnen. Deshalb sei er ein besonderer Monat, sagt der Theologe. Damals spielte das Rituelle noch kaum eine Rolle. Es ging vor allem darum, den Glauben an nur einen Gott zu betonen, wie er schildert. Damit grenzten die ersten Muslime sich von den damals im arabischen Raum vorherrschenden polytheistischen Religionen ab, bei denen die Menschen eine Vielzahl von Göttern anbeteten.

Bedeutung der Gemeinschaft während des Ramadans

Der Ramadan ist auch der Monat des Mitgefühls, der Gemeinschaft und der Hilfe für andere

sagt Esnaf Begić

Muslime spendeten im Ramadan mehr als sonst und wendeten sich anderen Menschen zu. Deshalb spiele auch das allabendliche Fastenbrechen in Gemeinschaft eine besondere Rolle. „Der Ramadan ist dazu da, Familienbeziehungen und Freundschaften zu stärken.” Muslime könnten aber zum Beispiel auch im Kollegenkreis zum gemeinsamen Fastenbrechen einladen. „Wir hier im Institut praktizieren das, indem wir etwa Kolleginnen und Kollegen der christlichen Konfessionen einladen. Bei solchen Gelegenheiten können sich alle in einem eher privaten Rahmen besser kennenlernen", sagt Begić

Was verbindet Muslime und Christen beim Fasten?

Auch wenn das Fasten äußerlich in beiden Religionen unterschiedlich gestaltet werde, sei die Besinnung auf das Innere, auf das Verhältnis zu Gott und den Menschen doch in beiden Religionen gleich, sagt der Dozent. Gläubige beider Religionen könnten sich gegenseitig bestärken.

Empathie und Hilfsbereitschaft stehen dem christlichen Verständnis der Nächstenliebe sehr nahe

sagt Esnaf Begić