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Zivildienst

Regierung prüft möglichen Zivildienst: Bereitschaft trotz Kritik von Verbänden

Kommt die Wehrpflicht zurück, müsste auch wieder ein Ersatzdienst angeboten werden. Das Familienministerium trifft Vorbereitungen für den Fall der Fälle, Sozialverbände wünschen sich starke Freiwilligendienste. Von Gundula Haage und Karsten Frerichs (epd)

Ein junger Mann schiebt eine Frau im Rollstuhl. Die Frau ist an einem Bein über dem Knie amputiert.
Unsplash+/Getty Images

Regierung bereitet möglichen neuen Zivildienst vor

Für den Fall einer Rückkehr zur Wehrpflicht hat die Bundesregierung erste Schritte zu einem möglichen neuen Zivildienst eingeleitet. Bei großen Organisationen und Verbänden seien die Kapazitäten für mögliche Wehrersatzdienstplätze abgefragt worden. 22 der 23 angefragten Organisationen äußerten demnach ihre grundsätzliche Bereitschaft, ein Angebot zu machen. 17 der befragten Verbände und Organisationen seien bereits bis 2011 im Zivildienst aktiv gewesen.

Hintergrund: Aussetzung von Wehrpflicht und Zivildienst seit 2011

Mit der Aussetzung der Wehrpflicht war 2011 auch der Zivildienst zu Ende gegangen. Junge Männer, die den Pflichtdienst im Militär verweigerten, mussten bis dahin einen Ersatzdienst leisten, etwa im Gesundheits- oder Sozialwesen, in Bildungs- oder kulturellen Einrichtungen. Seit 2026 gibt es den neuen Wehrdienst, bei dem junge Männer über ihre Bereitschaft für einen Dienst bei der Bundeswehr Auskunft geben, ihn aber nicht leisten müssen. Eine Rückkehr zur Wehrpflicht zum jetzigen Zeitpunkt lehnt die Bundesregierung ab. Für den Fall einer neuen Wehrpflicht müsse die Grundlage für einen modernen Zivildienst vorbereitet sein, diese Aufgabe ergebe sich aus dem Grundgesetz.

Solange wir keine allgemeine Wehrpflicht haben, gibt es auch keinen neuen Zivildienst.

erklärte eine Sprecherin des Familienministeriums

Diakonie warnt: Pflichtdienst löst keinen Fachkräftemangel

Die Diakonie Deutschland wurde eigenen Angaben zufolge ebenfalls zu ihren möglichen Kapazitäten befragt. „Im Falle einer Wiederaufnahme des Zivildienstes würde die Diakonie Verantwortung übernehmen und in diakonischen Diensten und Angeboten Plätze für den Zivildienst einrichten können”, erklärte Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch.

Grundsätzlich setze das evangelische Hilfswerk jedoch weiterhin auf Freiwilligkeit. Freiwilliges Engagement in zivilen Einrichtungen stärke sowohl die Zivilgesellschaft als auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sagte Schuch. Eine Dienstverpflichtung sei dagegen „keine passende Antwort auf die Herausforderungen des derzeitigen Fachkräftemangels” im Bildungs-, Gesundheits- und Pflegebereich.

Sozialverbände fordern Stärkung von Freiwilligendiensten

Statt auf Zwang zu setzen, müssen freiwilliges Engagement und Ehrenamt gestärkt und der Bundesfreiwilligendienst sowie das Freiwillige Soziale Jahr verlässlich gefördert werden

sagte Sozialverband Deutschland (SoVD)-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier den Zeitungen der Funke Mediengruppe 

Zudem müsse verhindert werden, dass ein neuer Zivildienst dazu missbraucht werde, günstige Arbeitskräfte zu gewinnen und reguläre Beschäftigung zu ersetzen. „Junge Menschen dürfen nicht als Lückenbüßer in maroden Systemen herhalten”, mahnte die Chefin des Sozialverbands.

DRK: Planung und Finanzierung müssten frühzeitig gesichert sein

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Hermann Gröhe, sagte der „Rheinischen Post”, wenn ein neuer Zivildienst kommen sollte, müsse jetzt vorausschauend geplant werden. Dafür brauche es ausreichend Zeit und eine verlässliche Finanzierung für die Träger der Einsatzstellen. Bleibe es bei einer Aussetzung der Wehrpflicht, sei eine deutliche Stärkung der Freiwilligendienste nötig.

Wer sich freiwillig einsetzt, braucht bessere Rahmenbedingungen.

fordert DRK-Präsident Hermann Gröhe