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Frühjahrstagung 2024

Rückblick auf die Landessynode

Die Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg tagte vom 15. bis 16. März im Hospitalhof in Stuttgart. Aktuelle Ergebnisse finden Sie hier. Von epd

Gottfried Stoppel

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg muss in Zukunft stärker sparen als geplant. Wie der langfristige Sparkurs konkret aussehen soll, darüber gab es am 15. März bei der in Stuttgart
tagenden Landessynode eine emotionale Diskussion. In einer Abstimmung einigte sich das Kirchenparlament darauf, die Eckwerte für den kommenden landeskirchlichen Doppelhaushalt für 2025 und 2026 zu beschließen und damit einer geplanten Kürzung von gut 32 Millionen Euro im ersten und weiteren 32 Millionen im zweiten Jahr zuzustimmen. Kaum betroffen von diesen Einsparungen sind die Kirchengemeinden.

Wolle man für den nächsten Doppelhaushalt der Jahre 2025 und 2026 einen ausgeglichenen Haushalt erhalten, müssten jährlich je 129 Millionen Euro eingespart werden, sagte Jörg Antoine, kommissarischer Leiter des Finanzdezernats. "Das ist ein erschreckend hoher Betrag." Doch ohne diese Einsparungen seien die Rücklagen bis zum Jahr 2026 aufgebraucht.
Da es nicht realistisch sei, eine so hohe Summe von einem auf das andere Jahr einzusparen, solle dies schrittweise geschehen: In den nächsten vier Jahren müssten jeweils ein Viertel, also jeweils rund 32 Millionen Euro eingespart werden, sodass es erst 2028 wieder einen ausgeglichenen Haushalt gebe. Für den Übergang bis 2027 sei eine Entnahme aus den Rücklagen der Landeskirche in Höhe von etwa 290 Millionen Euro nötig.

Missbrauchsstudie

Synode und Oberkirchenrat wollen ihre Anstrengungen zur Aufarbeitung sexueller Gewalt in Kirche und Diakonie verstärken. "Denn wir wissen, dass Übergriffe, Grenzverletzungen und sexualisierte Gewalt in unserer Kirche vorgekommen sind und immer noch vorkommen", heißt es in einer  gemeinsamen Erklärung. Am 25. Januar hatte der unabhängige Forschungsverbund ForuM im Auftrag der EKD und der Diakonie eine Studie über Risikofaktoren und Ausmaß sexualisierter Gewalt vorgestellt.

Junge Menschen gewinnen

Die Zahl der Gottesdienste halbieren und stattdessen mehr Angebote für Jugendliche schaffen - das regt der Ludwigsburger Professor für Gemeindepädagogik, Wolfgang Ilg, an. Vor der Synode sagte Ilg am 16. März, es gebe in Württemberg jeden Sonntag über 1000 fast identische evangelische Gottesdienste, die aber für junge Leute kaum Relevanz hätten. Um mehr junge Menschen zu gewinnen, könnte man alternativ zum Beispiel Nachtreffen der Konfirmanden aus den zurückliegenden fünf Jahren veranstalten. "Laden Sie diese zum Pizzaessen ein - das entspricht ungefähr den Heizkosten eines Gottesdienstes", sagte der Wissenschaftler.

Ilg sprach beim Themenschwerpunkt der Synode, in dem es darum ging, wie junge Menschen zum Glauben finden. Studien zeigten, dass die Konfirmandenzeit die stärkste Prägung auf Jugendliche habe, sagte er. Mehr als 80 Prozent eines evangelischen Altersjahrgangs gingen in
den Konfirmandenunterricht. Während Taufen von Erwachsenen in der württembergischen Landeskirche fast gar nicht vorkämen, ließen sich jährlich rund 1000 Konfirmandinnen und Konfirmanden taufen, weil sie nicht als Baby getauft worden waren.

Kampf gegen Antisemitismus

Die Frühjahrssynode hat sich auch mit dem Thema Antisemitismus beschäftigt. "Antisemitische Gewalt war und ist in Deutschland Alltag", sagte Agnes Kübler, Referentin für die Themen Rassismus und Antisemitismus bei der Fach- und Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen. Immer wieder käme es zu tätlichen Angriffen, weshalb sich Juden und Jüdinnen in Deutschland vielfach nicht sicher fühlten.

Der Kampf gegen Antisemitismus verlangt laut Kübler "Wissen, Empathie und vor allem kritische Selbstreflexion". Anstatt Antisemitismus nur den Anderen zuzuschreiben, sei es nötig, sich weiterhin "mit dem schwierigen Erbe unserer eigenen antijudaistischen Vorstellungswelten" auseinanderzusetzen.

Jochen Maurer, Pfarrer für das Gespräch zwischen Christen und Juden, forderte dazu auf, "Betroffenheit und Anteilnahme in konkretes Handeln umzumünzen". Die beste Form der Vorbeugung sei, Wissen zu vermitteln. Am besten geschehe dies in der persönlichen Begegnung. "Wer jüdische Freunde und Freundinnen hat, kann die Gerüchte und Mythen, die Antisemiten in die Welt setzen, als Lügen entlarven."

Mehr unter www.elk-wue.de