Kiril spricht Gott mit „HaSchem“ an. Furkan betet zu Allah. Trotz ihrer religiösen Unterschiedlichkeiten verbindet sie eine tiefe Freundschaft. „Ich bewundere, dass Furkan so bewusst und konsequent durchs Leben geht. Wenn er etwas macht, dann macht er es richtig“, sagt Kiril. Furkan ergänzt: „Im Judentum ist das Hinterfragen von Texten, Lehren und Traditionen ein wichtiges Thema. Eine Eigenschaft, die ich sehr schätze – mit einer einfachen Antwort gibt Kiril sich nicht zufrieden.“ Dass die beiden eine so enge Freundschaft pflegen, trifft bei manchen auf Verwunderung. Andere meinen, dass ihre Freundschaft den Nahostkonflikt lösen könnte. Beides dementieren die beiden.
Wir gehören zu Religionen, die in Deutschland in der Minderheit sind. Interreligiöser Dialog und interreligiöse Freundschaften sind für uns deshalb Alltag und nichts Außergewöhnliches.
betont Furkan Yüksel
Die beiden jungen Männer sehen sich nicht als Repräsentanten des Judentums oder des Islams und stimmen auch nicht mit allen Lehren ihrer jeweiligen Religion überein. „Wir sind Menschen, die eine Religion haben, aber innerhalb dieser eine eigene Position vertreten.“
Das Projekt „Schalom und Salam“
Kennengelernt haben sie sich vor einigen Jahren bei einer Veranstaltung der Stuttgarter Bildungsinitiative „Schalom und Salam“ (Friede). Das Ziel des Projektes: für den Abbau von Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus in der deutschen Gesellschaft sorgen. Ein Thema, das auch Kiril und Furkan am Herzen liegt. Beide engagieren sich in Bildungs- und Aufklärungsarbeit. Furkan als Referent bei der Bildungsstätte Anne Frank, Kiril als Botschafter und Projektmitarbeiter bei „Schalom und Salam“. Gemeinsam sind sie oft in Schulen, bei Lehrerfortbildungen oder in der Politik unterwegs. Dort sprechen sie über Rassismus, Diskriminierung und Rechtsextremismus und teilen auch persönliche Erlebnisse.
Verständnis füreinander trotz ihrer Unterschiede
Bei ihrer ersten Begegnung hat es laut Furkan sofort „Klick“ gemacht. „Seitdem sind wir ‚best friends‘“, erzählt Kiril grinsend und klopft Furkan freundschaftlich auf die Schulter. Einer Meinung sind sie trotzdem nicht immer.
Natürlich haben wir manchmal auch hitzige Debatten. Aber uns ist es wichtig, dass wir uns im Nachhinein noch in die Augen schauen können.
sagt Furkan
Es gehe nicht darum, recht zu haben, sondern darum, den anderen zu verstehen. „Man kann unterschiedlicher Meinung sein, ohne sich gegenseitig die Menschlichkeit abzusprechen”, ergänzt Kiril. Sich hin und wieder über Dinge zu streiten, finden die beiden wichtig. „Dadurch entstehen neue Perspektiven“, betont Furkan.