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Bauernhof „Zukunftsfelder“

Schulbauernhof Korntal: Wo Kinder Landwirtschaft und Glauben erleben

Rund 1200 Kinder pro Jahr verbringen ihr Schullandheim auf dem Schulbauernhof „Zukunftsfelder“ der Diakonie in Korntal. Sie dürfen dort richtig mit anpacken, Ställe ausmisten und ihr eigenes Essen zubereiten. Auch das Tischgebet gehört zum Alltag.  Von Andreas Steidel

Ankunft auf dem Schulbauernhof: Die 5a hisst ihre Klassenfahne

Flagge zeigen! Gleich nach der Ankunft auf dem Schulbauernhof befestigen die Schülerinnen und Schüler ihre selbstgemalte Klassenfahne am Bug der Arche, als sichtbares Zeichen dafür: Die 5a des Max-Born-Gymnasiums aus Neckargemünd ist angekommen, eine Woche lang wird das nun ihr Reich sein.

Tierpflege hautnah: Schüler übernehmen Verantwortung im Stall

Auf dem Arche-Hof leben alte Haustierrassen und Nutztierarten, die im Zuge der Massentierhaltung als unwirtschaftlich aussortiert wurden und zum Teil fast schon aus­gestorben waren. Um die dürfen sich die 24 Schülerinnen und Schüler der 5a nun kümmern. Sie tun es mit großer Begeisterung. Den Stall ausmisten, die Ziegen von Hand melken, die Kühe füttern: Man muss sie nicht dazu zwingen – Lilly, Marlene, Jonas und Clemens sind mit Feuereifer bei der Sache und haben ganz offensichtlich Spaß an ihrer Arbeit.

Wir wollten weg vom klassischen Schullandheim und etwas mit Inhalt machen.

sagen die Lehrer Tim Gehring und Jennifer Hack

Ganzheitliches Lernkonzept: Stall, Felder, Molkerei, Küche und Gemeinschaft

Inhalt gibt es hier wahrhaftig genug, hinter dem Schulbauernhof steckt ein ausgefeiltes pädagogisches Konzept. Dabei werden die Kinder in vier Gruppen unterteilt: Stall, Felder, Molkerei und Küche. Den gesamten Kreislauf sollen sie kennenlernen, mit allen Sinnen und Gerüchen, den der Alltag dort zu bieten hat. Das Essen, das danach auf dem Tisch steht, haben sie tatsächlich selbst gekocht.

Beim Essen sitzen alle gemeinsam am Tisch. Auch das gehört zur Schullandheimerfahrung mit dazu.

Es ist heute nicht mehr selbstverständlich, dass man dreimal am Tag zusammen isst.

sagt Florian Aufrecht, der seit 2021 den Schulbauernhof leitet

Schulbauernhof „Zukunftsfelder“

Auf den Bauernhof der Diakonie Korntal kommen im Jahr rund 36 Schulklassen mit 1200 Schülerinnen und Schülern. Es gibt Vorbuchungen bis 2030.

Erreichbar ist der Schulbauernhof unter Telefon 0711-620075912 und über die Website von Zukunftsfelder.

 

Christliche Werte im Alltag

Noch viel weniger selbstverständlich ist das Tischgebet. Es gehört in Korntal dazu. Die Einrichtung der Brüdergemeinde versteckt ihr christliches Profil nicht, zwingt es aber auch niemandem auf: Wer mitbeten will, tut das, wenn jemand nicht will, ist das auch in Ordnung.

Die Schülerinnen und Schüler haben nicht selten Spaß daran. Da trägt auch mal jemand einen Rap als Gebet vor, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wer nach Korntal kommt, weiß, worauf er sich einlässt. Das Team der 19 Mitarbeiter hält täglich kurz inne bei einer Andacht, wer wissen will, was es mit Noahs Arche auf sich hat, bekommt auch hier eine Antwort.

Tierhaltung verstehen: Kinder erleben Haltungsstufen spielerisch

Am letzten Tag dürfen sie dann spielerisch die Haltungsstufen erleben, die auf den Wurstverpackungen aufgedruckt sind: Die Kinder schlüpfen dabei in die Rolle der Tiere und müssen mit dem Platz auskommen, der in den Ställen zur Verfügung steht.

Bewusstsein schaffen statt urteilen: Einblick in moderne Landwirtschaft

Das kann ernüchternd sein. Doch die Korntaler sind weit davon entfernt, andere zu verurteilen: „Wir wollen nur ein Bewusstsein schaffen“, sagt Leiter Florian Aufrecht, damit jeder am Ende seine eigenen Schlüsse ziehen kann.

Auch was die Ernährung angeht, möchte man keine einseitigen Positionen beziehen: Auf dem Schulbauernhof werden auch Tiere geschlachtet, das sollen die Kinder wissen. Schließlich muss die Salami auf der Pizza irgendwoher kommen.

Ein intensives Erlebnis: Was die Woche auf dem Bauernhof bewirkt

So eine Woche auf dem Bauernhof ist intensiv. Jedes Mal ist es ein Erlebnis, nicht nur für Schüler und Lehrer, sondern auch für die Mitarbeiter.

Es ist faszinierend zu sehen, wie liebevoll manch vermeintlicher Rabauke mit Tieren umgehen kann.

sagt Landwirtin Susanne Kranmüller