Besonders erschüttert ein Vorfall am 22. April. An diesem Tag werden drei Containerschiffe vom Iran angegriffen und zum Teil beschädigt. Zwei der Schiffe werden gekapert und in iranische Häfen gebracht. Die Besatzung sitzt dort bis heute fest. Lange Zeit gibt es kaum Informationen über ihren Zustand. Erst später bestätigen diplomatische Vertretungen, dass die Seeleute unverletzt seien und es ihnen den Umständen entsprechend gut gehe.
Anfang Mai gibt es dann einen kleinen Lichtblick, die Lage scheint sich kurzfristig zu entspannen. US-Präsident Donald Trump verkündet öffentlich, einen militärischen Schutzschirm namens „Projekt Freiheit“ einzurichten, der die sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus garantieren soll. Für viele Seeleute ist das zunächst ein Hoffnungsschimmer.
Doch dann wird kurz darauf das Containerschiff „CMA San Antonio“ massiv beschossen und schwer beschädigt. Acht Seeleute werden dabei verletzt.
Die Schiffswände sind dünn. Wenn eine Rakete oder eine größere Drohne einschlägt, schlägt sie einfach durch.
sagt Matthias Ristau
Das sorgt unter den Seeleuten für noch mehr Unsicherheit – vor allem wenn Sicherheitsgarantien mächtiger Staaten wie die der USA offenbar keinen verlässlichen Schutz bieten.
Die Versorgungssituation hat sich seit Beginn der Eskalation etwas verbessert. Kleine Versorgungsboote fahren wieder hinaus zu den Schiffen – allerdings zu horrenden Preisen.
Manche Reedereien kümmern sich intensiv um ihre Crews: Sie organisieren zusätzliche Vorräte, schalten größere Internetkontingente frei oder sorgen für kleine Ablenkungen wie Videospielkonsolen. Andere Seeleute dagegen berichten auch über rationierte Mahlzeiten.
In dieser Situation „funktionieren“ viele Seeleute nur noch. Sie arbeiten ganz normal weiter, kontrollieren Maschinen und erledigen ihre Aufgaben. Die eigentliche Belastung zeigt sich oft erst später. „Es gibt diesen Effekt, dass Menschen sich äußerlich an schwierige Situationen gewöhnen, aber innerlich arbeitet die Angst weiter“, erklärt Ristau. Umso wichtiger sei später auch die psychologische Nachsorge – eine Unterstützung, die die Deutsche Seemannsmission den betroffenen Seeleuten und deren Familien ebenfalls anbietet.