Zukunft der Diakonie Deutschland
Die Diakonie Deutschland stellt sich angesichts sinkender Kirchensteuereinnahmen und weniger Geld in den öffentlichen Haushalten neu auf. Die Vorsitzende des Aufsichtsrates des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung, Beate Hofmann, erläutert, dass alle Ebenen betroffen sind. Auch über die Arbeit und die Zuständigkeiten im Bundesvorstand werde beraten, sagt die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.
Die Diakonie Deutschland gliedert sich in 17 Landesdiakonien und mehr als 60 Fachverbände. Ist das noch zeitgemäß?
Beate Hofmann: Immer mehr Menschen finden das nicht mehr zeitgemäß, und deswegen gibt es einen intensiven Veränderungsprozess, auch aus finanziellen Gründen. Er wird sehr genau geschaut: Wo gibt es Doppelstrukturen? Wo gibt es Synergiemöglichkeiten? Und wie kann die Arbeit des Bundesverbandes, der Landesverbände und der Fachverbände stärker miteinander verschränkt werden?
Reformdruck durch sinkende Kirchensteuereinnahmen
Das heißt Konsolidieren und bedeutet am Ende Sparen.
Beate Hofmann: Natürlich. Der Druck wächst angesichts sinkender Kirchensteuereinnahmen und weniger Geld in den öffentlichen Haushalten. Für die Diakonie Deutschland kann ich sagen: Das Konsolidieren muss in den nächsten drei Jahren über die Bühne gehen, denn ein strukturelles Defizit kann man sich auf Dauer nicht leisten.
Es gibt ja immer gute Eigenlogiken, warum es einen Fachverband gibt und rechtliche Selbstständigkeit. Da lässt sich schwer sagen: Es braucht diese vielen Fachverbände nicht, warum werdet ihr nicht fünf große? Das hat ganz viel mit Verortung, Beheimatung, vertrauten Strukturen und guten Netzwerken zu tun. Und da wird tatsächlich die Frage sein: Gibt es genügend Veränderungsdruck und genügend Einsicht, um zu sagen: Diese Form von kleinen Verbandsstrukturen ist nicht mehr sinnvoll? Und kann man diese wichtigen Beratungsnetze, die sich in den Fachverbänden etabliert haben, möglicherweise in größere Strukturen überführen, ohne dass diese Netze verloren gehen?
Umbau im Bundesvorstand: Welche Rolle die Sozialpolitik künftig spielt
Was ist für die Spitze der Diakonie Deutschland zu erwarten? Sozialvorständin Elke Ronneberger ist Ende Juni aus dem Bundesvorstand ausgeschieden, ihm gehören jetzt noch der Präsident Rüdiger Schuch und Finanzvorstand Jörg Kruttschnitt an.
Beate Hofmann: Die Sozialpolitik ist naturgemäß immer auch ein wichtiges Thema für den Diakonie-Präsidenten. Ob es daneben weiterhin einen Sozialvorstand braucht, wird gerade geprüft. Ziemlich deutlich ist, dass die Stelle mit diesem Zuschnitt nicht wieder besetzt wird. Jetzt geht es darum, eine möglichst effiziente Struktur zu entwickeln, die politisch stark wirksam sein kann. An dieser Frage arbeiten die verschiedenen Akteure im Moment, und da wird es im Herbst Entscheidungen geben.