Fortgesetzter Sparkurs in der Kirche bis 2030
Die Evangelische Landeskirche in Württemberg setzt ihren Sparkurs bis 2030 fort und will neue Vorhaben weiter nur in Ausnahmefällen angehen. Hintergrund sind schwächer als erwartet steigende Kirchensteuereinnahmen, eine sinkende reale Kaufkraft und hohe langfristige Versorgungsverpflichtungen, wie Oberkirchenrat Fabian Peters vor der Landessynode sagte.
Für 2026 rechnet die Landeskirche mit Bruttokirchensteuereinnahmen von rund 760 Millionen Euro, bis 2030 mit etwa 800 Millionen Euro. Inflationsbedingt sinke die Finanzkraft dennoch deutlich; bis 2030 liege sie rund ein Viertel unter dem Stand von 2021. Deshalb setzt die Kirche die bereits beschlossenen Konsolidierungsmaßnahmen fort, darunter Einsparvorgaben von rund 104 Millionen Euro jährlich bis 2028.
Personaldruck: Weniger Theologiestudierende und neue Zugangswege
Auch im Personalbereich zeichnet sich weiterer Druck ab. Die Landeskirche will ihren Pfarrplan nach 2030 nicht fortführen und stattdessen einen Strukturstellenplan entwickeln. Dieser soll den künftigen Personalbedarf an sinkende Mitgliederzahlen sowie an die finanziellen und personellen Möglichkeiten der Kirche anpassen.
Die aktuelle Personalstrukturplanung geht davon aus, dass in den kommenden Jahren die geburtenstarken Pfarrjahrgänge in den Ruhestand gehen, während deutlich weniger Nachwuchs nachkommt. Ab den 2030er Jahren rechnet die Landeskirche nur noch mit rund 20 Berufseinsteigern aus dem klassischen Theologiestudium pro Jahr. Frühere Planungen waren noch von mehr als doppelt so vielen ausgegangen. Deshalb will die Landeskirche verstärkt alternative Zugangswege ausbauen.
Zehn Jahre Flüchtlingsarbeit: 20 Millionen Euro Förderung
Auch die Zukunft der Kirchenwahl war Thema. Eine zusätzliche digitale Stimmabgabe wäre nach Angaben der Kirche deutlich teurer, weshalb die Mehrheit dafür plädierte, an der bisherigen Urwahl festzuhalten. Zudem beriet die Synode über strengere Regeln für Synodale mit vielen Fehlzeiten und über mehr Transparenz bei Spenden an Gesprächskreise. Zuwendungen ab 500 Euro könnten künftig
veröffentlicht werden müssen, um einen möglichen Einfluss kirchenfeindlicher Gruppen auszuschließen, wie es hieß.
Außerdem berichtete die Diakonie über die Flüchtlingsarbeit: Seit 2016 hat die Landeskirche dafür mehr als 20 Millionen Euro bereitgestellt. Mit diesen Mitteln wurden kirchliche und diakonische Projekte in den Kirchenbezirken finanziert. Die Förderphase läuft im September aus.
Politik lobt Rolle der Kirche als moralische Orientierung
Landtagspräsident Thomas Strobl (CDU) sagte in einem Grußwort vor der Synode, die digitale Zukunft mit ihrer gewaltigen Transformation brauche ethische Orientierung. Die Kirchen seien eine „unersetzliche Stimme“ für die Grundwerte der Gesellschaft. Nächstenliebe und Verantwortung füreinander könne kein Gesetz vorschreiben, sie müssten vorgelebt werden, betonte Strobl.
Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl rief die Kirche außerdem dazu auf, sich bei den ethischen Fragen rund um die Nutzung von Künstlicher Intelligenz klar zu positionieren.