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Empörungskultur

Theologe: Soziale Medien fördern Spaltung in der Gesellschaft

Die Sozialen Medien wirken nach Ansicht des Theologen Thorsten Latzel durch die zugrunde liegenden Algorithmen „entsozialisierend”. Das erschwere die Verständigung und fördere eine Empörungskultur. Von Marc Patzwald und Ingo Lehnick (epd)

Ein Smartphone wird in einer Hand gehalten, der Bildschirm zeigt einen Ordner der mit "Social Media" überschrieben ist und die App-Symbolde von Facebook, Facebook Messanger, Instagram, WhatsApp und X (ehemals Twitter) zeigt.
Unsplash/Julian Christ

Soziale Medien sind nach Einschätzung des rheinischen evangelischen Präses Thorsten Latzel „ein starker Katalysator von Prozessen der Spaltung” in der Gesellschaft. „Es ist ein Problem, dass wir die kommunikativen Autobahnen in digitalen Medien abgegeben haben an einzelne ausländische Konzerne”, sagte der Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland dem Evangelischen Pressedienst. „Wir wissen, dass die Algorithmen auf Eskalation und Konflikte angelegt sind, sie dienen nicht der Verständigung.” Sie hätten vielmehr eine „entsozialisierende” Funktion.

Thorsten Latzel ist Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Wir stärken auf diese Weise eine Empörungskultur

kritisiert Thorsten Latzel

Darunter leide die Freiheit, auch kritische Punkte konstruktiv zu diskutieren und zu einer wirklichen Begegnung zu kommen: „Ich habe in sozialen Medien wie Facebook oder Instagram noch keine wirklich gelungene Diskussion erlebt.” Kommunikativ sei es wichtig, in seinem Gegenüber immer den Menschen zu sehen „und nicht einen Feind”.

Vertrauen durch Gemeinschaftserfahrungen

Latzel beschrieb im epd-Gespräch am Rande der rheinischen Landessynode eine Misstrauenskultur in Deutschland: „Wenn ich nur auf mich selbst zurückgeworfen bin, überfordert mich das.” Neues Vertrauen könne durch Gemeinschaftserfahrungen entstehen. Menschen benötigten „das Lagerfeuer, um das wir uns mit anderen versammeln können”. Auch die Erfahrung der eigenen Selbstwirksamkeit könne gegen Misstrauen helfen

Ich kann nicht die Welt retten oder den Klimawandel stoppen, aber ich kann mich in einem Umfeld engagieren und so neues Vertrauen gewinnen

sagt Thorsten Latzel