Nach Einschätzung des Heidelberger Theologieprofessors Fritz Lienhard bleibt der Talar im landeskirchlichen Bereich dennoch Standard; schließlich verleihe er der Predigt die nötige Autorität. Gleichzeitig beobachtet Lienhard auch einen tiefgreifenden Wandel:
Früher erinnerte die evangelische Kirche an eine Behörde – es war eine starke Institution. Heute entwickelt sie sich zunehmend zu einer Organisation, vergleichbar mit einer Nichtregierungsorganisation (NGO).
sagt Fritz Lienhard
Dieser Wandel zeige sich auch in der Kommunikation. So setze man heute auch in den Landeskirchen stärker auf Interaktion. Es gehe um eine Kommunikation, die auf Augenhöhe stattfindet, so Lienhard. Aus diesem Grund predigten auch zunehmend mehr Pfarrer nicht mehr von der Kanzel, die traditionell über den Köpfen der Gemeinde thront, sondern vom Altar oder einem Lesepult aus. Sie empfänden die Kanzel als Symbol einer „starken Machtasymmetrie zwischen Pfarrperson und Gemeinde“. Das sei heute vielfach nicht mehr gewünscht.