Die Kaiser liebten es protzig. Das gilt besonders für einen der römischen Caesaren, der Trier zu seiner Hauptstadt auserkoren hatte: Flavius Valerius Constantinus, der später als Konstantin der Große in die Geschichte eingehen sollte. Von 306 bis 316 residierte er in der heute ganz im Westen von Rheinland-Pfalz liegenden Stadt.
In diese Zeit fiel auch ein Prachtbau, der alle Dimensionen sprengte: Mit eineinhalb Millionen Ziegelsteinen, italienischem Marmor und ägyptischem Porphyr ließ er sich einen Palast bauen, der die doppelte Größe der berühmten Porta Nigra hatte. Das Gebäude, um 310 nach Christus errichtet, ist heute als Konstantinbasilika bekannt. Es war ursprünglich ein 67 Meter langer und 33 Meter hoher Repräsentationssaal, in dem nichts außer dem Thron des Kaisers stand. Wer immer zu einer Audienz geladen wurde, sollte sich möglichst klein und verloren fühlen.
Noch in seiner Trierer Zeit hatte Konstatin ein Edikt unterzeichnet, das Religionsfreiheit gewährte. Das bedeutete nichts anderes, als dass die Zeit der Christenverfolgung vorbei war. Die Löwen im nahen Trierer Amphitheater würden ab sofort keine Andersgläubigen mehr zum Fraß vorgeworfen bekommen. Noch heute kann man sich dort vorstellen, wie die grausigen Schauspiele einst inszeniert wurden, die unterirdischen Gänge der Raubtiere und Gladiatoren sind weitgehend erhalten. Es ist ohnehin imposant, welch gewaltige Überreste aus der römischen Epoche die Zeiten überdauert haben. „Alles Originale“, sagt Stadtführer David Kunz, der zuweilen etwas lächeln muss, wenn von römischen Spuren an anderen Orten in Deutschland die Rede ist. Oft sind es nur wenige Steine und ein paar Nachbauten, in der Kaiserstadt Trier haben jedoch zum Teil komplette römische Bauwerke die Zeiten überstanden.
Das bekannteste von ihnen ist die Porta Nigra, heute das Wahrzeichen der Stadt Trier. Es ist ein vollständig erhaltenes Stadttor aus der Zeit um 170 nach Christus, das älteste Baudenkmal auf deutschem Boden. Seine Bewahrung ist einem historischen Zufall zu verdanken, und der hat durchaus christliche Ursachen. Um das Jahr 1030 herum lebte in der Porta Nigra ein Einsiedler-Mönch namens Simeon, der eng mit dem Trierer Erzbischof Poppo befreundet war. Als dieser Simeon starb, erwirkte der Bischof seine baldige Heiligsprechung und ließ eine Kirche auf seine Behausung bauen. So wurde die Porta Nigra in einem christlichen Gotteshaus eingekapselt und hieß fortan St. Simeon.
Diese Geschichte erzählte man viele hunderte Jahre später Napoleon Bonaparte, der das Moseltal in seinen Besitz genommen hatte und 1804 in Trier weilte. Als er begriff, dass unter der Kirche ein komplett erhaltenes römisches Stadttor verborgen lag, fackelte er nicht lange: Er befahl den Abriss der christlichen Hülle und die Freilegung der darunter konservierten Antike. Das Erstaunliche ist, dass das römische Stadttor unter der Überbauung kaum gelitten hatte, sondern sie vermutlich seine Rettung war. Heute will man kaum glauben, dass da ein Stück vollständig erhaltenes Rom vor einem steht, das 800 Jahre lang den Deckmantel einer christlichen Kirche trug.
Das Christentum kam sehr früh nach Trier. Verantwortlich dafür ist natürlich auch jener Konstantin, der auf dem Sterbebett 337 sogar noch die Taufe empfangen haben soll. Bald danach war das Christentum Staatsreligion und man selbst gut beraten, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. So bildeten sich an römischen Residenzorten wie Trier schnell christliche Gemeinden. Die brauchten neue Gotteshäuser und bekamen sie in entsprechender Größenordnung. So standen an der Stelle des heutigen Trierer Doms gleich vier christliche Kirchen aus römischer Zeit, die in ihrer Dimension das heutige nicht gerade kleine Bauwerk deutlich übertrafen.
Stadtführer David Kunz lenkt den Blick auf die Überreste römischer Mauern, die man an der Seitenwand des Domes noch entdecken kann. Typische Muster, die die Spuren antiker Handwerkskunst tragen. Der Trierer Dom wurde zur ersten Bischofskirche auf deutschem Boden, kein Bistum ist älter als das in der Stadt der Römer.