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Religiöse Verfolgung

UN‑Gedenktag: Kirchen warnen vor wachsender religiöser Verfolgung weltweit

Zum UN-Gedenktag für Opfer religiöser Verfolgung am 22. August warnt die Evangelische Kirche in Württemberg und die katholische Kirche vor der Verfolgung Andersgläubiger. Zu den Opfern gehörten Juden, Christen und Muslime – aber auch konfessionslose Menschen. Von epd

Eine Person hält eine Halskette mit einem Kreuzanhänger in den Händen. Das Foto ist schwarz-weiß.
Unsplash/Constantin Panagopoulos

Württembergische Landeskirche erinnert an Opfer religiöser Verfolgung

Zum Internationalen Gedenktag für die Opfer von Gewalt aufgrund der Religion oder Weltanschauung am Samstag, 22.
August, erinnert die Evangelische Landeskirche in Württemberg an verfolgte und bedrängte Menschen weltweit. Kirchenrätin Christine Keim, Leiterin des Referats Mission, Ökumene und Entwicklung, betonte am 19. August laut Mitteilung, die Unterstützung gelte allen Betroffenen. Insbesondere richte sich die Fürbitte an verfolgte Christen etwa in Indien, Pakistan und Nigeria. Die Landeskirche setzt sich nach eigenen Angaben seit Langem für Religionsfreiheit und bedrängte Minderheiten ein. 

Katholische Bischofskonferenz fordert mehr Religionsfreiheit

Zuvor hatte die katholische Deutsche Bischofskonferenz weltweit mehr Einsatz zur Verteidigung und Förderung der Religionsfreiheit gefordert. „Ausgrenzung und schließlich auch Verfolgung Andersgläubiger sind vielerorts trauriger Alltag. Die Gewalt nimmt weltweit eher zu, als dass sie zurückgeht”, erklärte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, der Augsburger Bischof Bertram Meier:

Zu den Opfern gehören Juden, Christen und Muslime, aber auch Angehörige vieler anderer Glaubensgemeinschaften sowie Menschen, die keiner Religion angehören.

sagte der katholische Bischof Bertram Meier

Kontexte der Gewalt:

  • Diskriminierung
  • Unterdrückung
  • offene Gewalt vom Staat, wie etwa in Nicaragua, China und Nordkorea
  • religiös-extremistische Gruppen, die Angriffe auf Andersgläubige verüben

Über den UN-Gedenktag

Der „Internationale Tag zum Gedenken an die Opfer von Gewalttaten aus Gründen der Religion oder des Glaubens” wurde von den Vereinten Nationen 2019 eingeführt, um auf die religiös motivierte Verfolgung von Menschen aufmerksam zu machen. Er findet jedes Jahr am 22. August statt.

Verfolgte Christen weltweit

„Open Doors“ spricht weltweit von mehr als 388 Millionen Christen, die wegen ihres Glaubens intensiver Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt sind. Die Organisation beziehe ihre Daten von kirchlichen Netzwerken, regionalen Menschenrechtsanwälten, Analysten sowie Experten von „Open Doors International“.

Flucht von Christen aus dem Irak und Syrien

Die Gewalttaten des sogenannten „Islamischen Staats” und ähnlicher Bewegungen hätten in den zurückliegenden beiden Jahrzehnten die massenhafte Flucht von Christen aus dem Irak und aus Syrien verursacht und das Christentum dort an den Rand seiner Existenz gebracht, hieß es weiter. Heute sei der islamistische Terror vor allem in der Sahel-Region am Werk.

Mangelnde Religionsfreiheit in Indien und dem Heiligen Land

„Und dann gibt es die fatale Verquickung von religiösem Fundamentalismus und nationalistischen Ideologien. Der Hindu-Nationalismus schränkt den Freiheitsraum der nicht-hinduistischen Religionen in Indien immer weiter ein”, beklagte Bischof Meier: „Im Heiligen Land betreibt die Hamas mit brutalen Mitteln ein national-religiöses Projekt und die immer gewalttätiger auftretende Siedlerbewegung im Westjordanland greift offen die religiösen Gebäude und damit auch die religiöse Identität der Muslime und Christen an.”

„Open Doors“ beklagt mangelndes Wissen über Christenverfolgung

Einen aktuellen Stand zur Christenverfolgung gab bereits im Mai 2026 der Leiter des christlichen Hilfswerkes „Open Doors“. Er forderte, die Christenverfolgung stärker politisch zu thematisieren. Er beklagte außerdem eine zu geringe Wahrnehmung des Themas Christenverfolgung in Deutschland und Europa. Es fehle häufig an Wissen über das Ausmaß der Verfolgung, sagte Rode dem Evangelischen Pressedienst damals. Zudem sei Religionsfreiheit hierzulande so selbstverständlich, dass sich viele Menschen die Realität von Gefängnis, Vertreibung oder Gewalt aus Glaubensgründen kaum vorstellen könnten.

Hilfswerk: Politik soll stärker für Religionsfreiheit einstehen

Rode forderte, Religionsfreiheit stärker in der deutschen Außen-, Entwicklungs- und Menschenrechtspolitik zu verankern. Deutschland habe diplomatische und wirtschaftliche Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen und das Thema klar anzusprechen. Zugleich müsse der Schutz Betroffener gewährleistet bleiben. Verfolgte Christen seien nicht nur Opfer, betonte Rode, sondern engagierten sich vielfach selbst in Bildung, Gesundheitsversorgung sowie für Versöhnung und Frieden. Besonders betroffen von Verfolgung seien Konvertiten, die sich bewusst für den christlichen Glauben entscheiden und oft aus dem engsten familiären Umfeld heraus verfolgt würden.