Voraussetzung für eine Pop-up Trauung
Es kamen Paare, die schon lange verheiratet waren, ohne kirchlich getraut worden zu sein. Alle haben sich einen Trauspruch gesucht. Alle haben sich das Ja-Wort gegeben, einige haben Ringe gewechselt. Allen wurden die Hände aufgelegt und es wurde für sie gebetet. Doch nicht alle Paare, die sich an diesem Tag das Ja-Wort gaben, wurden im rechtlichen Sinne kirchlich getraut. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, neben der standesamtlichen Eheschließung muss mindestens eine oder einer Mitglied der evangelischen Kirche sein, und für gleichgeschlechtliche Paare sind in Württemberg lediglich öffentliche Segnungen erlaubt.
Hochzeit individuell gestalten
Viele sehen in solchen Vorgaben Gründe dafür, dass die Nachfrage nach kirchlichen Trauungen auch bei Kirchenmitgliedern signifikant abgenommen hat. Immer mehr Paare wählen sogenannte „freie Trauungen“, deren Elemente sie selbst bestimmen können.
Das Bedürfnis, die eigene Hochzeit individuell zu inszenieren, wurde von der Kirche lange unterschätzt. Liedwünsche wurden als unangemessen abgetan oder ließen sich nur über komplizierte Genehmigungen erfüllen. Erst durch die Corona-Pandemie wurde es möglich, kirchliche Trauungen auch außerhalb von Kirchenräumen anzubieten. Bis heute regelt ein Erlass von 1985, dass bei Trauungen nicht fotografiert werden darf – es sei völlig ausreichend, nach der Zeremonie ein Erinnerungsfoto vor dem Altar zu gestatten. Dabei ist es längst selbstverständlich geworden, die gesamte Zeremonie mit der Kamera festzuhalten.
Kritik an den Pop-up-Hochzeiten
Solche Trends führen, genau wie die Pop-up-Trauungen, innerkirchlich schnell zu lautem Protest. Manche fürchten eine Anbiederung an den Zeitgeist oder sehen darin „billige Gnade“, die das Evangelium verwässere. Auch die Frage nach der Verbindlichkeit kommt auf, wenn vermeintlich schriftgemäße Traditionen verlassen werden.
Biblisches Verständnis von Hochzeit
Die Bibel kennt kein einheitliches Eheverständnis. Besonders die alttestamentlichen Aussagen dazu sind stark davon geprägt, welcher Rechtsordnung Ehe und Familie im weltlichen Kontext unterlagen. Häufig ging es um die Sicherung von Grund und Eigentum durch legitime Erben und um die Versorgung von Witwen und Waisen. Ehen wurden vermittelt oder aus dynastischen Gründen geschlossen, gegenseitige Liebe war keine Voraussetzung für eine gute Ehe, wenn auch kein Hindernis. Im Neuen Testament werden die weltlichen Reglungen ebenfalls nicht in Frage gestellt. Die Ehe dient der Ordnung in der Gemeinde und dem vorbildlichen Leben nach außen.
Evangelische Sicht auf die Ehe
Tatsächlich ist die Ehe aber nach evangelischem Verständnis „ein weltlich Ding“, wie Martin Luther es ausdrückte, ein Vertrag zwischen zwei Menschen, die sich für dieses große und wichtige Versprechen Gottes Segen wünschen. „Wer von dem Pfarrer oder Bischof Gebet und Segen begehrt, der zeigt damit deutlich – auch unausgesprochen –, in welche Gefahr er sich begibt, welches Risiko er eingeht und wie nötig er den göttlichen Segen und die gemeinsame Fürbitte braucht für die neue Lebenssituation“, heißt es dazu in einer Schrift der evangelisch-lutherischen Kirche. Die Gestaltung des Traugottesdienstes sollte genau das zum Ausdruck bringen: Zwei Menschen sind sich der Verantwortung füreinander bewusst und holen sich dafür die bestmögliche Unterstützung: Gottes Segen.
Was wird im Traugespräch besprochen?
Die meisten Paare bringen vor allem organisatorische Fragen mit: Wo können wir parken? Wie läuft es mit dem Sektempfang? Spannend wird es bei ungewöhnlichen Familienkonstellationen, wenn zum Beispiel Kinder aus einer früheren Beziehung mitwirken sollen oder die Herkunftsfamilien aus unterschiedlichen Kontexten kommen, eine mehrsprachige Trauung oder erklärende Elemente gefragt sind und unterschiedliche Erwartungen unter einen Hut gebracht werden müssen.
Vorurteile gegenüber kirchlichen Trauungen
Schon oft gab es erleichterte Reaktionen, wenn wir deutlich machen konnten, dass bestimmte Bräuche oder Erwartungen keine kirchliche Vorgabe sind und man auch gültig getraut werden kann, wenn man kein weißes Kleid trägt oder bereits geschieden ist. Wie viele Vorurteile sich mit der kirchlichen Trauung verbinden, erlebe ich auch in den Reaktionen der Hochzeitsgesellschaften, die sich nach der Trauung für etwas bedanken, was längst selbstverständlich ist: eine individuelle und auf die persönlichen Bedürfnisse der Paare abgestimmte Zeremonie. Ziel ist es, dass der Tag der Trauung viele schöne Erinnerungen schafft, die dann helfen, den Alltag zu bewältigen.