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Kirchliche Hochzeit

Unkompliziert heiraten mit einer Pop-up-Trauung

Bürokratisch und viel organisatorischer Aufwand: So stellen sich viele eine kirchliche Trauung vor. Aber es geht auch anders, beispielsweise bei sogenannten „Pop-up-Hochzeiten”. 52 Paare haben so in Ludwigsburg geheiratet. Von Gerlinde Feine

Pop-up-Hochzeiten: Neue Form der kirchlichen Trauung

Im Mai 2022 lud das Berliner Segensbüro zu einer „Pop-up-Hochzeit“ ein. Das Event sollte „ein Angebot für alle (sein), die keine Lust auf lange Formalitäten haben, denen ein großes Hochzeitsfest zu teuer ist oder zu deren Lebenswirklichkeit eine klassische kirchliche Trauung einfach nicht passt“, hieß es in der Pressemeldung. „Wir sind für alle da, die ein passendes Segens­angebot für ihre Liebe suchen.“ Über 70 Paare kamen spontan vorbei.

Pop-up-Hochzeit in der gesamten EKD

In Böblingen fand die erste Pop-up Trauung am 14. Februar 2025 unter dem Motto „Traut euch!“ statt. Der Kirchenraum war entsprechend umgestaltet worden, neben dem zur Hochzeits­kapelle umfunktionierten Chorraum gab es Platz für Traugespräch und Sektempfang, ein improvisiertes Foto­studio und nicht zuletzt ein kleines „Pfarrbüro“, das Urkunden erstellte und die Unterlagen prüfte.

Bei einer Segenshochzeit: Zwei Frauen links in weiß gekleidet, rechts in blau halten ein Band in der Hand. Zwischen ihnen ist im Hintergrund ein Pfarrer zu sehen in einem Talar und bunter Stola.
epd-bild/Hans Scherhaufer
Ingeborg und Heike haben sich 2023 bei einer Pop-up-Segenshochzeit in Berlin spontan trauen lassen.

Voraussetzung für eine Pop-up Trauung

Es kamen Paare, die schon lange verheiratet waren, ohne kirchlich getraut worden zu sein. Alle haben sich einen Trauspruch gesucht. Alle haben sich das Ja-Wort gegeben, einige haben Ringe gewechselt. Allen wurden die Hände aufgelegt und es wurde für sie ge­betet. Doch nicht alle Paare, die sich an diesem Tag das Ja-Wort gaben, wurden im rechtlichen Sinne kirchlich getraut. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, neben der standesamtlichen Eheschließung muss mindestens eine oder einer Mitglied der evangelischen Kirche sein, und für gleichgeschlechtliche Paare sind in Württemberg lediglich öffentliche Segnungen erlaubt.

Hochzeit individuell gestalten

Viele sehen in solchen Vorgaben Gründe dafür, dass die Nachfrage nach kirchlichen Trauungen auch bei Kirchenmitgliedern signifikant abgenommen hat. Immer mehr Paare­ wählen sogenannte „freie Trauungen“, deren Elemente sie selbst bestimmen können.

Das Bedürfnis, die eigene Hochzeit individuell zu inszenieren, wurde von der Kirche lange unterschätzt. Liedwünsche wurden als unangemessen abgetan oder ließen sich nur über komplizierte Genehmigungen erfüllen. Erst durch die Corona-Pandemie wurde es möglich, kirchliche Trauungen auch außerhalb von Kirchenräumen anzubieten. Bis heute regelt ein Erlass von 1985, dass bei Trauungen nicht fotografiert werden darf – es sei völlig ausreichend, nach der Zeremonie ein Erinnerungsfoto vor dem Altar zu gestatten. Dabei ist es längst selbstverständlich geworden, die gesamte Zeremonie mit der Kamera festzuhalten.

Kritik an den Pop-up-Hochzeiten

Solche Trends führen, genau wie die Pop-up-Trauungen, innerkirchlich schnell zu lautem Protest. Manche fürchten eine Anbiederung an den Zeitgeist oder sehen darin „billige Gnade“, die das Evangelium verwässere. Auch die Frage nach der Verbindlichkeit kommt auf, wenn vermeintlich schriftgemäße Traditionen verlassen werden.

Biblisches Verständnis von Hochzeit

Die Bibel kennt kein einheitliches Eheverständnis. Besonders die alttestamentlichen Aussagen dazu sind stark davon geprägt, welcher Rechtsordnung Ehe und Familie im weltlichen Kontext unter­lagen. Häufig ging es um die Sicherung von Grund und Eigentum durch legitime Erben und um die Versorgung von Witwen und Waisen. Ehen wurden vermittelt oder aus dynastischen Gründen geschlossen, gegenseitige Liebe war keine Voraussetzung für eine gute Ehe, wenn auch kein Hindernis. Im Neuen Testament werden die weltlichen Reglungen ebenfalls nicht in Frage gestellt. Die Ehe dient der Ordnung in der Gemeinde und dem vorbildlichen Leben nach außen.

Evangelische Sicht auf die Ehe

Tatsächlich ist die Ehe aber nach evangelischem Verständnis „ein weltlich Ding“, wie Martin Luther es ausdrückte, ein Vertrag zwischen zwei Menschen, die sich für dieses große und wichtige Versprechen Gottes Segen wünschen. „Wer von dem Pfarrer oder Bischof Gebet und Segen begehrt, der zeigt damit deutlich – auch unausgesprochen –, in welche Gefahr er sich begibt, welches Risiko er eingeht und wie nötig er den göttlichen Segen und die gemeinsame Fürbitte braucht für die neue Lebenssituation“, heißt es dazu in einer Schrift der evangelisch-lutherischen Kirche. Die Gestaltung des Traugottesdienstes sollte genau das zum Ausdruck bringen: Zwei Menschen sind sich der Verantwortung füreinander bewusst und holen sich dafür die bestmögliche Unterstützung: Gottes Segen.

Was wird im Traugespräch besprochen?

Die meisten Paare bringen vor allem organisatorische Fragen mit: Wo können wir parken? Wie läuft es mit dem Sektempfang? Spannend wird es bei ungewöhnlichen Familienkonstellationen, wenn zum Beispiel Kinder aus einer früheren Beziehung mitwirken sollen oder die Herkunftsfamilien aus unterschiedlichen Kontexten kommen, eine mehrsprachige Trauung oder erklärende Elemente gefragt sind und unterschiedliche Erwartungen unter einen Hut gebracht werden müssen.

Vorurteile gegenüber kirchlichen Trauungen

Schon oft gab es erleichterte Reaktionen, wenn wir deutlich machen konnten, dass bestimmte Bräuche oder Erwartungen keine kirchliche Vorgabe sind und man auch gültig getraut werden kann, wenn man kein weißes Kleid trägt oder bereits geschieden ist. Wie viele Vorurteile sich mit der kirchlichen Trauung verbinden, erlebe ich auch in den Reaktionen der Hochzeitsgesellschaften, die sich nach der Trauung für etwas ­bedanken, was längst selbstverständlich ist: eine individuelle und auf die persönlichen Bedürfnisse der Paare abgestimmte Zeremonie. Ziel ist es, dass der Tag der Trauung viele schöne Erinnerungen schafft, die dann helfen, den Alltag zu bewältigen.