Und ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht.
Andrij Waskowycz: Leider nein. Und selbst wenn der Krieg irgendwann vorbei sein sollte, wird er ein traumatisiertes Land zurücklassen. Millionen Menschen sind verstümmelt – an Leib und Seele. Sie werden wahrscheinlich ein Leben lang Hilfe brauchen. Viele haben schreckliche Erfahrungen gemacht. Familien wurden auseinandergerissen, Kinder mussten mitansehen, wie Angehörige bei Angriffen getötet wurden. Wir leisten dort psychologische Betreuung. Ein riesiges Problem ist auch die Verminung des Landes. Die Ukraine ist mittlerweile das am stärksten verminte Territorium der Welt. Es wird geschätzt, dass eine Fläche halb so groß wie Deutschland von Landminen durchzogen ist. Auch das wird unser Land noch Jahrzehnte beschäftigen.
Sie haben den Rückgang der Spenden angesprochen. Hier in Deutschland scheint sich eine gewisse Müdigkeit gegenüber dem Krieg in der Ukraine breitzumachen. Wie erleben Sie die Situation in Ihrem Land?
Andrij Waskowycz: Die Menschen in der Ukraine können sich keine Kriegsmüdigkeit leisten. Sie kämpfen um ihr Überleben, nicht um Territorien. Wenn sie diesen Krieg verlieren, wird ihr Land nicht mehr existieren. Sie werden also weiterkämpfen. Wir als humanitäre Helfer sehen täglich, welche Folgen dieser Krieg hat, und wir arbeiten weiter daran, die Not der Menschen zu lindern, so gut wir können.
Das Interview mit Andrij Waskowycz von der Diakonie Katastrophenhilfe gibt es auch im Radio zu hören.