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Weihnachtsmärkte weltweit

Von Dresden bis Osaka: Die Geschichte des Weihnachtsmarkts

Weihnachtsmärkte sind etwas sehr Deutsches. Längst sind sie auch ein Exportschlager mit Ablegern in Japan und den USA. Ihre Ursprünge gehen bis ins Mittelalter zurück, mit einer zunächst ganz anderen Ausrichtung. Von Andreas Steidel

Häuser an denen Lichterketten angebracht sind. Viele Menschen laufen zwischen aufgebauten Ständen durch.
Unsplash/Niklas Ohlrogge

Die Anfänge der Weihnachtsmärkte: Dresden 1434 als Ursprung

Am 19. Oktober 1434 verlieh der sächsische Kurfürst der Stadt Dresden das Privileg, am Tag vor Heiligabend einen Markt abhalten zu dürfen. Es ist der älteste urkundliche Nachweis für einen Weihnachtsmarkt in Deutschland, der weltberühmte Dresdner Striezelmarkt hat darin seinen Ursprung.

Luftbild vom Dresdener Striezelmarktes bei Dunkelheit. Unten leuchten viele Lichter. Der Himmel ist dunkelblau.
epd-bild/Jürgen Maennel
Der Dresdner Striezelmarkt

Vom Fleischmarkt zum Festtagszauber: Die Entwicklung der Adventsmärkte

Mit dem heutigen Budenzauber hatte der damalige Weihnachtsmarkt freilich noch nicht allzu viel gemein: Es war ein Fleischmarkt, auf dem sich die Bevölkerung die Zutaten für ihren Festtagsbraten besorgen konnte. Nicht anders war es in Nürnberg, wo der heute international bekannte Christkindlesmarkt 1697 erstmals offiziell Erwähnung fand.

Es ging um die Versorgung der Stadtbewohner zu Beginn der kalten ­Jahreszeit mit Lebensmitteln und Haushaltsgegenständen. Korbflechter und Zuckerbäcker ergänzten das Angebot, man bekam Nüsse, Mandeln und geröstete Kastanien, Handwerker aus dem weiten Umland boten ihre Waren feil. Lange bevor es Supermärkte, Fußgängerzonen und Onlineshops gab, konnte man sich hier mit Alltagsartikeln und ausgefallenen Spezialitäten eindecken.

Das änderte sich erst mit der Romantik. Schon im 18. Jahrhundert war Weihnachten zu einem bürgerlichen Familienfest geworden, vor allem in evangelischen Gegenden: Das lutherische Christkind löste den Nikolaus als Gabenbringer ab, fortan suchte man nach Geschenken, die man dekorativ unter dem Weihnachtsbaum platzieren konnte.

Entsprechend veränderten sich auch die Adventsmärkte: Nun gab es immer weniger Lebensmittel für den Basisbedarf, dafür aber ein immer exquisiteres Angebot für die gehobene Gesellschaft. Die schlenderte nun vornehm an den pittoresk wirkenden Buden entlang, hielt nach Gold-, Silberschmuck und feinen Tuchen Ausschau sowie Lebkuchengebäck mit Gewürzen aus aller Welt.

Weihnachtsmärkte waren ein Leckerbissen für die Schwärmer und Genießer. So schwelgte der Schriftsteller Ludwig Tieck 1835 in Erinnerungen an den Berliner Budenzauber seiner Kindheit mit „süßduftenden mannigfaltigen Zucker- und Marzipanbäckchen“ sowie Früchten, die in Gestalt von Tierfiguren die Passanten lustvoll anlachten.

Industrialisierung und soziale Spannungen auf den Weihnachtsmärkten

Mit dieser kitschig-friedvollen Atmosphäre war es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorbei. Die Industrialisierung führte zu einem rasanten Wachstum der Stadtbevölkerung. Arbeitersiedlungen entstanden mit einem Proletariat, das nun ebenfalls auf die Weihnachtsmärkte drängte.

Die Bettler bestimmten dort nun das Bild, zerlumpte Gestalten, die auf der Suche nach milden Gaben und einer warmen Mahlzeit waren. Bald fühlte sich die vornehme Gesellschaft dort nicht mehr wohl, immer häufiger wurde nun auch von Zusammenstößen zwischen den reichen und armen Schichten der Bevölkerung berichtet.

Das hatte Folgen. In fast allen Großstädten begann der Magistrat, die einst heimeligen Adventsmärkte aus dem Zentrum zu verbannen. Nun wurden sie an den Rand gedrängt und verschwanden zunehmend in der Bedeutungslosigkeit. Anfang des 20. Jahrhunderts war die große Zeit der Weihnachtsmärkte in Deutschland vorbei.

Nationalsozialistische Instrumentalisierung der Weihnachtsmärkte

Wie so viele Traditionen, deren Wurzeln man Jahrhunderte zurückverfolgen kann, ist auch die des weihnachtlichen Budenzaubers also keine ungebrochene. Es waren ausgerechnet die Nationalsozialisten, die das adventliche Markttreiben neu belebten und die Märkte zurück in die Innenstädte holten.

Propagandistisch geschickt erkannten sie das Potenzial, das in der besonderen Atmosphäre der Vorweihnachtszeit steckt, und nutzten es für ihre Zwecke. So bestieg auch das Nürnberger Christkind am 4. Dezember 1933 erstmals die Empore der Frauenkirche, in Lübeck gab das Reichsinnenministerium Zuschüsse für eine Neuauflage des dortigen Weihnachtsmarktes.

Neubeginn nach dem Krieg: Wirtschaftswunder und Tourismus-Boom

Der Zweite Weltkrieg bereitete alldem schon wenige Jahre später ein jähes Ende. Im Wirtschaftswunder freilich entdeckte man (abzüglich der völkischen Formeln) die Traditionen wieder und eröffnete einen Weihnachtsmarkt nach dem anderen. Das passte in das Heile-Welt-Bild der damaligen Zeit und wurde schnell auch zu einem touristischen Faktor mit internationaler Anziehungskraft.

So gab es bald einen organisierten Busausflugstourismus aus der Schweiz zum Stuttgarter Weihnachtsmarkt, derweil amerikanische Veranstalter mit Reiseangeboten zu den schönsten Adventsstädten in Deutschland einluden – von Berlin über Nürnberg bis Rothenburg ob der Tauber.

Die Krönung des Nürnberger Christkindes. Die junge Frau hat blonde lockige Haare. Eine Person setzt ihr eine goldene Krone auf.
epd-bild/Valeska Rehm
Krönung des Nürnberger Christkindes.

Weihnachtsmärkte heute: 2500 Märkte in Deutschland und weltweit

In keinem Land der Welt gibt es so viele Weihnachtsmärkte wie in der Bundesrepublik, etwa 2500 zählt der deutsche Schaustellerverband jährlich. Eine ähnliche Dichte findet sich nur noch im Elsass, das einst ja auch zum deutschen Kulturraum gehörte. Auch in Österreich, der Schweiz  und Südtirol werden Adventsmärkte veranstaltet, wenn auch nicht in ganz so großer Menge.

Dafür steigt die Zahl der internationalen Märkte deutscher Prägung. Die USA und Japan liegen dabei ganz vorne. Eine Besonderheit ist dabei der deutsche Weihnachtsmarkt in Osaka. Zu diesem reisen jährlich deutsche Schausteller nach Asien, damit alles auch besonders authentisch wirkt. Bratwurst und Glühwein gehen dort weg wie warme Semmeln – die natürlich auch nach deutschem Rezept gebacken werden.