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Brasilien

Wahl in Brasilien: Werben um die Gunst der Evangelikalen

Am 25. Oktober entscheidet eine Stichwahl über den künftigen Präsidenten in Brasilien. Amtsinhaber Lula erlitt Anfang Oktober mit seiner Arbeiterpartei PT eine Niederlage. Von epd

Die Flagge Brasiliens hängt an einer Fahnenstange. Im Hintergrund ist der Himmel zu sehen. Die Flagge hat eine grüne Grundfläche in der ein gelbes Quadrat zu sehen ist. In diesem gelben Quadrat ist eine blaue Kugel zu sehen, in der die Aufschrift "Ordem e Progresso" steht.
Unsplash+/JSB Co

Brasilien rückt weiter nach rechts: Der ultrarechte Kandidat Flávio Bolsonaro (Partido Liberal) erreichte bei der Präsidentschaftswahl am 4. Oktober 47 Prozent. 45 Prozent stimmten nach Behördenangaben für den aktuellen Präsidenten Luis Inácio da Silva (Arbeiterpartei PT). Daher kommt es am 25. Oktober zu einer Stichwahl. 158 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer waren zur Wahl aufgerufen.

Der 80 Jahre alte Lula absolviert zurzeit seine dritte Amtszeit. Sein 45 Jahre alter Herausforderer Flávio Bolsonaro ist der älteste Sohn von Jair Bolsonaro. Der Ex-Präsident wurde als Drahtzieher des versuchten Putsches nach seiner Niederlage gegen Lula bei den Wahlen 2022 zu 27 Jahren Haft verurteilt.

Brasiliens Wahlkampf: Pfingstkirchen als politische Schlüsselakteure

In Brasilien gehören mehr als 30 Prozent der Wähler einer Pfingstkirche an. Das Werben um diese Gruppe war groß während des Wahlkampfes. Flávio Bolsonaro steht für die ultrarechte Linie seines Vaters. Beliebt ist er vor allem bei Polizisten sowie Angehörigen von Pfingstkirchen, einer wichtigen Wählergruppe in Brasilien. Er versprach, dass das Land bei seinem Wahlsieg Gott gehören werde. Bolsonaro trat offensiv bei religiösen Großevents wie dem Umzug „Marcha para Jesus“ auf. Den Wahlkampf bezeichnete er als spirituellen Krieg und erwähnte in jeder Rede seine Ablehnung der Abtreibung.

Der Senator versprach außerdem ein hartes Vorgehen gegen organisierte Kriminalität. Gegen ihn selbst wird wegen Korruption und Geldwäsche ermittelt. 

Lula warb mit christlichen Werten – ohne religiöse Politik

Der linke Staatschef Lula hingegen setzte vermehrt auf die Begriffe Familie und christliche Werte, betonte aber zugleich, er sei dagegen, Politik und Religion zu vermischen. Er hatte vor allem mit seinem Kampf gegen soziale Ungleichheit und Armut für seine Wiederwahl geworben.

Anhänger hat Lula vor allem unter Menschen mit geringem Einkommen. Im Kampf um evangelikale Stimmen setzte Lula vor allem darauf, die Erfolge seiner Sozialprogramme zu betonen. Dazu beitragen sollten Bewegungen wie „Evangelikale mit Lula“ sowie regionale Unterstützungsgruppen. Kontroverse Themen wie reproduktive Rechte (dazu gehören Themen wie beispielsweise Schwangerschaftsabbruch oder Verhütung) und sexuelle Vielfalt mied Lula. 

Wenn sich Religion und Politik vermischen

In die Politik eingezogen ist die Religion längst: Im brasilianischen Kongress gehörten bisher mehr als 200 der 594 brasilianischen Kongressmitglieder offiziell einer Pfingstkirche an. Jair Bolsonaro hatte 2021 zudem den Pfingstkirchler und Pastor André Mendonça ans Oberste Bundesgericht STF berufen. Mendonça produzierte im Wahlkampf mehrere an Gläubige gerichtete Video-Botschaften, die Flávio Bolsonaro bei Wahlkampf-Events zeigt.

Mit der Ernennung des evangelikalen Richters Jorge Messias für den Obersten Gerichtshof Ende 2025 wollte auch Lula punkten, doch der geplante Schachzug ging nicht auf, sein Kandidat wurde vom Senat abgewiesen.

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Regelmäßig berichtet unsere Kolumnistin Susanne Borges aus dem brasilianischen Sao Paulo. Sie betreibt dort gemeinsam mit ihrem Mann eine christliche Kinderhilfsorganisation. In Susanne Borges letzter Kolumne im Evangelischen Gemeindeblatt lesen Sie, warum für sie Bildung im Wahlkampf ein entscheidendes Thema war. Die Ausgaben 41 für Württemberg oder die Pfalz sind jeweils im Gemeindeblatt Onlineshop erhältlich.