Direkt zum Inhalt
Karfreitag

Warum essen Christen am Freitag Fisch?

Freitags essen viele Christinnen und Christen Fisch. Der Brauch hat eine lange Tradition. Was dahintersteckt erklärt Theologe Wolfgang Reinbold. Von epd

Ein Teller mit einem gebratenen Lachsfilet, Zitronen und Tomaten
Unsplash+/Curated Lifestyle

Freitag ist Fischtag: ein Brauchtum, das bis heute in manchen Familien und Kantinen verbreitet ist. Das hat weder kulinarische noch gesundheitliche Gründe, sondern ist eigentlich ein Fastenritual. „Der Freitag erinnert gläubige Christen an den Karfreitag, den Sterbetag Jesu”, weiß der evangelische Theologe Wolfgang Reinbold. Seit den Anfängen des Christentums sei es üblich gewesen, am Freitag eine Fastenzeit einzulegen, um sich in Demut und innerer Einkehr zu üben.

Freitags wird auf Fleisch verzichtet

„Die christlichen Fastenregeln sind allerdings andere als die, die wir heute von den Muslimen kennen, die beim Fasten tagsüber ganz auf Nahrung verzichten”, erläutert der Professor für Neues Testament an der Universität Göttingen. So war bei den Christen freitags der
Verzicht auf Fleisch vorgeschrieben, also von Tieren, die an Land leben. Entsprechend war Fisch von der Regel ausgenommen – und wurde zu einer beliebten Fastenspeise.

Fisch als Symbol für Christen

Zugleich etablierte sich der Fisch als ein Symbol, das für Christen eine tiefere Bedeutung hat, sagt Reinbold. „Das griechische Wort für Fisch – Ichthys – lässt sich als Kurzform des christlichen Bekenntnisses lesen: Iesous Christos Theou Yios Soter. Das heißt auf Deutsch: Jesus Christus, Sohn Gottes, Retter.”

Aus der symbolhaften Bedeutung des Wortes Fisch habe sich später ein Bildzeichen entwickelt. „Entsprechend finden sich etwa in den römischen Katakomben sehr viele Darstellungen von Fischen, oft gemeinsam mit anderen christlichen Symbolen wie Kreuz, Taube und
Anker oder Abkürzungen des Namens Jesu.”

Fisch spielt im frühen Christentum schon eine wichtige Rolle

Auch bekannte biblische Geschichten haben Reinbold zufolge dafür gesorgt, dass der Fisch im Christentum eine wichtige Rolle spielt. So seien die ersten Jünger Jesu Fischer gewesen, und in allen vier Evangelien der Bibel werde die „Geschichte vom wunderbaren Fischfang” erzählt, in der die Netze der Jünger auf Jesu Wort hin auf einmal prallvoll waren, obwohl sie zuvor nichts gefangen hatten. In einer anderen Geschichte soll Jesus das Wunder vollbracht haben, Tausende von Menschen mit nur fünf Broten und zwei Fischen satt zu bekommen.

Unsplash/Marek Studzinski

Das bedeutet das Fischsymbol als Autoaufkleber

Auch heute sei der Fisch noch ein beliebtes Glaubenssymbol von Christinnen und Christen, berichtet Reinbold. Mitunter begegne es einem sogar im Straßenverkehr: „Achten Sie mal drauf: Womöglich fährt gerade ein Auto vor Ihnen, das ein Fisch-Symbol als Aufkleber auf der Heckklappe trägt.”