Direkt zum Inhalt
Evangelische Filmarbeit

Warum Kirche Filmkritik betreibt: Die Bedeutung von Kino für Welt- und Menschenbilder

Filmschaffende und -freunde aus aller Welt reisen nun wieder zu den Internationalen Filmfest­spielen nach Berlin, unter ihnen auch solche mit einem christlichen Blick. Evangelische Filmarbeit hat eine lange Geschichte und viele Facetten. Von Antje Schmitz

Zwei Kinder sitzen in einem Kinosaal in roten Sesseln. Sie haben Popcorntüten auf dem Schoß
Unsplash+/Getty Images

Evangelische Filmarbeit: Monatliche Auszeichnung für besondere Kinofilme

Seit 1951 prämiert die Jury der Evangelischen Filmarbeit einen aktuellen Kinofilm als Film des Monats. Im Januar war dies „Silent Friend“, im Februar ist es „Souleymans Geschichte“ von dem französischen Regisseur Boris Lojkine.

Die Auszeichnung bietet eine christliche Orientierung zwischen all den Kunst- und Unterhaltungsfilmen, die Monat für Monat herauskommen.

Die Jury ­berücksichtigt bei ihrer Auswahl die filmästhetische Gestaltung, den ethischen Gehalt und die thema­tische Bedeutsamkeit des Films und zeichnet Filme aus, die dem Zu­sammenleben der Menschen dienen, zur Überprüfung eigener Positionen, zur Wahrnehmung mitmenschlicher Verantwortung und zur Orientierung an der biblischen Botschaft beitragen.

sagt die Jury der Evangelischen Filmarbeit

Warum Kirche und Film zusammengehören

Aber warum beschäftigen sich die evangelische wie auch die katholische Kirche mit Filmkunst? Filme sind wirkmächtig, sie transportieren Welt- und Menschenbilder, sie künden von Mitmenschlichkeit oder  propagieren Verachtung. Während der NS-Zeit waren die Deutschen manipuliert und mit Hass vergiftet worden, auch im Kino. Nach Kriegsende und Befreiung dürsteten sie nach Kultur und Unterhaltung und strömten in die Filmtheater. Film war neben Radio und Presse ein wichtiges Medium. Dies wollten Christen begleiten und gestalten.

Vom 22. bis 25. April 1948 kamen 120 Kirchenleute, Journalisten und Filmemacher zu einer Filmkonferenz im niedersächsischen Bad Salzdetfurth zusammen. Unter ihnen waren auch Pfarrer wie Robert Geisendörfer, der den Evan­gelischen Preßverband für Bayern ­leitete, und Werner Hess aus Frankfurt am Main. Er sagte in seinem Referat über „Kirche und Film“:

Es fehlt bisher der gültige Maßstab, die Erscheinung des Films von christlicher Seite her richtig zu ­würdigen. Es scheint mir deshalb nur der Weg gangbar, die Glieder der christlichen Gemeinde stärker und eindeutiger als bisher zu be­einflussen und ihnen Maßstäbe in die Hand zu geben, um einen Film ­werten zu können

sagte Werner Hess

Geburtsstunde evangelischer Filmpublizistik

Die Tagung „lieferte die Initialzündung für die evangelische Filmpublizistik der Nachkriegszeit und war der Nukleus für die evangelische Filmarbeit nach dem Krieg. Viele der dort diskutierten und referierten Themen sollten virulent bleiben“, schreibt der Filmjournalist Rudolf Worschech.

Bald darauf, am 15. Juli 1948, erschien die vom Evangelischen Preßverband für Deutschland herausgegebene „epd Kirche und Film“, am 1. November folgte der vom Evangelischen Preßverband für Bayern herausgegebene „Evangelische Film-Beobachter“. Der katholische „Filmdienst der Jugend“ war seit 1947 erhältlich. Heute erscheint der „film-dienst“ nur noch im Internet.

Von strengen Urteilen zu offener Einordnung

Im ersten „Film-Beobachter“ schrieb Robert Geisendörfer: „Wir kennen ... den missionarischen Auftrag der Kirche und können uns gerade in diesem Zusammenhange der ­Erkenntnis von der ungeheuren ­Bedeutung des Films in unserer Zeit nicht verschließen.“ Und: „Wir ­werden versuchen, unseren Lesern ein Urteil zu bieten, das Urteil von Menschen, die versuchen, Christen zu sein. Diese Urteile wollen nicht kirchlich-verbindlich, wohl aber richtungsweisend und in hohem Maße zuverlässig sein.“ Die Kritiken sollten auch in den Schaukästen der Gemeinden aushängen. Sie fielen deutlich aus, teilweise harsch.

Davon ist die konfessionelle Film­kritik abgerückt. Wer die Zeitschrift „epd Film“ zur Hand nimmt, findet darin Einordnungen und Argumente, seine Meinung bildet er sich selbst. „epd Film“ ist aus dem „Film-Beobachter“ sowie „Kirche und Film“ hervorgegangen und erscheint seit 1984.

Über die Jahrzehnte hat die evangelische Kirche enorme Kompetenz in der Film­arbeit erworben – ,epd Film‘ ist eine Stimme in diesem Konzert

sagt Chefredakteurin Sabine Horst

Evangelische Filmproduktion: Von Matthias-Film bis eikon

Die evangelische Filmarbeit begleitet nicht nur, sie produziert auch und vertreibt Filme. 1950 wurde in München die Matthias-Film als Filmvertriebs- und Produktions­gesellschaft der evangelischen Kirche gegründet. Heute ist sie eine gemeinnützige Medienvertriebs­gesellschaft, deren alleiniger Gesellschafter das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik ist. Sie stellt Medien für die Bildungsarbeit zusammen und bietet auf ihrer Internetseite mit pädagogischen Einordnungen eine Orientierung.

Die „eikon“ ging aus der Matthias-Film hervor. Sie wurde 1960 in ­München von Robert Geisendörfer gegründet, ihr größter Gesellschafter ist die Evangelische Kirche in Deutschland. Sie produziert Kinofilme und Serien, Dokumentationen und Kinderprogramme „mit dem Fokus auf einer empathischen, toleranten und von Respekt geprägten Welt“, wie auf der Internetseite steht. Vor ihr stammen Filme über Martin Luther, Dietrich Bonhoeffer, Huldrych Zwingli und Johann Sebastian Bach, aber auch der Fernsehmehrteiler „Unser Walter“.