„Von einem guten Kompliment kann ich zwei Monate leben”, soll der amerikanische Schriftsteller Mark Twain einst gesagt haben. Und wer würde bestreiten, dass ein gutes Wort, ein anerkennender Satz zur rechten Zeit wahre Wunder wirken kann. Wir fühlen uns gesehen und geschätzt. Und das löst nachweislich positive Emotionen aus.
Forscher des Instituts für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Heidelberg und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim haben herausgefunden, dass beim Austausch von Lob und Komplimenten im Gehirn das Empathie- und Belohnungssystem aktiviert wird. Dort sind die Bindungs- und Glückshormone Oxytocin und Dopamin aktiv.
In einer aufwendigen Studie untersuchten sie Paare, die sich gegenseitig kurze Textnachrichten mit Komplimenten schickten, während sie in zwei miteinander verbundenen MRT-Scannern lagen. „Die Ergebnisse unserer Untersuchung liefern erste Hinweise darauf, dass liebe und wertschätzende Worte an den Partner oder die Partnerin jene Belohnungsschaltkreise im Gehirn aktivieren, die auch dann reagieren, wenn wir beispielsweise unsere Lieblingsmusik hören, ein gutes Essen genießen oder im Lotto gewinnen”, schreibt Beate Ditzen, Direktorin des Instituts für Medizinische Psychologie am Uniklinikum Heidelberg. Und noch etwas fanden die Wissenschaftler heraus: Ein Kompliment macht nicht nur den glücklich, der es bekommt, sondern auch den, der es macht.
Für Judith Mangelsdorf sind Komplimente nicht nur etwas zwischen zwei Menschen. Vielmehr haben sie in ihren Augen das Potenzial, das gesamtgesellschaftliche Miteinander zu verbessern. Aber die positiven Auswirkungen von Komplimenten würden vielfach unterschätzt, so die Psychologin von der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport in Berlin. Dabei gebe es Belege dafür, dass Komplimente Stress abbauen, das Selbstbewusstsein steigern und die Kommunikation verbessern können, sagte sie dem ZDF. Viele Menschen seien im Komplimente-Geben trotzdem eher zurückhaltend.