Im Sommer 2025 eskaliert alles. Die Polizei steht vor der Tür. Timo hat eine Gehaltsabrechnung gefälscht, um einen Kredit zu bekommen. Das Verfahren wird zwar eingestellt, aber durch die Ermittlungen erfährt sein Arbeitgeber von der Spielsucht.
Timo verliert seinen Job. Noch am selben Abend verlässt ihn seine Freundin. Die Bilanz ist ernüchternd: Job weg, Beziehung zerbrochen, über 200.000 Euro verspielt. Dazu kommen Scham und Schuldgefühle. Timo fühlt sich am Ende.
Das war der absolute Tiefpunkt.
sagt Timo
Kurz zuvor gesteht Timo seinen Eltern alles. Sie sind enttäuscht, aber für ihn da. Endlich ist die Wahrheit draußen. Für Timo fühlt sich das fast wie eine Befreiung an. Jahrelang hat das Verheimlichen der Sucht Kraft gekostet.
Timo sucht sich Hilfe bei der Suchtberatungsstelle der Evangelischen Gesellschaft (eva) in Stuttgart. Er besucht eine offene Spielergruppe, trifft Menschen mit ähnlichen Problemen. Der Austausch hilft ihm. Er macht eine Einzeltherapie und erkennt: Ein Grund für seine Sucht war sein geringes Selbstwertgefühl. Bestätigung hat er sich über Gewinne geholt. Heute arbeitet er daran.
Timo kümmert sich um seine Schulden. Mit Unterstützung eines Beraters findet er Lösungen. Seine Schulden sind mittlerweile fast vom Tisch. Er hat wieder einen Job. Er sucht sich Hobbys, geht wandern, macht Sport. So schafft er sich bewusste Auszeiten. Das Ziel: nicht nur ablenken, sondern verstehen, warum die Sucht entstanden ist.
Timo weiß: Die Sucht verschwindet nicht einfach. „Das ist nicht wie ein gebrochenes Bein, das nach ein paar Wochen verheilt“, sagt er. „Die Sucht bleibt Teil meines Lebens.“ Deshalb arbeitet er weiter an sich. Schritt für Schritt.
An WM-Tippspielen nimmt Timo bewusst nicht mehr teil. Zu groß ist das Risiko, in alte Muster zu rutschen. Er weiß, wie schnell aus einem harmlosen Tipp mehr werden kann. Wie schnell aus „nur ein bisschen Spaß“ ein fester Teil des Alltags wird – und irgendwann die Kontrolle übernimmt.
Heute sieht Timo vieles kritischer. Die allgegenwärtige Werbung für Sportwetten, die Verfügbarkeit, die niedrigen Hürden, die Anreize wie Gratis-Spiele und Bonuszahlungen – gerade jetzt zur Fußball-WM. Er findet: Es wird zu wenig darüber gesprochen, was wirklich passieren kann – und wie schnell man in eine Sucht abrutschen kann. Für ihn ist klar: Es braucht mehr Aufklärung. Früher. Ehrlicher. Damit andere nicht – wie er – ganz unten ankommen.
Timos Geschichte zeigt: Sportwetten wirken harmlos – bis sie es nicht mehr sind. Der Weg in die Sucht ist oft leise. Schritt für Schritt. Kaum spürbar. Und der Weg raus? Der beginnt meist dort, wo es am schwersten fällt: bei der Ehrlichkeit gegenüber sich selbst – und dem Mut, Hilfe anzunehmen.