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Alltag im Rollstuhl

Wheel Life – Unterwegs mit Rollstuhlfahrer Lucas Zehnle

Rollstuhlfahrer Lucas Zehnle zeigt, wo Barrierefreiheit in seinem Alltag funktioniert – und wo nicht. Ob auf dem Cannstatter Wasen oder beim Kleiderkauf, der Mitte 30-Jährige gibt in sechs Folgen „Wheel Life” Einblick in sein Leben. Von Claudio Murmann

Lucas Zehnle sitzt in einem Rollstuhl und lächelt in die Kamera. Im Hintergrund sind Fahrgeschäfte des Cannstatter Wasens in Stuttgart zu sehen.
EMH

Auf den Cannstatter Wasen mit Rollstuhl: Wie barrierefrei ist das Volksfest?

Der Cannstatter Wasen ist ein Ort für Spaß, Geschwindigkeit und geselliges Beisammensein. Lucas Zehnle will hier wissen: Wie zugänglich ist der Wasen eigentlich für Menschen mit Behinderung? Gerade bei Fahrgeschäften gibt es besondere Herausforderungen. Lucas schaut sich an, wie Barrieren abgebaut werden können und welche Möglichkeiten es gibt, auch ohne Fußpedal Autoscooter zu fahren.

Auch abseits der Fahrgeschäfte ist Barrierefreiheit wichtig: Wege, Eingänge, Toiletten und gastronomische Angebote müssen zugänglich sein. Lucas wirft deshalb einen Blick hinter die Kulissen und erfährt, wie das Team hinter dem Event daran arbeitet, den Wasen zu einem Volksfest für alle zu machen.

Barrierefrei zum Wasen? Mit der Bahn durch Stuttgart

Für Lucas beginnt ein barrierefreier Ausflug nicht erst auf dem Festgelände des Cannstatter Wasens, sondern schon bei der Anreise. Öffentliche Verkehrsmittel sind für ihn eine wichtige Möglichkeit, selbstständig durch Stuttgart zu kommen. Doch gerade hier zeigt sich schnell, dass Barrierefreiheit nicht immer selbstverständlich ist.

Wenn ein Aufzug ausfällt, kann aus einem einfachen Weg plötzlich eine echte Herausforderung werden. Für Lucas bedeutet das im schlimmsten Fall: Er muss sich sitzend und mit dem Rollstuhl im Schlepptau Stufe für Stufe eine Treppe hinaufarbeiten – unabhängig davon, ob die Stufen nass, dreckig oder schwer zu bewältigen sind. Trotz solcher Erfahrungen ist Lucas gerne mit Bus und Bahn unterwegs. Funktioniert die Infrastruktur, ermöglicht ihm der ÖPNV eine selbstständige und flexible Fortbewegung. 

Lucas schaut sich deshalb genauer an, wie barrierefreie Bahnhöfe aussehen können. An einem Bahnhof, an dem die Deutsche Bahn vollständige Barrierefreiheit verspricht, trifft sich Lucas mit Taylan Ayik, dem stellvertretenden Manager für die Bahnhöfe in der Region Stuttgart. Dieser erklärt unter anderem, warum es doch manchmal länger dauert, bis die Aufzüge bei der Deutschen Bahn repariert werden. 

Am Stuttgarter Hauptbahnhof geht es mit Joachim Barth vom Fahrgastverband PRO BAHN im Anschluss um die Frage, wo es noch Verbesserungsbedarf gibt und Lucas zeigt auch, warum die Stuttgart 21-Baustelle am Hauptbahnhof für ihn eine Herausforderung ist. 

Autofahren als Rollstuhlfahrer: Wenn die Bahn keine Option ist

Wenn Bus oder Bahn ausfallen oder eine Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht sinnvoll zu bewältigen ist, greift Lucas auf sein Auto zurück, das auf seine Bedürfnisse umgebaut wurde. Auch bei umgebauten Autos ist das Thema Fahrsicherheit wichtig. Daher testet Lucas Zehnle beim ADAC-Fahrsicherheitstraining, wie sicher sein umgebautes Auto in Extremsituationen reagiert. Mit Handsteuerung und Multifunktionsknopf erlebt Lucas, wie unterschiedlich sich sein Fahrzeug unter Stress verhält – und wo Assistenzsysteme an ihre Grenzen kommen.

Handbike fahren: Mit eigener Kraft mobil und schnell unterwegs

Lucas ist ein Geschwindigkeits-Junkie. Ob Achterbahn oder Motorsport – ihm kann es kaum schnell genug gehen. Diese Leidenschaft lässt sich auch mit seinem Rollstuhl verbinden: auf dem Handbike.

Beim Handbike werden die Pedale mit den Händen statt mit den Füßen angetrieben. Für Lucas ist das Sportgerät deshalb nicht nur eine Möglichkeit, sich fortzubewegen, sondern auch eine Möglichkeit, seine Begeisterung für Geschwindigkeit auszuleben und körperlich aktiv zu sein.

Bei einem Handbike-Rennen in Tübingen stellt er sein Können unter Beweis. Gleichzeitig erlebt er, dass der Sport Menschen zusammenbringt. Rund um das Rennen entsteht ein Treffpunkt für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer – und damit ein Stück Community.

Auch Handbike-Profi Johannes Hänle ist dabei. Im Gespräch mit Lucas erzählt er, was ihn motiviert und wie sein Alltag als Profiathlet aussieht. Doch kann Johannes Hänle allein vom Behindertensport leben?

Worauf kommt es bei einer barrierefreien Wohnung an?

Seinen Alltag eigenständig und ohne Hilfe von anderen erledigen zu können ist für Lucas wichtig. Daher wohnen seine Frau und er in einer barrierearmen Wohnung. Ganz barrierefrei ist sein Zuhause nämlich nicht. In seinen eigenen vier Wänden stößt Lucas immer wieder auf Hindernisse. Für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer reicht es nicht, wenn eine Wohnung auf dem Papier als barrierefrei gilt. Entscheidend ist, ob sie den individuellen Bedürfnissen tatsächlich gerecht wird.

Dabei geht es beispielsweise um Bewegungsflächen, Türen, Badezimmer, Küche und die Erreichbarkeit des Gebäudes. Schon kleine bauliche Details können darüber entscheiden, ob ein Raum selbstständig genutzt werden kann oder ob Hilfe nötig ist. Experte für Mietfragen, Ralf Brodda vom Mieterbund Stuttgart erklärt, welche rechtlichen Ansprüche Menschen mit Behinderungen beim Mieten einer Wohnung haben. Rückbau und Finanzierung sind dabei jedoch Hürden, die sich nicht jede und jeder leisten kann.

Kleidung im Rollstuhl: Was trägt Lucas im Alltag?

Auch bei Kleidung können sich für Menschen im Rollstuhl ganz praktische Fragen stellen. Was sitzt bequem, was lässt sich einfach an- und ausziehen und welche Kleidungsstücke funktionieren im Sitzen?

Kleidung, die nicht richtig sitzt, nervt – im Rollstuhl wird sie schnell zum echten Problem. Zu lange Hosen, zu enge Schnitte, Stoff, der sich im Sitzen staut: Für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer gehört das zum Alltag. Was braucht Kleidung also damit sie im Rollstuhl wirklich funktioniert?

Lucas besucht Designerin Claire Common in Mannheim. Sie zeigt, wie inklusive Mode entsteht – von der Schnittführung bis zur Materialwahl. Gemeinsam testen sie verschiedene Kleidungsstücke und klären, wie sich Komfort, Funktion und Stil verbinden lassen. Lucas probiert selbst aus, was sich verändert, wenn Kleidung an das Sitzen angepasst ist. Dabei wird klar: Inklusive Mode kann Barrieren im Alltag reduzieren.