Eine große Rolle bei dem Thema spielt die Diskussion um so genannte „Deepfakes“: Der Begriff beschreibt realistisch wirkende Medieninhalte, die durch Techniken der künstlichen Intelligenz (KI) verfälscht worden sind. Während diese sich vor ein paar Jahren nur auf Bilder bezog, geht es dabei heute um Fotos, Filme und Videos, die durch KI manipuliert worden sind. Dadurch erscheinen Menschen, Orte, Gegenstände oder Ereignisse echt, obwohl sie gefälscht wurden.
„Gesichter werden vertauscht, Lippen- oder Körperbewegungen vorgetäuscht“, beschreibt es Maria Pawelec. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Robotik und KI an der Uni Tübingen zeigt an diesem Seminartag anschauliche Beispiele, was für Bilder hierzu mit entsprechenden Programmen in Sekundenschnelle erstellt werden können.
So ist Friedrich Merz zu sehen, wie er zusammen mit seinem Politikerkollegen Olaf Scholz in entspannter Freizeitkleidung Golf spielt. Alles nicht echt – obwohl es so scheint. „Vor ein paar Jahren benötigte man hierfür noch ein besonderes technisches Knowhow. Heute reicht eine Minute Audiomaterial und ich kann Fake-Bilder erstellen“, sagt Pawelec. Bald könne man auf dem Handy einen Text eingeben und erhalte „ein hollywoodreifes Video“.
Zumal man auf dem kleinen Bildschirm des Handys kaum unterschieden kann, ob solche Videos echt sind oder nicht, darauf weist Thomas Rathgeb, Leiter der Abteilung Medienkompetenz bei der Medienanstalt für Baden-Württemberg, hin.
Was also tun? Eine einfache oder eindeutige Antwort darauf gibt es nicht, das wurde im Verlauf der Debatte deutlich. „Wir brauchen mehr Regulierung, zum Beispiel ein Verbot von Deepfake-Pornografie, aber auch Transparenzpflicht. Und Berufsethik muss gefördert werden“, sagt Maria Pawelec. Auch die Kennzeichnungspflicht für retuschierte Darstellungen steht als eine Lösung im Raum, professioneller Journalismus müsse gefördert werden.
Noch gebe es recht wenige Programme, die sich auf digitaler Ebene gut zur Überprüfung solcher Deepfakes eigneten. Pawelec hält es daher für wichtig, Quellen zu hinterfragen und sich digitaler Möglichkeiten wie etwa im Internet der Bilderrückwärts-Suche zu bedienen. Sie warnt allerdings davor, „zu viel Verantwortung auf den Einzelnen abzuwälzen“.