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Wohlfahrtsverbände

Wie Diakonie und Caritas bei Einsamkeit helfen können

Einsamkeit betrifft viele Menschen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage. Doch die Wenigsten trauen sich, Hilfe zu holen. Von Uta Rohrmann

Ein Mann sitz auf einem Sofa und schlägt die Hand vors Gesicht. Ihm gegenüber sitzt sein Berater in einem braunen Blazer. Den Berater sieht man nur von hinten.
Unsplash+/Getty Images
Beratungsstellen können erste Schritte gegen Einsamkeit einleiten.

Andauernde Einsamkeit ist in unserer Gesellschaft weiter verbreitet als gedacht und betrifft keineswegs nur Randgruppen. Sie wirkt oft unterschwellig und ist oft schambehaftet. Das hat auch eine aktuelle Umfrage von Diakonie und Caritas gezeigt, die von Januar bis März 2025 unter deren Beratungsstellen und Hilfeeinrichtungen durchgeführt wurde. Daran beteiligt haben sich 310 Beraterinnen und Berater aus ganz Baden-Württemberg.

Betroffene ermutigen, über Einsamkeit zu sprechen

63 Prozent der Beratungsstellen sagen, dass Einsamkeit sehr häufig ein Thema in den Gesprächen ist. Doch die wenigsten trauen sich, gezielt wegen ihrer Einsamkeit Hilfe zu holen. In 83 Prozent der Fälle taucht dieses Problem erst im Verlauf einer Beratung auf, bei der es zunächst um andere Schwierigkeiten geht. Und bei 13 Prozent der Betroffenen kommt das Thema Einsamkeit nur auf den Tisch, weil die Beraterin gezielt danach fragt. „Das gibt uns zu denken“, sagt die Freiburger Diözesan-Caritasdirektorin Birgit Schaer in ihrem Statement. „Es geht also auch darum, die Sprachlosigkeit, die mit dem Thema einhergeht, zu überwinden.“

Hände halten einen leeren Geldbeutel.
Unsplash+/Yunus Tuğ
Finanzielle Schwierigkeiten können in soziale Isolation führen.

Auswirkungen von Lebenskrisen 

Rund zwei Drittel der Klientinnen und Klienten schildern ihre Einsamkeit als „tiefsitzende Gemütslage, die schon länger als ein Jahr andauert“. Bestimmte Lebenslagen begünstigen Einsamkeit. Erkrankungen und Behinderungen körperlicher und psychischer Art stehen an erster Stelle. Menschen mit Suchterkrankungen ziehen sich sozial zurück. Auch finanzielle Schwierigkeiten führen häufig in soziale Isolation – manchmal verbunden mit Schicksalsschlägen. Alte Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, betrifft es häufig. An vierter Stelle stehen Migranten, gefolgt von jungen Menschen und Personen, die Kinder oder Angehörigen pflegen.

Caritas und Diakonie bieten Angebote gegen Einsamkeit

Was ist zuerst da? Die Einsamkeit oder das mit ihr verbundene Problem? „Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte“, meint die Vorstandsvorsitzende der Caritas. Eine Beratungsstelle kann natürlich keine sozialen Beziehungen ersetzen. Aber sie kann helfen, Schritte zu gehen, um aus der Einsamkeitsfalle herauszukommen. Und für etwa ein Drittel der Ratsuchenden wirkt sich schon allein das Beratungsgespräch positiv auf die Gemütslage aus. Ein großes Plus von Caritas und Diakonie: Sie haben Netzwerke bis in die Kirchengemeinden hinein, auf die sie einsame Menschen verweisen können – soziale Orte, Angebote und Räume, wo Menschen willkommen sind.  

Was die Politik noch sucht, haben Caritas, Diakonie und Kirchen längst zu ihrer Aufgabe gemacht. Sie sind da, wo Menschen leben. Flächendeckend in Baden-Württemberg, gut vernetzt und sichtbar.

sagt Annette Noller, Vorstandsvorsitzende der Diakonie Württemberg

Das Angebot solcher Gesprächsräume trage dazu bei, dass Menschen nicht aufgrund von Einsamkeit in extreme Denk- und Verhaltensmuster abrutschen. „Caritas und Diakonie leisten auf diese Weise auch Demokratiearbeit“, sagt Noller. 

Angebote von Diakonie und Caritas gegen Einsamkeit

  • Beschäftigungsangebote für psychisch kranke oder langzeitarbeitslose Menschen
  • Mittagstische
  • Vesperkirchen
  • Besuchsdienste
  • Nachbarschaftshilfe

Gemeinnützige Arbeit in Gefahr

Sie warnte vor drohenden Kürzungen bei sozialen Leistungen, wie sie von der Bundesregierung angekündigt wurden: „Was macht das mit Menschen, die in einer Notsituation sind, was macht das mit einer Gesellschaft? Was geschieht mit der sozialen Infrastruktur?“, fragte Noller. Sie wies darauf hin, dass Caritas und Diakonie ohne eigene Gewinnabsicht arbeiten und erwirtschaftete Gelder in die gemeinnützige Arbeit zurückfließen. „Deshalb brauchen wir langfristige Finanzierungen und auskömmliche Refinanzierungen von Leistungen.“

Die Bedeutung von Arbeit und sozialen Kontakten für das Wohlbefinden

Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände in Baden-Württemberg mit rund 175 000 Arbeitsplätzen trügen maßgeblich zur Wertschöpfung der Gesellschaft bei, etwa wenn Menschen in Arbeitshilfemaßnahmen befähigt würden, sich wieder in die Arbeitswelt einzugliedern. Oder wenn Beratung verhindere, dass Menschen wegen einer schwierigen Lebenslage in das Bürgergeld abrutschten. Entlastende Angebote wie Tagesgruppen für alte oder behinderte Menschen verschafften Angehörigen Freiräume, um einer Arbeit nachzugehen.

Nicht zuletzt sind Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände mit ihrer Botschaft der Zuversicht Hoffnungsträger. Sie sind Orte der Gemeinschaft von Menschen, an denen miteinander gebetet und gefeiert wird. Orte, an denen erfahrbar wird, dass die Menschenfreundlichkeit Gottes allen Menschen gleichermaßen gilt. Jeder und jede ist wichtig für das Miteinander.

sagt Annette Noller