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Social-Media-Trends

Wie „Jesus Glow” und „Tradwives” die Sozialen Medien prägen

Social-Media-Trends wie „Jesus Glow“ und „Tradwife“ zeigen: Junge Frauen nutzen Plattformen wie Instagram und TikTok, um ihren Glauben und traditionelle Lebensentwürfe zu präsentieren. Doch diese Trends stoßen nicht nur auf Zustimmung – sie sorgen für Debatten über Gleichberechtigung und Glaubensmacht. Von Charlotte Mühlhan

Eine Gruppe Menschen sitzt schräg hintereinander, alle halten ihr Handy in der Hand.
Unsplash/ROBIN WORRALL

Was steckt hinter dem „Jesus Glow“-Trend?

Strahlend steht eine junge Frau am Herd. In einem ­anderen Video liegt sie an einem Traumstrand. Solche kurzen Filme, in denen Menschen andere an ihrem gelungenen Leben teilhaben lassen, sind in den Sozialen Medien häufig zu sehen. Einige Influencerinnen führen ihre Zufriedenheit auf ihren Glauben ­zurück. Dieser Trend hat einen ­Namen: „Jesus Glow“, das Strahlen Jesu. Die jungen Leute zeigen, wie Jesus ihr Leben ver­ändert, innerlich und äußerlich.

Der Aufbau ist immer ähnlich: Zu Beginn wirkt die Person in den zumeist nur wenige Sekunden langen Videoclips traurig und greift vielleicht zum Alkohol. Dann tritt Jesus in ihr Leben. Die mehrheitlich jungen Frauen in den Videos wirken nun glücklich und sehen vermeintlich hübscher aus. Die Bezeichnung „Glow“ bezieht sich auf das eng­lische Wort für „Strahlen“. Dieses Strahlen durch den Glauben sollen man ihnen ansehen können.

Kritik an „Jesus Glow“: Heilsversprechen statt echte Hilfe

 

Glaube ist kein Wundermittel

sagt Katharina Portmann

Katharina Portmann von der Evangelischen Zentralstelle für Welt­anschauungsfragen in Berlin beschäftigt sich mit glaubensbezo­genen Inhalten auf Social Media. Sie warnt vor falschen Heilsversprechen, die in solchen ­Videos oft unterschwellig vermittelt werden. Sicherlich könne der Glaube gläubigen Menschen Halt geben, vor allem in schwierigen Lebenssituationen. Jedoch betont Portmann, dass der Glaube kein Wunderheilmittel sei. Der „Jesus Glow“ biete eine vermeintlich einfache Lösung, der allein aber keine Erkrankungen heile.

Der „Tradwife“-Trend: Frauen kehren zurück in die 50er-Jahre-Rollen

Ebenfalls weit verbreitet ist der sogenannte „Tradwife-Trend“. Darin wird ein Lebensstil beschrieben, der sich an dem tra­ditionellen Rollenbild der Frauen aus den 50er-Jahren orientiert. Der Instagram-Account „tradwifefactory“ einer jungen Frau namens Lara vermittelt den knapp 20 000 Followern eine klare Rollenverteilung. Demnach solle sich die Frau ihrem Mann unter­ordnen und sich um Haushalt und Kinder kümmern. Häufig wird die Rollenverteilung mit der biblischen Schöpfungs­geschichte begründet. Viele der „Tradwifes“ sind evangelikal geprägt. ­Ähnlich wie die Vertreterinnen des „Jesus Glow“ vermitteln sie die Botschaft, dass alles, was ihnen geschieht, von Gott bestimmt sei.

Aus Trend wird Business: Wie „Tradwifes“ mit Rollenbildern Geld verdienen

Mittlerweile ist aus dem „Tradwife Trend“ ein Geschäftsmodell geworden. Insbesondere in den Vereinigten Staaten gibt es „Tradwifes“, die mit ihren Videos Millionen Dollar verdienen. Die aus Frankfurt am Main stammende Nara Smith, die mittlerweile in den USA lebt, gilt als eine der reichweitenstärksten „Tradwifes“ im Netz. Sie zeigt ihren Anhängerinnen etwa, wie sie Käse oder Zahnpasta für ihren Mann ­herstellt. Diese Videos werden teilweise millionenfach geklickt. Mit den daraus erzielten Einnahmen widersprechen sich die „Tradwifes“ selbst, denn in der von ihnen propagierten Welt ist der Mann fürs Geldverdienen zuständig.

Kritik und Debatte: Veraltete Rollenbilder oder freie Wahl?

Kritiker des Trends warnen vor der Verherrlichung überholter Rollenbilder und kritisieren die fehlende Gleichberechtigung. Befürworter betonen, dass der Feminismus auch die freiwillige Unterordnung der Frau ermögliche. Videos zu ­Themen wie „Jesus Glow“ oder „Tradwife“ werden online kon­trovers diskutiert.

So zeigt sich ein elementarer Konflikt zwischen Befürwortern eines vor allem fundamental-christlich ­geprägten Weltbildes sowie denjenigen, die einen Rückschritt zu alten Rollenmustern und einengenden Werten fürchten.