Ebenfalls weit verbreitet ist der sogenannte „Tradwife-Trend“. Darin wird ein Lebensstil beschrieben, der sich an dem traditionellen Rollenbild der Frauen aus den 50er-Jahren orientiert. Der Instagram-Account „tradwifefactory“ einer jungen Frau namens Lara vermittelt den knapp 20 000 Followern eine klare Rollenverteilung. Demnach solle sich die Frau ihrem Mann unterordnen und sich um Haushalt und Kinder kümmern. Häufig wird die Rollenverteilung mit der biblischen Schöpfungsgeschichte begründet. Viele der „Tradwifes“ sind evangelikal geprägt. Ähnlich wie die Vertreterinnen des „Jesus Glow“ vermitteln sie die Botschaft, dass alles, was ihnen geschieht, von Gott bestimmt sei.
Mittlerweile ist aus dem „Tradwife Trend“ ein Geschäftsmodell geworden. Insbesondere in den Vereinigten Staaten gibt es „Tradwifes“, die mit ihren Videos Millionen Dollar verdienen. Die aus Frankfurt am Main stammende Nara Smith, die mittlerweile in den USA lebt, gilt als eine der reichweitenstärksten „Tradwifes“ im Netz. Sie zeigt ihren Anhängerinnen etwa, wie sie Käse oder Zahnpasta für ihren Mann herstellt. Diese Videos werden teilweise millionenfach geklickt. Mit den daraus erzielten Einnahmen widersprechen sich die „Tradwifes“ selbst, denn in der von ihnen propagierten Welt ist der Mann fürs Geldverdienen zuständig.
Kritiker des Trends warnen vor der Verherrlichung überholter Rollenbilder und kritisieren die fehlende Gleichberechtigung. Befürworter betonen, dass der Feminismus auch die freiwillige Unterordnung der Frau ermögliche. Videos zu Themen wie „Jesus Glow“ oder „Tradwife“ werden online kontrovers diskutiert.
So zeigt sich ein elementarer Konflikt zwischen Befürwortern eines vor allem fundamental-christlich geprägten Weltbildes sowie denjenigen, die einen Rückschritt zu alten Rollenmustern und einengenden Werten fürchten.