Direkt zum Inhalt
Ostern

Wie man Kindern die Auferstehung erklärt: Tipps aus der Religionspädagogik

Es ist schwer in Worte zu fassen und steht doch im Kern des christlichen Glaubens: wie Eltern und Großeltern das Wunder der Auferstehung Christi kindgerecht vermitteln können – vielleicht sogar mit einem physikalischen Experiment. Von Anja Legge

Großmutter und Großvater bemalen Ostereier mit Enkel und lachen dabei.
Unsplash+/Getty Images

Warum die Auferstehung schwer zu erklären ist

Fragt man praktizierende Christen, was Auferstehung für sie bedeutet und wer der Auferstandene für sie ist, kommen als Erstes Begriffe wie „Hoffnung“, „Freude“, „Leben“, „Erlöser“, „Messias“. Dann folgen schnell persönliche Begriffe wie „unbegreiflich“, „unglaublich“, „schwer zu vermitteln“, „Geheimnis“. Das verwundert nicht. Die Auferstehung ist zwar Kern des christlichen Glaubens und Basis christlicher Hoffnung. Zugleich widerspricht sie ­fundamentalen menschlichen Er­fahrungen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, sie entzieht sich jeglicher rationaler Beweisbarkeit.

Schon bei den Zeitzeugen der Auferstehung finden heutige Leserinnen und Leser eine Mischung aus Trauer und Freude, aus Zweifel und Angst vor. Die Menschen erahnen wohl das Geheimnis rund um den, den sie erkennen und doch nicht kennen, der wieder lebt und doch verwandelt ist.

Erzählungen zu Auferstehung in der Bibel

  • Apostel Paulus schreibt in ­seinen Briefen bereits zwischen 50 und 60 nach Christus, dass „ihn (­Jesus) Gott von den Toten auferweckt hat“ (Römer 10,9) und dass er uns „aufer­wecken wird durch seine Kraft“ (1. Korinther 6,14).
  • Matthäus beschreibt die Auferstehung als gewaltiges Ereignis mit Erdbeben, Engeln und verängstigten Frauen, später erzählt er von einer Erscheinung auf dem Berg.
  • Bei Markus flüchten die Frauen am Grab zunächst aus Furcht, dann folgen weitere Begegnungen mit einzelnen Jüngern und den Elf.
  • Lukas betont den leibhaftigen Aspekt der Auferstehung, er berichtet auch von zweifelnden Jüngern, der Begegnung auf dem Weg nach Emmaus und der Himmelfahrt Jesu.
  • Im Johannesevangelium finden die Jünger das leere Grab vor, dann kommt es zu vielen Begegnungen mit Maria von Magdala, den Jüngern und dem zweifelnden Thomas

Wie Eltern und Großeltern mit Kindern über die Auferstehung sprechen können

Für das Gespräch mit Kindern birgt das eine große Herausforderung, denn: Wie vermittle ich dieses Paradox, das ich selbst nur schwer begreifen kann? Nach Erfahrung von Sabine Benz vom Pädagogisch-Theologischen Zentrum Stuttgart spielen bei den Vorstellungen von Kindern die verschiedenen Zeitebenen eine wichtige Rolle: Jesus lebt, er ist tot, er lebt wieder, vor 2000 Jahren, jetzt?

„Kinder versuchen sich dem Geschehen mit dem anzunähern, was sie aus ihrer Lebenswelt kennen, sie müssen erst verstehen, dass mit Auferstehung etwas anderes gemeint ist, dass auferstehen eben nicht aufstehen ist“, erklärt Sabine Benz. Im Gegensatz zu einem natürlichen Gottesverständnis, das sich überall auf der Welt im Menschen entwickle, gebe es kein natürliches Christusverständnis.

Kinder brauchen Puzzleteile und Impulse, aus denen sie sich ein Bild machen können

sagt Sabine Benz

Beim gemeinsamen Lesen und Erkunden der Bibelgeschichten sollten Eltern und Großeltern das Alter der Kinder beachten. Für jüngere Kinder in der ersten Klasse eignen sich demnach vor allem Geschichten, die den Weg von der Trauer zur Freude beschreiten, also die frohmachende Engelbotschaft am Grab oder die tröstliche Emmaus-Geschichte.

Bei älteren Kindern der vierten Klasse dürfen auch Erschrecken und Zweifel auftauchen. Wichtig sei dabei, dass man die Erzählungen nie allein stehen lässt, sondern unterschiedliche Facetten beleuchtet. „Nur so können die Kinder dem großen Geheimnis aus Kontinuität und Diskontinuität auf die Spur kommen.“

Pädagogische Zugänge zur Osterbotschaft

Eine für alle Beteiligten bereichernde Methode ist das Theologisieren, also ein ergebnisoffenes, reflektierendes Gespräch, das keine Antwort geben will, sondern individuelle Spuren legt. Der evangelische Theologe Christian Butt empfiehlt das Kreisen um christologische Fragen wie:

  • Warum erkennt Maria ­Jesus erst nicht?
  • Was verändert sich, wenn Jesus im Himmel ist?
  • Warum gibt die Begegnung Maria Hoffnung?

Im Nachdenken und Sprechen könnten Kinder entdecken, dass es trotz vieler Übereinstimmungen ­einen Unterschied zwischen irdischem Jesus und auferstandenem Christus gibt, der nicht so leicht auszudrücken ist. „Sie erspüren, dass Jesus zwei Naturen hat, dass er ganz Mensch und ganz Gott zugleich ist“, sagt Sabine Benz. Hilfreich sei zudem, wenn Kinder immer wieder von ­Jesus hören.

Die Geschichten über Jesus müssen miteinander ­verknüpft werden, alles hat mitei­nander zu tun.

sagt Sabine Benz

Eine Kinderhand malt mit orangefarbenem Filzstift eine Person auf ein Blatt Papier.
Unsplash/Compagnons

Mit Bildern arbeiten: Darstellungen des Auferstandenen als Gesprächsanlass

Ein spannender Weg, mit Kindern über die Auferstehung zu sinnieren, ist auch das Malen. Die unterschiedlichen Darstellungen – mal als „der Gleiche“ mit ­normaler Gestalt und Kleidung, mal als „Andersartiger“ mit goldenem Schimmer und Heiligenschein – können wunderbare Gesprächs­anlässe bieten, um gemeinsam über das Paradox von Gleichheit und Andersartigkeit nachzudenken.

Experiment mit Wirkung: Auferstehung sichtbar machen

Auch ein einfaches Experiment kann die Sprengkraft des Ereignisses Auferstehung sichtbar machen. Dafür einfach Trockenerbsen in einen Plastikbecher mit Flüssiggips füllen und die Mischung trocknen lassen. Während des Trockenprozesses ziehen die Erbsen Wasser und quellen. Obwohl die kleinen Kugeln im Gips eingesperrt sind, ­entwickeln sie eine so große Kraft, dass der Gipsblock aufbricht und zerbirst. Augenscheinlicher kann man das ­Potential von Auferstehung kaum sichtbar machen, oder?