Nicht immer hinterlässt Gewalt äußere Spuren wie blaue Flecken – denn es gibt auch psychische Gewalt. Das ist das Androhen von Konsequenzen oder die Drohung mit Gewalt. Auch Beschimpfungen und das Ausüben von Kontrolle über eine andere Person gehören dazu, beispielsweise, wenn der Partner seiner Frau den Kontakt zu Freundinnen verbietet. Auch Mobbing ist psychische Gewalt. Dabei werden gezielt Gerüchte verbreitet und eine Person wird aus Gesprächen und Entscheidungen ausgeschlossen, ihr Eigentum oder Arbeitsmittel werden vorenthalten oder zerstört. Abwertende oder respektlose Umgangsformen gehören ebenso dazu. Sexuelle Belästigung ist ebenfalls eine Form von Gewalt.
Durch das Internet und die sozialen Medien sind neue Räume für Gewalt entstanden: die sogenannte digitale Gewalt. Dort können Täter anonym und rund um die Uhr agieren und potenziell ein großes Publikum erreichen. Sie verbreiten Hassreden, Stalken ihre Opfer online oder verbreiten beispielsweise Rachepornografie. Zur körperlichen Gewalt zählen unter anderem Schläge, aber auch der Zwang zu sexuellen Handlungen sowie Vergewaltigung. Im schlimmsten Fall endet körperliche Gewalt in einem Femizid, also einem Mord an einer Frau, weil sie eine Frau ist.
Gewalt gegen Frauen in Deutschland und weltweit
In Deutschland wird jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von physischer und/oder sexualisierter Gewalt. Jede vierte Frau erfährt häusliche Gewalt durch ihren Lebensgefährten oder Ex-Lebensgefährten. Mädchen und Frauen mit Behinderung erleben je nach Gewaltform zwei- bis dreimal häufiger Gewalt als der Bevölkerungsdurchschnitt. Gewalt gibt es in allen gesellschaftlichen Schichten und in jedem Alter. 2024 wurden in Baden-Württemberg 13 320 Fälle von Gewalt gegen Frauen als Straftat registriert.
Eine Studie der Weltbank zeigt, dass in mehr als jedem dritten Land der rechtliche Schutz vor häuslicher Gewalt für Frauen unzureichend ist – das betrifft über eine Milliarde Frauen weltweit.
Hilfsangebote
Das bundesweite Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist rund um die Uhr unter der Nummer 116 016 erreichbar. Hier wird umfassende Hilfe angeboten und beispielsweise der Kontakt zu Frauenhäusern vermittelt. Die Plätze dort sind jedoch sehr begrenzt. In Baden-Württemberg sollen bis 2027 drei neue Frauen- und Kinderschutzhäuser in den Landkreisen Esslingen, Ludwigsburg und Ravensburg entstehen. Dadurch werden bis zu 43 neue Schutzplätze geschaffen.
Auch die Beratungsstellen von Diakonie und Caritas unterstützen Betroffene von Gewalt.
Gewalt verhindern
Ein einfaches Handzeichen kann Leben retten. Das Internationale Hilfezeichen, auch Handzeichen häusliche Gewalt genannt, geht so: Die Innenseite der Hand zeigen, Daumen auf die Fläche anlegen und die übrigen Finger immer wieder über den Daumen falten. Wer sieht, dass eine Mensch dieses Zeichen macht, der sollte schnell die Polizei rufen.