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Aus der Kirche

Württembergische Landessynode tagt im Juli 2026 in Stuttgart

Die württembergische Landessynode kommt Anfang Juli 2026 zu ihrer Sommertagung in Stuttgart zusammen. Hier erfahren Sie, worüber die Synodalen der Landeskirche beraten. Von Nicole Marten und epd

Menschen sitzen in einem Saal an langen weißen Tischen. Das Bild zeigt die Tagung der Frühjahrssynode der eEangelischen Landeskirche in Württemberg
Pressebild/Gottfried Stoppel
Bei der Frühjahrstagung der Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Am Freitag, 3. Juli, und Samstag, 4. Juli, kommt die Württembergische Evangelische Landessynode zu ihrer Sommertagung 2026 zusammen. Ort ist das evangelische Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstraße 33.

Das Kirchenparlament für die rund 1,7 Millionen württembergischen Protestanten tagt öffentlich, die Sitzungen werden auch im Internet übertragen. Im Mittelpunkt der Tagung stehen der Bericht von Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl sowie die Finanz-, Personal- und Maßnahmenplanung der Landeskirche.

Grußwort von Landtagspräsident Thomas Strobl

Der Präsident des baden-württembergischen Landtags, Thomas Strobl (CDU), hat die Kirchen als „unersetzliche Stimme für unsere Grundwerte“ bezeichnet, die eine Gesellschaft ausmachen. Kein
Gesetz und keine Verfassung könnten Werte wie Nächstenliebe und Verantwortung füreinander vorschreiben, sagte Strobl am Freitag in seinem Grußwort zu Beginn der Sommertagung der Württembergischen Evangelischen Landessynode in Stuttgart. Aber man könne sie vorleben „und das tun Sie Tag für Tag und dafür bin ich dankbar“.

Gerade die digitale Zukunft mit ihrer gewaltigen Transformation, die viele Menschen verunsichere, aber nicht aufhaltbar sei, brauche ethische Orientierung – dies sei ein Auftrag auch für die Kirchen, sagte Strobl.

Diakonie-Chefin warnt vor Folgen durch Kürzung in Entwicklungshilfe

Die Präsidentin von Brot für die Welt und der Diakonie Katastrophenhilfe, Dagmar Pruin, nimmt in
Deutschland eine abnehmende Unterstützung der Entwicklungszusammenarbeit wahr. Der Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sei mehrere Male in Folge gekürzt worden, sagte sie in ihrem Grußwort auf der Sommertagung der Landessynode. Damit folge Deutschland dem Kürzungstrend vieler anderer Länder.

Dieses Jahr würden es nicht mal 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sein, die für Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben werden, sagte Pruin.

Als kirchliches Entwicklungswerk stehen wir dafür, dass Deutschland seine Verantwortung in der Welt nicht aufgibt und dass man keinen verhungern lässt.

sagt Dagmar Pruin

Bischofsbericht: Positionierung zum Umgang mit KI

Nach Ansicht von Ernst-Wilhelm Gohl, Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, sollten sich die Kirchen intensiv mit den ethischen Fragen beschäftigen, die bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz entstehen, und ihre Position klar und vernehmbar vertreten. In seinem Bischofsbericht am Freitag bei der Landessynode in Stuttgart sagte er:

Als Kirche können wir es uns nicht länger leisten, zu zentralen ethischen Fragen unserer Zeit zu schweigen, oder Binnendiskurse zu führen, die niemand in der Gesellschaft wahrnimmt.

sagt Ernst-Wilhelm Gohl auf der Landessynode in Stuttgart

Deshalb sei es wichtig, diese zentralen Fragen in Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche in den nächsten Monaten weiter voranzutreiben. Hier gebe es eine große Schnittmenge gemeinsamer Anliegen mit der Katholischen Kirche, wie die Enzyklika „Magnifica humanitatis“ zeige, das erste Lehrschreiben von Papst Leo XIV.

Wir müssen in der Lage sein, informiert, kompetent und profiliert unseren kirchlichen Standpunkt in öffentlichen Debatten einzubringen.

sagte Gohl vor der württembergischen Landessynode

Gleichzeitig würdigte er, dass die württembergische Landeskirche sich in den letzten Monaten intensiv mit den Chancen und Gefahren beim Einsatz von KI auseinandergesetzt habe – auch in den konkreten Verwaltungsabläufen in der Kirchenleitung. KI-Projekte würden dort bereits erfolgreich umgesetzt, sagte der Landesbischof.

Württembergische Kirche stellt Pfarrplanung neu auf

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg wird ihren Pfarrplan nach 2030 nicht fortführen. Stattdessen soll ein Strukturstellenplan den künftigen Personalbedarf an sinkende Mitgliederzahlen sowie an die finanziellen und personellen Möglichkeiten der Kirche anpassen, wie Oberkirchenrätin Kathrin Nothacker vor der Landessynode in Stuttgart ankündigte.

Die aktuelle Personalstrukturplanung geht davon aus, dass in den kommenden Jahren die geburtenstarken Pfarrjahrgänge in den Ruhestand gehen, während deutlich weniger Nachwuchs nachkommt. Ab den 2030er Jahren rechnet die Landeskirche nur noch mit rund 20 Berufseinsteigern aus dem klassischen Theologiestudium pro Jahr. Frühere Planungen waren noch von mehr als doppelt so vielen ausgegangen.

Deshalb will die Landeskirche verstärkt alternative Zugangswege ausbauen. Neben der berufsbegleitenden Ausbildung im Pfarrdienst sollen auch Quereinsteiger sowie Pfarrer aus anderen Landeskirchen und dem Ausland gewonnen werden. Gleichzeitig setzt die Kirchenleitung auf regionale Kooperationen und multiprofessionelle Teams. Nach Angaben Nothackers macht sich die hohe Zahl der Ruhestände bereits bemerkbar. Viele Pfarrstellen blieben längere Zeit unbesetzt. Derzeit arbeiten 42 Pfarrerinnen und Pfarrer mit einer Ruhestandsbeauftragung weiter.

Alternative Zugänge zum Pfarrdienst schaffen

Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Tobias Geiger, bezeichnete die Personalstrukturplanung als unverzichtbares Steuerungsinstrument. Angesichts der sinkenden Zahl von Theologiestudenten müsse die Landeskirche weitere alternative Zugangswege zum Pfarrdienst schaffen. Der Vorsitzende des Ausschusses für Kirchen- und Gemeindeentwicklung, Johannes Hartmann, verwies darauf, dass der Landeskirche derzeit rechnerisch rund 50 Vollzeitkräfte im Pfarrdienst fehlten. Er sprach sich dafür aus, die berufsbegleitende Ausbildung zu stärken, multiprofessionelle Teams schneller auszubauen und mehr Menschen für den Pfarrberuf zu gewinnen.

Landeskirche hält an Neueinstellungen für Religionspädagogen fest

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg will trotz Sparvorgaben bis 2030 jährlich acht Religionspädagoginnen und -pädagogen unbefristet einstellen. Das sieht die Personalstrukturplanung vor, die Oberkirchenrätin Carmen Rivuzumwami der Landessynode in Stuttgart vorstellte. Wegen hoher Ruhestandszahlen werde sich der Personalmangel in den kommenden Jahren zunächst weiter verschärfen.

Allein in den Jahren 2025 und 2026 gingen 22 Religionspädagogen in den Ruhestand, mehr als 24 Vollzeitstellen fielen weg. Gleichzeitig steigen die Schülerzahlen nach den Prognosen zunächst weiter an. Für das Schuljahr 2026/27 wurden wegen Sparmaßnahmen allerdings nur acht statt der ursprünglich vorgesehenen zehn Stellen ausgeschrieben.

Reli-Lehrer für viele Kinder wichtigste Begegnung mit Kirche im Alltag

Der Anteil kirchlicher Lehrkräfte am evangelischen Religionsunterricht lag im vergangenen Schuljahr bei 32,5 Prozent. Davon entfielen 17,5 Prozent auf Pfarrer und 15 Prozent auf Religionspädagogen. Weil immer weniger Pfarrer Religionsunterricht erteilen können, gewinnen Religionspädagogen für die Unterrichtsversorgung an Bedeutung.

Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Tobias Geiger, forderte das Land Baden-Württemberg auf, die Kosten des kirchlich erteilten Religionsunterrichts besser zu refinanzieren. Die Vorsitzende des Ausschusses für Bildung und Jugend, Prisca Köpf, bezeichnete die bisherigen Neueinstellungen als vorausschauende Entscheidung. Religionslehrkräfte seien für viele Kinder und Jugendliche heute die wichtigste Begegnung mit Kirche im Alltag.

Kirche hält an Sparkurs fest

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg setzt ihren Sparkurs bis 2030 fort und will neue Vorhaben weiter nur in Ausnahmefällen angehen. Hintergrund sind schwächer als erwartet steigende Kirchensteuereinnahmen, eine sinkende reale Kaufkraft und hohe langfristige Versorgungsverpflichtungen, wie Oberkirchenrat Fabian Peters am Freitagabend vor der Landessynodesagte.

Für 2026 rechnet die Landeskirche mit Bruttokirchensteuereinnahmen von rund 760 Millionen Euro, bis 2030 mit etwa 800 Millionen Euro. Inflationsbedingt sinke die Finanzkraft dennoch deutlich; bis 2030 liege sie rund ein Viertel unter dem Stand von 2021. Deshalb setzt die Kirche die bereits beschlossenen Konsolidierungsmaßnahmen fort, darunter Einsparvorgaben von rund 104 Millionen Euro jährlich bis 2028.

Kirchensteuermittel für neue Vorhaben nur noch in Ausnahmefällen

Die langfristigen Versorgungsverpflichtungen für Pfarrerinnen, Pfarrer und Kirchenbeamte steigen nach den Angaben von 4,4 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf rund 4,6 Milliarden Euro bis 2030. Für 2026 rechnet die Planung zunächst mit einem Defizit von rund 49 Millionen Euro.

Gleichzeitig sind einzelne Projekte vorgesehen. Aus Kirchensteuermitteln sollen unter anderem ein Fonds „#Nächstenliebe“ mit 3 Millionen Euro, Mittel für Beratungsarbeit und kirchliche Musik sowie Folgekosten der Schließung von Haus Birkach von bis zu 521.000 Euro jährlich finanziert werden.

Für die Verwaltungsmodernisierung sind zudem rund 3 Millionen Euro aus Rücklagen vorgesehen. Weitere Mittel fließen in Gebäudesanierungen in Höhe von 2,1 Millionen Euro und in eine ökumenische Mietförderung von 1 Million Euro. Peters betonte, die Landeskirche bleibe trotz der angespannten Lage jederzeit zahlungsfähig. 

Württembergische Kirche gab über 20 Millionen für Flüchtlingshilfe

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat die Flüchtlingsarbeit seit 2016 insgesamt mit mehr als 20 Millionen Euro unterstützt. Mit diesen Mitteln wurden kirchliche und diakonische Projekte in den Kirchenbezirken finanziert, wie die Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, Oberkirchenrätin Annette Noller, am Samstag in Stuttgart vor der Landessynode berichtete. Eine mehr als zehnjährige Förderphase laufe nun im September aus.

In einem typischen Jahr begleiteten die Helfer rund 1600 Flüchtlinge und unterstützten etwa 1.000 Ehrenamtliche, sagte Noller weiter. Die Flüchtlingsarbeit sei von einer engen Zusammenarbeit zwischen hauptamtlichen Fachkräften und freiwilligen Helfern geprägt gewesen. Die Hauptamtlichen boten Schulungen an, etwa zum Migrationsrecht, und vernetzten sich mit Kommunen und anderen Organisationen. So war die Kirche an rund 160 lokalen Initiativen wie Asylkreisen beteiligt.

Ehrenamtliches Engagement sei unverzichtbar, benötige aber qualifizierte Begleitung durch Fachleute, betonte Noller. Migration sei keine vorübergehende Erscheinung, sondern eine dauerhafte gesellschaftliche Aufgabe. Die Begleitung von Geflüchteten sei Ausdruck des diakonischen Auftrags der Kirche, Menschen in Not beizustehen und ihre Würde zu achten. 

Synodale fordern Transparenz bei Spenden an Gesprächskreise

Spenden von 500 Euro und mehr an die synodalen Gesprächskreise der Evangelischen Landeskirche in Württemberg müssen künftig möglicherweise veröffentlicht werden. Damit solle der
finanzielle Einfluss von kirchenfeindlichen Personen oder Organisationen auf die synodalen Arbeitsgruppen unterbunden werden, geht aus einem Antrag hervor, mit dem sich die Synode bei ihrer Sommertagung am Samstag in Stuttgart befasst hat.

Der Antrag fordert, dass bei Spenden ab dieser Höhe der Name und die Anschrift des Gebers sowie die Summe im Rechenschaftsbericht des jeweiligen Gesprächskreises genannt werden. Als kirchenfeindlich bezeichnet der Antrag Bestrebungen, die dem Auftrag der Kirche widersprechen. Dazu zählen die Verfasser menschenfeindliche, rassistische, antisemitische oder völkisch-nationalistische Äußerungen. Eine Liste aller Spender über dem Schwellenwert soll veröffentlicht werden. Noch ist die Regelung aber nicht beschlossen: Der Antrag wird in einem nächsten Schritt im Rechtsausschuss beraten.

Kirchenparlamentarier wollen „Schwänzer“ loswerden

Mitglieder der württembergischen evangelischen Landessynode, die häufig bei Sitzungen fehlen, sollen künftig ihre Mitgliedschaft verlieren können. Ein entsprechender Antrag liegt dem Kirchenparlament vor und wurde am Samstag in Stuttgart bei der Sommertagung der Synode zur Beratung in den Rechtsausschuss verwiesen.

Hintergrund sind die Erfahrungen aus der zurückliegenden Amtsperiode. Einige Mitglieder seien ihrer Teilnahmepflicht „in eklatanter Weise nicht nachgekommen“ und hätten „fast immer gefehlt“,
heißt es in dem Antrag. Die Verfasser sehen die Arbeitsfähigkeit der Synode gefährdet, denn sie sei auf eine aktive und verlässliche Mitwirkung angewiesen.

Für einen möglichen Ausschluss könnte ein Verfahren eingeleitet werden, wenn ein Synodaler innerhalb eines Jahres an weniger als der Hälfte der Synodaltagungen und zusätzlich an weniger als der Hälfte seiner Ausschusssitzungen teilnimmt. Eine ähnliche Regelung wird für einen Zweijahreszeitraum bei krankheits- oder berufsbedingter Abwesenheit vorgeschlagen. Die bestehende Geschäftsordnung verpflichtet die Synodalen schon jetzt zur Teilnahme an allen Sitzungen. Bislang fehlen jedoch Konsequenzen bei Verstößen. Das beantragte Gesetz soll diese Lücke schließen.

Digitale Kirchenwahl zu teuer

Sie ist bundesweit einmalig, kostet aber auch viel Geld und Energie: In der Evangelischen Landeskirche in Württemberg werden alle Mitglieder des Kirchenparlaments, der Synode, unmittelbar vom Kirchenvolk gewählt. Am Samstag diskutierte die Sommersynode in Stuttgart über die Zukunft dieser Wahlen. Dabei wurde deutlich: Eine Erweiterung durch ein digitales Wahlverfahren wäre noch teurer.

Oberkirchenrat Christian Schuler berichtete, dass die jüngste Kirchenwahl am 1. Advent 2025 rund fünf Millionen Euro gekostet habe. Hätte man ergänzend eine Abstimmung per Internet ermöglicht, wären die Kosten um mindestens 1,5 Millionen gestiegen – es seien entsprechende Angebote eingeholt worden.

Zuvor hatten mehrere Mitglieder des Kirchenparlaments die Einführung der digitalen Stimmabgabe gefordert, um mehr junge Menschen zu erreichen. Matthias Vosseler, Pfarrer an der Stuttgarter Stiftskirche, sagte, Schüler fragten heute im Religionsunterricht nach der Möglichkeit der Wahl im Internet. Generell sei die Urwahl ein Anlass dafür, die Präsenz der Kirche in der Öffentlichkeit zu verbessern.

Die Mehrheit der Rednerinnen und Redner sprach sich dafür aus, an der Urwahl festzuhalten und nicht die Praxis anderer Landeskirchen zu übernehmen, das Kirchenparlament von zwischengeschalteten Gremien wie Bezirkssynoden wählen zu lassen. Marion Blessing wies darauf hin, dass Frauen und junge Menschen in solchen Gremien oft unterrepräsentiert seien. Die Urwahl sei „ein Markenzeichen der württembergischen Landeskirche“, sagte sie.

Eckart Schultz-Berg betonte, es sollte keine „Funktionärssynode“ angestrebt werden – eine demokratische Wahl sei den erforderlichen Aufwand wert. Ins selbe Horn stieß Rainer Köpf: „Demokratie ist eines der größten Geschenke, die uns bereitet worden sind.“ Christof Messerschmidt vertrat dagegen die Ansicht, auch andere Wahlverfahren seien demokratisch.

Die Tagesordnung der Synode ist auf der Seite der Evangelischen Landeskirche in Württemberg abrufbar