Für viele Lesende in langen Beziehungen mag dieser Roman von Ann Packer eine Herausforderung sein: „Ein unerhörter Wunsch“ lautet der neugierig machende Titel. Doch mag man während des Lesens Bedeutung und Wirkung des Wortes „unerhört“ überprüfen: Man versetze sich in die Situation von 40 Jahren gelebter Gemeinsamkeit, von der großen Liebe bis hin zur Familie und wieder zur Zweisamkeit, die von Gewohnheiten, Wertschätzung, festgeschriebenen Rollen geprägt ist.
Die Protagonisten Claire und Eliot scheinen sich in dieser Phase fast wortlos zu verstehen. Doch der vorausgesagte Abschied durch Claires Krankheit bestimmt plötzlich das Leben der ganzen Familie. In der letzten Phase scheint es, als wäre sich das Paar noch nie näher gewesen. Doch gerade da äußert Claire den Wunsch, ihre letzten Wochen nicht mit Eliot, ihrem Mann, zu verbringen, sondern mit ihren besten Freundinnen.
Was es bedeutet, jetzt einen geliebten Menschen loszulassen, dabei zu kämpfen und sich aber auch selbst zu hinterfragen, das schildert die Autorin stark aus der Gefühlslage von Eliot. Ist Claires Wunsch ernst gemeint und wenn ja, bis zum Ende? Was schulden wir Menschen, die wir lieben, und wie groß darf die Zumutung der Endlichkeit werden? Wie soll ein Loslassen kurz vor dem Tod funktionieren?
Ein trauriges Buch, das herausfordert, ja wütend macht. Doch auch Claire hat Argumente für ihr Verhalten. Ein aufwühlendes Leseerlebnis und am Ende auch ein bisschen beglückend.