Schmerzlich schön

Buchtipp: „All die ungesagten Dinge“ von Tracey Lien

Der Roman von Tracey Lien erzählt über Rassismus, Migration und das Trauma einer Familie, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Eine packende Geschichte von emotionaler Wucht. Von Brigitte Scheiffele

Buch: All die ungesagten Dinge
GB

Den Schlüsselsatz spricht Ky, Tochter vietnamesischer Einwanderer, zu ihren strengen Eltern: „Lasst ihn doch einfach hingehen.“ Doch ihr Bruder Denny wird auf seiner Schulabschlussfeier vor aller Augen ermordet. Keiner will etwas gesehen haben. Warum bemüht sich niemand um Aufklärung dieses Mordes? Und warum hat Ky lange selbst die Augen verschlossen vor Rassismus und Ungerechtigkeiten? Warum bestehen ihre Eltern nicht auf einer Ermittlung?

Bisher stritt Ky mit ihren Eltern über deren mangelnden Integrationswillen und wirft ihnen vor, noch immer einer vergangenen Zeit in Vietnam nachzuhängen. Als die Mutter in der Trauer um ihren Sohn wieder über Diskriminierungen spricht – wie kein bezahlter Urlaub, kein Geld bei Krankheit oder keine Vergütung der Überstunden, empfindet Ky Verständnis und glaubt zu verstehen, in welcher Falle ihre Eltern seit Jahren sitzen.

Zum ersten Mal kehrt Ky nach Sydney zurück und taucht in das asiatische Viertel ihrer Kindheit ein. Ein Ghetto für Vietnamesen und Kleinkriminelle und ein Beispiel dafür, wie Generationen scheitern können, wenn das Elternhaus nicht zur Integration fähig ist. Dass sich keiner bei der Abschlussfeier zum Mord äußerte und selbst die Polizei in Gleichgültigkeit versank, spiegelt die Ängste vor Repressalien. Sie sorgen aber für anderweitige Verbindungen.

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