Buchtipp: „Kochen im falschen Jahrhundert“ von Teresa Präauer

Es hätte doch alles so schön werden können. Geradezu perfekt. So hatte es sich die Gastgeberin zumindest vorgestellt: Fünf kultivierte Erwachsene sitzen um ihren dänischen Esstisch, delektieren sich bei loungiger Jazz-Musik an ihrer selbstgebackenen Quiche, genießen den Wein aus den angesagten finnischen Ittala-Gläsern und wissen auch den Wiesenstrauß zu schätzen, den es bei dem teuersten Floristen im Viertel zu kaufen gibt. Von Dorothee Schöpfer

Buch: Kochen im falschen Jahrhundert
GB

Es kommt aber anders in dem raffiniert zubereiteten Roman „Kochen im falschen Jahrhundert“ der Österreicherin Teresa Präauer. In immer wieder neuen Varianten wird der Verlauf des Abends erzählt. Mal kommt das eine Paar viel zu spät, mal betrinken sich die Gastgeberin und ihr Partner mit dem Cremant, der eigentlich als Aperitif gedacht war. Dabei wird en passant viel über die feinen Unterschiede berichtet, die für die neue Mittelschicht so wichtig sind. Weil es in diesem Milieu eben zählt, dass man nicht an irgendeinem, sondern an einem dänischen Holztisch sitzt. Wie ärgerlich, dass der Partner der Gastgeberin irgendwann sehr lässig ein nasses Geschirrtuch auf selbigen wirft, was einen Fleck für die Ewigkeit hinterlässt.

Zwischen den Kapiteln gibt es nicht nur (recht karge) Rezepte, sondern auch Reflexionen der Gastgeberin, die sich an erste Geschmackserlebnisse und das Kochen bei ihrer Großmutter erinnert. Dieser mit spitzem Humor verfasste Roman gleicht einer unterhaltsam verfassten soziologischen Studie: Essen ist immer viel mehr als nur die Aufnahme von Nahrung.

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