Christine von Brühl erzählt zwei Geschichten in ihrem Buch. Die eine handelt davon, wie der Ehemann der Ich-Erzählerin ein verwildertes Stück Wald am Kyffhäuser kauft, viel Energie und einen großen Teil seiner Zeit darauf verwendet, daraus ein bewohnbares Grundstück zu gewinnen. Seine Frau fährt immer mit. Sie übernimmt die anfangs ohne Trinkwasser- und Stromanschluss umständliche Hausarbeit und hilft bei der Urbarmachung des Geländes.
Die andere Geschichte baut auf diese auf: Am Anfang ist die Ich-Erzählerin gekränkt, findet trotz aller Arbeit am Grundstück keinen Zugang zu dem Projekt und keinen Platz für sich. Immer wieder fragt sie ihren Mann, warum er dieses Grundstück gekauft habe. Erst nach Jahren begreift sie, dass er sich nichts anderes wünschte, als dass sie dort glücklich werden. Sie begreift, dass er Pflanzen beim Wachstum zusehen wollte, die er selbst gepflanzt hatte. Er wollte ein eigenes Stück Land bestellen und nicht den elterlichen Garten übernehmen. Es ging dabei nicht um die Ehefrau, nicht um die Familie, sondern um seine Herkunft.
Erst durch das Anlegen eines eigenen Gartens unter schweren Bedingungen hat er sich aus der Enge befreit. Viele Jahre hat die Ich-Erzählerin benötigt, um das zu begreifen. Die Verletzung durch das Nicht-einbezogen-worden-Sein bleibt. Aber nach so langer Zeit, nach so vielen Mühen hat sie ihren Mann und auch sich selbst besser kennengelernt, hat sie ihre Beziehung zueinander verstanden. Darin besteht das Glück. Es ist schwer erworben. Und voller Hoffnung.