Buchtipp: „Der doppelte Erich. Kästner im Dritten Reich“ von Tobias Lehmkuhl

Ein Moralist taucht ab

Erich Kästner mochte das  literarische Spiel mit Masken. „Das doppelte Lottchen“, „Drei Männer im Schnee“ oder das Gedicht „Der Traum vom Gesichtertausch“ aus dem Jahr 1931 zeugen davon. Von Antje Schmitz

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In der Weimarer Republik überaus populär, tauchte Kästner während der NS-Zeit ab. Er wohnte der Verbrennung seiner Bücher bei. Einer der vielen Künstlerinnen und Künstler, die im Land blieben, wenngleich sie keine Parteigänger, keine Nationalsozialisten waren. Er schrieb weiter unter Pseudonym. Zum Beispiel das Drehbuch für den Abenteuerfiilm „Münchhausen“ mit Hans ­Albers. Er kam durch.

Tobias Lehmkuhl beleuchtet Kästner im Dritten Reich. Seine These: So wie Kästner literarisch das Spiel mit den Masken liebte, so kaschierte er sich auch während des Dritten Reiches. So ganz kommt Lehmkuhl Kästner jedoch nicht bei, kann ihn nicht entschlüsseln. Was Erich Kästner während der zwölf Jahre dachte und empfand, bleibt unklar, auch Tagebucheinträge sind wenig aufschlussreich.

Gelegentlich ergeht sich Lehmkuhl in Spekulationen, erfindet Dialoge und schreibt: So könnte es gewesen sein. Das alles ist gut lesbar, aber eben nicht streng biografisch.

Nach 1945 knüpfte Kästner an den frühen Ruhm an. Er hat nie den großen Roman über die nationalsozialistischen Jahre vorgelegt, lediglich das Theaterstück „Die Schule der Diktatoren“ geschrieben, das durchfiel. Das deutsche Publikum hat den humorvollen Moralisten geliebt, seine Kinderbücher und Gedichte gelesen und ihn auch wegen seines Charakters geschätzt. Denn Kästner, so schreibt Lehmkuhl, war ein freundlicher Herr.  Antje Schmitz

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