Die Geschichte beginnt harmlos: Die Familien Binder und Strobl-Marinek amüsieren sich auf ihrem exklusiven Urlaub in der Toskana. Tochter Sophie-Luise darf ihre Schulfreundin Aayna mitnehmen, ein Flüchtlingskind aus Somalia. „Großartig“, findet das Melanie Binder, „schon rein als Symbol“.
Spätestens da beginnt das große Vergnügen des Lesers, denn man kann so allerlei gemeine Doppeldeutigkeiten zwischen den Zeilen herauslesen. Viele Klischees und Inszenierungen der Protagonisten, die früh erahnen lassen, dass es unter der Oberfläche ganz anders aussieht. Das betrifft nicht nur die Rolle der Grünen-Politikerin Elisa Strobl-Marinek oder die des Engelbert Binder, der das Erbe einer Weinbauern-Dynastie fortführt, sondern auch die angezählten Ehen der beiden Paare.
Doch schon früh bleibt einem das Lachen im Halse stecken, denn es passiert ein tragischer Unfall, der das Leben aller Protagonisten nachhaltig erschüttern wird: Aayna ertrinkt im Swimmingpool. Ab da stellt sich die Schuldfrage, der Vorfall zieht immer größere Kreise.
Es geht um große moralische und soziale Themen wie Drogensucht, die Mechanismen von Social Media, um fragwürdige politische und um bizarre juristische Vorgänge. Der Roman lässt einen bis zur letzten Zeile nicht los, der packende Erzählstil mit den oft bissigen Beschreibungen und Charakterisierungen machen das Buch zu einem großen Leseerlebnis. Es ist das bislang spannendste und berührendste Buch von Daniel Glattauer.