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Buchtipp: „Gott spricht Jiddisch“ von Tuvia Tenenbom

Eine aufregende und fremde Welt

Tuvia Tenenbom gibt in seinem neuen Buch eine Fülle span­nender Einblicke in die Welt der ultra­orthodoxen Juden. Von Waltraud Günther

Buchcover "Gott spricht Jiddisch" Buchtipps
Canva
Tuvia Tenenbom: Gott spricht Jiddisch. Suhrkamp 2023, 573 Seiten, 20 Euro

Tuvia Tenenbom gibt uns in seinem neuen Buch eine Fülle spannender Einblicke in eine Welt, die Außenstehenden weitgehend verborgen bleibt: in die ultraorthodoxe jüdische Kultur und Lebensweise im Jahr 2023. Er nimmt seine Leser mit nach Mea Schearim, einem von streng orthodoxen Juden bewohnten Stadtteil Jerusalems. Für sein neues Buch kehrt der Autor, der zwischenzeitlich in New York lebt, zurück an den Ort seiner Kindheit.

Tenenbom entstammt einer chassidischen Familie, lernte in einer Jeschiwa, einer Talmud-Schule, und hatte eine Laufbahn als Rabbiner vor sich. Einblicke in die weitgehend unsichtbare Welt des orthodoxen Judentums zu geben, gelingt ihm. Er diskutiert mit den Charedim, den Ultraorthodoxen, in den Synagogen und Jeschiwas, mit den Rabbinern – und wenn möglich auch mit deren Ehefrauen, den Rebbetzinnen.

Ob beim gemeinsamen Reden, Beten, Singen, Feiern oder beim Essen und Trinken – von der Kartoffelkugel oder dem gefilten Fisch bis zu Cola Zero –, durch die Schilderung seiner Erlebnisse ergibt sich ein eindrückliches Bild vom Leben in Mea Schearim.

Zugleich gelingt es ihm, die Welt der Charedim in ihrer ganzen Faszination und Widersprüchlichkeit zu offenbaren. So beschreibt er einerseits eine interessante, humorvolle, lebendige Gemeinschaft, andererseits aber skurrile, kaum glaubhafte Episoden. Dabei ist Tenenboms zugleich kritischer, klarer und liebevoller Blick auf die Ultraorthodoxie Provokation und Wohltat zugleich. Schade, dass dies auf die kleinen, unscharfen Schwarz-Weiß-Fotos nicht zutrifft.