Gleichförmigkeit wirkt stabilisierend. Zumindest auf jemanden wie Rocky, der Regeln liebt und gerne Dinge zählt, besonders wenn in seinem Kopf alles durcheinanderwirbelt. Als seine Mutter ihn nicht zusammen mit drei anderen Kindern und der Physiklehrerin zu einem Wissenschaftswettbewerb nach Danzig reisen lässt, fährt er heimlich mit. Er verfolgt einen Plan, der ihn über sich selbst hinauswachsen lässt: Sein bester Freund ist mit den Eltern nach Polen gezogen und er möchte einen Überraschungsbesuch machen, um die Familie zu überreden, wieder zurück zu kommen.
Marie Hüttner erzählt in ihrem skurrilen Roadtrip „Rocky Winterfeld. Ziemlich neben der Spur“ aus der Sicht eines autistischen Jungen. Das gestaltet sich so lustig wie berührend, wenn die vier extrem unterschiedlichen Kids mit der Lehrerin in einem klapprigen Bus unterwegs sind. Da geht viel schief, genau das verbindet sie: den selbstbewussten türkischstämmigen Kadir mit der leidenschaftlichen Umweltaktivistin Leyla, die schwarz gekleidete Tess, neu in der Schule, die nie wieder ein Mobbing-Opfer sein will – und den geradlinigen, klugen Rocky.
Viele Themen versammelt die Autorin und weiß dabei bestens zu unterhalten mit überraschenden Wendungen und bizarren Szenen. Und ja, Rocky erleidet Verlustschmerz und erfährt gleichzeitig die Perspektive auf einen Neuanfang: echte Freunde. Der Kinderroman bietet pure Lesefreude für Menschen ab zehn Jahren und jeglichen Alters darüber – ein echtes Buchjuwel!