Sie schreiben, dass Sie sicher sind, dass „das was uns verbindet, größer ist, als das, was uns trennt“: Wo denken Sie, gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Judentum und Islam? Und wie könnten diese helfen, trotz Wut, Hass und Sprachlosigkeit wieder aufeinander zuzugehen?
Ahmad Milad Karimi: Wir teilen einen gemeinsamen Ursprung und Geschichten: Abraham ist nicht nur eine Figur der Vergangenheit, sondern ein gemeinsamer Anfang, der uns verpflichtet. In Isaak und Ismael ist bereits eingeschrieben: Wir sind getrennt und dennoch Brüder. Auch die Geschichten von Sara und Hagar tragen eine geteilte Hoffnung, die Verantwortung stiftet, statt Feindschaft zu legitimieren. Zudem leben Judentum und Islam aus dem Monotheismus, aus der Einsicht, dass Gott größer ist als unser Zugriff.
Diese und andere Gemeinsamkeiten helfen uns praktisch, indem wir uns wieder vom Anderen her sehen lernen: nicht als Gegner im politischen Spiegelkabinett, sondern als Mit-Erben einer Geschichte, die uns verantwortlich füreinander macht. Zwar ersetzen die Gemeinsamkeiten keine politischen Konfliktlösungen, aber sie entgiften die religiöse Sprache. Sie verhindern, dass wir den Glauben als Waffe führen. Und sie eröffnen eine Haltung, in der Kritik möglich bleibt, ohne den anderen zu entmenschlichen: Nähe ohne Vereinnahmung, Solidarität ohne Verklärung, Wahrhaftigkeit ohne Hass.
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