Gerade in der Rentendiskussion geht es immer wieder um die „Boomer“, die sich nach und nach vom Arbeitsmarkt verabschieden. Wer zwischen 1955 und 1970 in der Zeit der geburtenstarken Jahrgänge geboren wurde, hat seinen Posten entweder schon freigemacht oder sieht dem Ruhestand entgegen. Heinz Bude ist Soziologe und selbst ein Boomer. Als Autor erinnert er in einer Rückschau an viele Ereignisse vergangener Jahrzehnte.
Erinnerungen werden dabei wach und noch einmal beleuchtet. Ja, es gab immer zu viele von ihnen, was alle schon als Kinder in überfüllten Klassenzimmern und später auf dem Arbeitsmarkt spürten. Die Boomer-Generation hat aber auch vom Wirtschaftswunder profitiert und ist laut Bude bis heute experimentierfreudig, pragmatisch – und skeptisch geprägt, denn man rechnete immer mit dem Scheitern.
Informativ und vergnüglich darf man sich beim Lesen darüber im Klaren werden, wie sich mit den Boomern ein besonderes Lebensgefühl verabschiedet, das die Gesellschaft Jahrzehnte geprägt hat. Dabei geht es nicht nur um Zahlen, sondern um ein präzises Bild der Generation mit Kulenkampff, Willy Brandt und der RAF, mit der Entdeckung einer eigenen Stimme im Juni 1978: „Wir lassen uns nicht mehr klein- und gleichmachen.“ Aids und Tschernobyl prägten die Zeit, aber auch gut ausgebildete Frauen in akademischen Berufen. Laut Bude sehen die Boomer selbst, dass einiges schiefgelaufen ist und dass sie sich nicht in ein geruhsames Alter davonstehlen können.