Friederike Oertel hat genug! Genug von ihrem herablassenden Chef, von sexistischen Kommentaren und von dem Gefühl, als Frau immer einen Schritt mehr tun zu müssen, um ernst genommen zu werden. Deshalb beschließt sie, das Patriarchat hinter sich zu lassen – zumindest vorübergehend. Doch wohin flieht man, wenn die Macht der Männer scheinbar überall ist?
In „Urlaub vom Patriarchat“ erzählt sie von ihrer Flucht nach Juchitán. Ein Fleckchen Erde im Süden Mexikos, an dem Frauen und nicht Männer das gesellschaftliche Leben regeln, Geld verwalten, Entscheidungen treffen und Macht haben. Doch Oertel merkt schnell: Auch im Matriarchat läuft nicht alles rund. Mit ihrer Mischung aus Reisebericht, Statistiken und Gesellschaftsanalyse zeigt Oertel humorvoll, unverblümt und mutig, was sie in Juchitán erlebt hat, wo der Schuh in unserer Gesellschaft drückt und was sich ändern muss.
Ein zentrales Thema des Buches ist die Frage der Macht, die Oertel vielfältig beleuchtet. „Wer das Wort hat, hat die Macht. Und Macht haben im Patriarchat mehr Männer als Frauen, denn sie reden nicht nur häufiger, sondern auch lauter und länger. Bei Frauen ist die Wahrscheinlichkeit doppelt so hoch, dass sie unterbrochen werden. Das fängt beim Vorstellungsgespräch an und hört im Arbeitsalltag nicht auf“, schreibt sie.
„Urlaub vom Patriarchat“ ist keine Wohlfühllektüre. Es ist eine Einladung, hinzuschauen, wo es klemmt, und bietet die Möglichkeit, in eine Welt einzutauchen, in der Frauen den Ton angeben.